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Landkreis Göttingen: Hochburg der Kaiserschnitte

41 Prozent Landkreis Göttingen: Hochburg der Kaiserschnitte

Der Landkreis Göttingen ist bundesweit eine Hochburg des Kaiserschnitts. Nach Angaben der Krankenkasse IKK Classic kamen 2013 fast 41 Prozent der Kinder im Kreis per Kaiserschnitt zur Welt. Diese Rate liege weiter über dem niedersächsischen Durchschnitt von 32,6 Prozent.

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Quelle: Karmann/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Bundesweit habe die Quote bei 31,8 Prozent gelegen. Damit sei die Kaiserschnittrate deutschlandweit doppelt so hoch wie vor 20 Jahren. Im Göttinger Krankenhaus Neu-Mariahilf stieg der Anteil in den vergangenen 20 Jahren sogar auf das Dreifache. 1993 erfolgten noch 12,9 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt. In den vergangenen beiden Jahren habe der Anteil jeweils bei rund 36 Prozent gelegen, erklärt Pressesprecher Stefan Rampfel. Ein möglicher Grund liege darin, dass vor 20 Jahren eine regionale Betäubung noch eine Seltenheit gewesen sei.

Damals seien bei Kaiserschnitten eher Vollnarkosen gegeben worden, was viele Frauen abgelehnt hätten. Heute sei zudem das durchschnittliche Alter der Mütter höher, was ein höheres Risiko bedeute. Damals habe zudem eine normale Geburt im Trend gelegen, heute dagegen die Angst davor zugenommen.

Im Agaplesion-Krankenhaus Neu-Bethlehem lag die Kaiserschnitt-Rate 2014 bei knapp 29 Prozent. Dies bedeutet eine Verdoppelung des Anteils gegenüber der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre. Als einen weiteren Grund führt Pressesprecher Wolfgang Schäfer an, durch veränderte Operationstechniken seien die Risiken eines Kaiserschnitts immer weiter gesunken.

Im Universitätsklinikum Göttingen werden mittlerweile mehr Kinder per Kaiserschnitt geboren als auf natürlichem Weg. Die Rate lag im vergangenen Jahr bei 55 Prozent. Der Grund für den hohen Anteil ist laut Pressesprecher Stefan Weller klar: Kleinere Häuser dürften nur noch risikofreie Schwangere ab der 36. Schwangerschaftswoche entbinden: „So kommen fast alle Risikoschwangeren aus Göttingen und der weiteren Region in die Frauenklinik der Universitätsmedizin Göttingen.“ Weiterhin bestehe zunehmend der Wunsch der Frauen, einen geplanten Kaiserschnitt vornehmen zu lassen, weil sie starke Ängste vor einer normalen Geburt hätten.

Bei bestimmten Risikofaktoren seien Kaiserschnitte zwar lebenswichtig, sagt Thomas Wiechert von der IKK Classic. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) halte jedoch eine Kaiserschnittrate von 15 Prozent für plausibel. Eine deutlich höhere Rate könnte laut WHO darauf hinweisen, dass zu oft und unnötig in den Geburtsverlauf eingegriffen werde. Obwohl Studienergebnisse mögliche Risiken und negative Folgen eines Kaiserschnitts belegten, zögen viele Frauen den Eingriff auch ohne zwingende medizinische Gründe einer natürlichen Geburt vor.

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