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So feiern die Parteien in Göttingen

Landtagswahl in Niedersachsen So feiern die Parteien in Göttingen

Die Auszählung der Landtagswahl in Niedersachsen läuft. Während die SPD deutlich zulegt, herrscht bei der CDU in Göttingen schlechte Stimmung. Das Tageblatt beobachtet die Wahlpartys der Parteien in der Region.

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SPD: Prächtige Partystimmung

Prächtige Partystimmung im Haus der SPD an der Bürgerstraße: Schon vor Verkündung der ersten Hochrechnung hoben die Sozialdemokraten das eine oder ander Gläschen Wein im Freien vor der Tür - wo eigens ein Kühlschrank aufgebaut war. Vor lauter Spannung verschütte Nadja Affani kurz vor sechs erst einmal ihr Getränk.  Im Obersten Stockwerk lief dann die Präsentation der Ergebnisse - mit immer wieder donnerndem Applaus für die niedersächsischen Ergenisse ebenso wie für die der Lokalmatadorin Andretta. Die Wartezeit, bis Landtagskandidatin Gabi Andretta und der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann in bester Stimmung Einzug hielten, wurde mit belegten Brötchen, Blätterteiggebäck und Bergbräu aus Uslar überbrückt. Natürlich standen auch alkoholfreie Getränke zur Auswahl. Die einen Gäste pendelten mit Bergbräu die Treppe rauf, die anderen, wie Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler zum Rauchen die Treppe runter. Und am späteren Abend waren sich die meisten einig: das wird noch eine längere Partynacht.

Jubel brach in der Duderstädter Gaststätte Zum Anker gleich zu Beginn der Wahlparty der SPD um Landtagskandidatin Doris Glahn aus. Die erste Prognose sah die Sozialdemokraten vorn. Auch persönlich habe sie ihr Ergebnis verbessert, sagte Glahn, nachdem das regionale Ergebnis feststand, sei aber natürlich enttäuscht, dass es am Ende nicht für das Direktmandat gereicht habe. Sie gratuliere ihrem Kontrahenten Thomas Ehbrecht zum Wahlsieg und freue sich trotz ihrer Niederlage riesig über das Ergebnis der SPD auf Landesebene. Das sei schließlich ein Ergebnis aller Ortsverbände. Und so gab es auch für die anwesenden Sozialdemokraten einen Grund zu feiern.

CDU: Alle Hoffnung ruht auf Theuvsen

Schlechte Stimmung bei der CDU: Sichtlich verärgert über das schlechte Abschneiden seiner Partei erreichte der CDU-Kreisvorsitzende Fritz Güntzler die Wahlparty im Haus der Union. Rund 40 Gäste hatten sich dort für am frühen Abend eingefunden, um mit den Kandidaten Harm Adam und Ludwig Theuvsen deren Wahlergebnis zu feiern. Zu feiern gab es allerdings wenig. Bei der ersten Prognose: Totenstille. Mit so einem schlechten Ergebnis hatte kaum jemand gerechnet. Nur ein einsamer Freudenausruf klang durch den großen Sitzungssaal: Die Linken würde den Einzug in den Landtag wohl verpassen. Dass zumindest Rot-Grün abgewählt wurde, ließ Kreisgeschäftsführer Thomas Deppe zu einem kleinen Applaus hinreißen. Alle Hoffnungen der Union lagen nun am Ludwig Theuvsen. Würde sein Platz 29 auf der Landesliste am Ende reichen? Theuvsen richtete sich auf eine lange Nacht ein.

Wahlparty der CDU

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Applaus brandete im Obernfelder Museumskrug auf, als Landtagskandidat Thomas Ehbrecht (CDU) um 19.44 Uhr vor rund 80 Gästen das Wort ergriff. "Nach 102 von 107 ausgezählten Wahlbezirken und einem Vorsprung von 2500 Stimmen können wir wohl sicher sein, dass ich den Wahlkreis gewonnen habe", sagte er. "Ich bin zwar Eichsfelder, werde aber für alle Teile meines Wahlkreises und des Landkreises Göttingen in Hannover fechten. Der erste Gratulant war der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer (CDU), der in Obernfeld mitfeierte, aber zugab: "Liebe Freunde, ich habe Thomas nicht gewählt." Aber es sei ja auch nicht sein Wahlkreis. Im Anschlussgaben die Jagdhornbläser ein Ständchen.

FDP: Ernüchterung nach Ergebnis von 2013

Verhaltene Stimmung herrschte bei der FDP-Wahlparty im Göttinger Kartoffelhaus schon nach ersten Hochrechnung. Landtagskandidatin Felicitas Oldenburg, Platz 20 auf der Landesliste, würde den Einzug in den niedersächsischen Landtag nicht schaffen. Die Enttäuschung über das Abschneiden stand der FDP-Fraktionschefin im Rat der Stadt Göttingen ins Gesicht geschrieben.

Auch der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle musste zunächst kurz schlucken über den Ausgang der Wahl. „Es ist schade, dass das Ergebnis so viel schlechter ausgefallen ist als 2013.“ Seiner Meinung nach lag es daran, dass die Wähler wissen wollten, welche Partei den Ministerpräsidenten stellen würde. Er dankte den vier FDP-Kandidaten aus dem Landkreis, die alles gegeben hätten. Sicher sei, dass es keine Ampel-Koalition geben würde. „Wenn man dies im Wahlkampf sagt, muss man es auch halten“, so Kuhle. Das Ergebnis habe auch keine Bedeutung auf Bundesebene.

Die anwesenden FDP-Mitglieder versuchten sich in Zweckoptimismus, indem sie die Wahl-Schlappe analysierten. „Sieben Prozent sind solide und die Optionen, die sich daraus ergeben sind vielfältig“, betonte hingegen Oldenburg. Sie bedankte sich bei allen Wahlhelfern. „Ich freue mich über hohe Wahlbeteiligung“, sagte die FDP-Kreisvorsitzende Hiltrud Sürmann. Sie zeigte sich optimistisch. „Wir stehen noch gut da, jetzt wird die Arbeit aufgenommen. Es gab Zeiten, da wären wir froh mit diesem Ergebnis gewesen“, so Sürmann. Auch Achim Doerfer, Vorsitzender des Stadtverbandes Göttingen, resümierte: „Mit der Fünf-Prozent-Hürde müssen wir uns jedenfalls nicht mehr auseinandersetzen.“

Die Linke: Verzweiflung an der Fünf-Prozent-Hürde

Kurz vor 18 Uhr: Eckhard Fascher, Stine Rummel-Strebelow und Joachim Bons, Landtagswahl-Kandidaten der Linken, saßen mit einigen Parteifreunden in der Hafenbar Kadenz an der Jüdenstraße. Die erste Prognose wurde via Beamer auf eine Leinwand geworfen: 4,8 Prozent. „Ich hatte gehofft, dass wir die Fünf-Prozent-Hürde schaffen“, sagte Fascher. An dieser sah Bons ein generelles Problem. Linke Politik müsse auf Langfristigkeit ausgelegt werden, erklärte Rummel-Strebelow. Die sei gelungen, denn die Linke habe einen Anstieg zu verzeichnen, vor allem im Bereich der Stadt Göttingen.

Die Grünen: Frust und Freude über weite Strecken

Eine Mischung aus Enttäuschung und Freude herrschte fast den ganzen Wahlabend auf der Party der Göttinger Grünen. Freude über das gute Ergebnis ihres Kandidaten Stefan Wenzel in der Stadt Göttingen und das gute Ergebnis der SPD insgesamt. Frust hingegen über erste gemeldete Ergebnisse aus Hannover, die eine Neuauflage von Rot-Grün im Landtag unwahrscheinlich werden ließen. Gegen 19.30 Uhr leerte sich das Francis Drake merklich - „der Wähler hat entschieden“, stellte jemand fest. Den Jubel kurz darauf bekamen viele nicht mehr mit, als neue Hochrechnungen Rot-Grün wieder näher rücken ließen. Der aber blieb verhalten, zumal die Duderstädter Kandidatin Marie Kollenrott, warnte: „Wir müssen abwarten, da kann noch viel passieren.“

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