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Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gründet Ortsgruppe

Verein will Spätaussiedlern helfen Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gründet Ortsgruppe

250 Jahre lebten sie in Russland, 2,5 Millionen Russlanddeutsche sind mittlerweile wieder zurückgekehrt. Um die Integration von Spätaussiedlern zu fördern und das eigene kulturelle Erbe zu pflegen, hat sich in Osterode die Ortskreisgruppe Harz der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gebildet. Ihr sollen sich die kleinen, in Göttingen und Goslar bestehenden Gruppen anschließen.

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Quelle: Screenshot

Osterode. „In Russland fallen wir wegen unseres deutschen, in Deutschland wegen unseres russischen Akzents auf“, meint Eugen Major (45), der Vorsitzende der neuen Gruppe. Er kam 1994 mit seinen Eltern und seiner Schwester aus dem sibirischen Prokopjewsk nach Deutschland. Seine Mutter sprach den Dialekt der Wolgadeutschen fließend. Der Vater konnte kein Deutsch, obwohl er Sohn einer Deutschlehrerin ist. „In der UdSSR sollten wir uns vollständig assimilieren“, erklärt Major.

Er hatte in Russland als Bergbauingenieur gutes Geld verdient. In Deutschland bekam er wegen seiner mangelnden Sprachkenntnisse nur eine schlecht bezahlte Stelle. Er bereitete bei einem Autohaus Kraftfahrzeuge auf. „Ich bin meinem Chef dankbar, dass er mich überhaupt genommen hat“, meint Major. Andere gut ausgebildete Landsleute seien ebenfalls als Hilfsarbeiter oder als Kraftfahrer untergekommen.

„Natürlich haben unsere Kenntnisse nicht dem Niveau in Deutschland entsprochen“, räumt der Vorsitzende ein. Er hätte in Russland seine Zeichnungen alle noch auf Papier angefertigt. In der Bundesrepublik hätten Kollegen bereits am Computer gearbeitet. Bei der Beratung heute eintreffender Spätaussiedler und Migranten rät Major jedoch dringend dazu, den eigenen Beruf beizubehalten. Fehlende Kenntnisse seien zu erwerben. Solchen Wünschen stehe die Arbeitsagentur angesichts des Fachkräftemangels aufgeschlossener gegenüber als früher, beobachtet er.

„In ungelernten Berufen bleibt man in Deutschland ganz unten, auch wenn man viele Überstunden macht und am Wochenende Nebenjobs nachgeht“, weiß der Russlanddeutsche aus eigener Erfahrung. Er orientierte sich daher nach fünf Jahren harter körperlicher Arbeit neu und absolvierte eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker. Seit 2003 arbeitet er in diesem Beruf beim Umweltinstitut Cutec in Clausthal.

Major hat es geschafft. Seine Tochter studiert, der Sohn besucht die Realschule. Seit Jahren engagiert er sich für die Integration von Landsleuten. Nun hat er mit Gleichgesinnten die Ortskreisgruppe gegründet, die von 17 Familien getragen wird. „Eine starke Organisation im Rücken hilft“, ist er sich sicher. Die Landsmannschaft gehört zu den größten Zuwandererorganisationen in Deutschland. Ein Chor unter Leitung von Swetlana Gauks hat sich in Osterode auch schon gebildet.

Kontakt: Eugen Major, Telefon 01 76 / 55 05 83 64. Weitere Infos zur LMDR unter lmdr.de. Die LMDR auf Facebook: facebook.com/LMDR.EV

Von Michael Caspar

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