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Handy ist der "Killer Nr. 1"

Präventions- und Kontrollaktion in Göttingen Handy ist der "Killer Nr. 1"

Mit einer großangelegten Aktion haben Polizei und Ordnungsamt in den vergangenen Tagen Autofahrer mit Handy informiert und kontrolliert. Montag und Dienstag wurden landkreisweit insgesamt 36 Verstöße geahndet. Wer erwischt wurde, musste 60 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg.

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1000 Handyverstöße verzeichnet die Polizeiinspektion Göttingen im Jahr 2015, bundesweit sind es im gleichen Zeitraum 420000 Einträge in Flensburg.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Wir sitzen im Auto, das Handy klingelt. Wir haben eine Nachricht erhalten oder einen eingehenden Anruf. Was tun? Es könnte wichtig sein. Das Gros der Verkehrsteilnehmer greift zu, nutzt das Mobiltelefon im Weiterfahren. 1000 Handyverstöße verzeichnet die Polizeiinspektion Göttingen im Jahr 2015, bundesweit sind es im gleichen Zeitraum 420000 Einträge in Flensburg. Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. Aus Sicht vieler Autofahrer ist das Handy am Steuer noch immer ein Kavaliersdelikt. "Die meisten Fahrer, die wir anhalten, sind einsichtig", sagt Verkehrssicherheitsexperte Jörg Arnecke. Aber die Liste der Ausreden, die sich die Beamten anhören dürfen, reicht von "das war ein dringender Anruf meines Chefs" bis zu "das ist doch gar kein Handy".

 

Vor allem für die jüngere Generation werde das Bedürfnis nach permanenter Erreichbarkeit zum Risikofaktor, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen. Telefonieren erhöhe das Unfallrisiko auf das Fünffache, das Texten um das 23-Fache, so Arnecke. Das entspricht in etwa einer Alkoholisierung von 1,1 Promille - absolute Fahruntüchtigkeit. Noch greifbarer wird das Risiko, wenn man die fehlende Aufmerksamkeit auf die gefahrene Strecke umrechnet: Der Blick auf das Telefon für nur eine Sekunde bedeutet bei Tempo 50 bereits einen Blindflug von 14 Metern. "Schatz, ich bin schon auf der A7 hinter Hannover und gleich zu Hau ...", ist auf den Flugzetteln zu lesen, die die Polizei derzeit landkreisweit verteilt. Diese "letzte Nachricht" ist um das Bild eines zerstörten Fahrzeugs ergänzt.

Das Smartphone gilt mittlerweile als "Killer Nr. 1" im Straßenverkehr. Dabei ist es im Ernstfall schwer nachzuweisen, ob ein Handy als Unfallursache in Frage kommt, erklärt Arnecke. Unfälle seien selten monokausal. Häufig kämen überhöhte Geschwindigkeit und weitere Ablenkung hinzu.  Fehlende Bremsspuren und ein Telefon im Fußraum seien allerdings deutliche Indizien. Versicherungen können die Schadensregulierung verweigern, wenn nachgewiesen wird, dass ein Telefon im Spiel war. Bei zivilrechtlichen Ansprüchen, wenn also Dritte geschädigt wurden, könne es vorkommen, dass Anruflisten oder Chatverläufe als Beweisstücke vor Gericht verwendet werden.

 

Die Polizei Göttingen wird es nicht bei der einmaligen Aktion belassen. "Das Thema Ablenkung am Steuer beschäftigt uns seit Jahren", sagt Arneckes Kollege Jann Rentsch. Und auch wenn es viele Faktoren gibt, die die Aufmerksamkeit eines Fahrers beeinträchtigen können, rücke das Handy immer weiter in den Fokus. Vor allem jungen Fahranfängern soll klar gemacht werden: "Wenn ich mich im Auto ablenken lasse, werde ich im besten Fall von der Polizei angehalten, im schlimmsten Fall lande ich am Baum."

Was ist verboten?

Nicht nur die Bedienung, sondern schon das Halten des Handys bei fahrendem Fahrzeug ist nicht erlaubt. Wer keine Freisprecheinrichtung benutzt, darf im Auto nicht telefonieren. Bei Verstoß werden 60 Euro und ein Punkt im Fahrerlaubnisregister fällig. Eine Ausnahme bildet der Stopp an der Ampel, während der Rotphase darf das Handy bedient werden. Jann Rentsch rät aber: Wer das Handy nutzen muss, sollte rechts ran fahren. Für Fahrradfahrer gilt das übrigens ebenso. Sie zahlen 25 Euro bei Handynutzung im Verkehr.

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