Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Kreis muss Kosten für Pflegefamilie zahlen

Streit um 132.000 Euro Kreis muss Kosten für Pflegefamilie zahlen

Am ersten Verhandlungstag in Göttingen erwartete das Sozialgericht Hildesheim gleich ein dicker Brocken. Die Stadt hatte den Landkreis Göttingen verklagt, weil sie für Wiedereingliederung und Betreuung eines Zehnjährigen knapp 132.000 Euro von der Kreisverwaltung erstattet haben wollte.

Voriger Artikel
Ein Holzfass für Nobelpreisträger Hell
Nächster Artikel
20 Neu-Göttinger feierlich eingebürgert
Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Mutter des Jungen war schon früh mit der Erziehung ihres Sprösslings überfordert gewesen. Auch der Vater, der dem Alkohol reichlich zusprach. So kam der Junge Ende 2007 in eine Pflegefamilie. Bald stellte sich heraus, dass das Kind eine mentale Störung mit massiven Verhaltensauffälligkeiten aufwies. Auch deshalb wurde ihm später eine Reittherapie verordnet. Das habe sich positiv ausgewirkt, erklärte die Rechtsvertreterin der Stadt. Der Junge sei kontaktfreudiger und selbstbewusster geworden.

Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2009, führte die städische Rechtsvertreterin aus, sei der Landkreis Göttingen als Sozialhilfeträger in der Verantwortung – sowohl für die Kosten der Unterbringung in der Pflegefamilie als auch für diejenigen der Reittherapie mit insgesamt knapp 132.000 Euro seit 2009. Das sah die Vertreterin des Landkreises anders. Die Unterbringung in einer Pflegefamilie sei notwendig geworden nicht wegen der Defizite des kindes, sondern wegen derjenigen der Mutter. Damit sei der Landkreis aus der Pflicht.

Dem mochte das Gericht unter Sozialgerichtspräsident Michael Gaida allerdings nicht folgen. Die Aufwendungen seien als Wiedereingliederungshilfe anzusehen und müssten der Stadt vom Landkreis erstattet werden.

Begonnen hatte der allererste Verhandlungstag des Sozialgerichts in Göttingen allerdings mit einem minder gewichtigen Fall: Einem Rentner, dessen Rente aufgestockt worden war, hatte die Stadt einen Zuverdienst angerechnet und somit von der Sozialhilfe abgezogen. Das sei zu Recht geschehen, befand das Gericht.

In einem weiteren Fall wollte sich eine Diabetikerin eine Aufstockung ihrer Sozialhilfe für Mehrkosten für Bio-Vollkost erstreiten. Ob das notwendig und wie teuer das ist, soll jetzt ein Gutachter klären, befand das Gericht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Erster Verhandlungstag
Das Team des Hildesheimer Sozialgerichts bei der ersten Verhandlung in Göttingen: Schöffin Cornelia Bax (Duingen/Alfeld, von links), Sozialgerichtspräsident Michael Gaida und Schöffin Doris Thalheim (Gillersheim).

Das Sozialgericht Hildesheim hat am Mittwoch seinen ersten regulären Verhandlungstag in Göttingen abgehalten. Fünf Verhandlungen hatte das Gericht angesetzt.

mehr
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis