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Landwirt Henrik Ludewig aus Varlosen züchtet Alpakas

Scherereien beim Scheren Landwirt Henrik Ludewig aus Varlosen züchtet Alpakas

Landwirte, die Rinder und Schweine halten, gibt es im Landkreis einige. Aber eine Alpakaherde hat nur Henrik Ludewig. Seit sechs Jahren züchtet der 27-Jährige die ursprünglich aus Südamerika stammenden, zur Familie der Kamele gehörenden Tiere.

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Henrik Ludewig mit den Jungtieren aus seiner Alpakaherde.

Quelle: Rudolph

Varlosen. „Ich bin zufällig in der Nähe von Bremen an einer Weide vorbeigefahren, auf der Alpakas grasten“, erzählt Ludewig. Er habe den Besitzer kontaktiert, sich informiert und wenig später seine ersten drei Stuten besessen.

Heute gehört dem Landwirtschaftsmeister, der seine Abschlussarbeit über die Vermarktung von Alpaka-Wolle schrieb, eine Herde von 30 Tieren: vier Hengste, 16 Stuten und zehn Fohlen.

Die genügsamen Wiederkäuer, die drei Mägen haben und pro Tag drei bis vier Kilogramm Gras und Heu fressen, bleiben das ganze Jahr über auf der Weide. Kälte macht ihnen nichts aus, schließlich stammen sie aus den Anden, wo nachts Minustemperaturen von bis zu minus 40 Grad herrschen. Zu ihren Charaktereigenschaften zählen Friedfertigkeit, Neugier, Intelligenz und Lernfähigkeit.

„Die halten nun mal nicht still“

„An der Leine zu gehen, lernen sie ganz rasch“, sagt Ludwig. Als Milchlieferanten sind Alpakas aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Produktion nicht geeignet, gehalten werden sie in erster Linie wegen ihrer Wolle. Vier bis neun Kilogramm bringt ein Tier im Jahr ein, wobei das Scheren eine mühsame Angelegenheit ist, berichtet Ludewig:

„Die halten nun mal nicht still.“ Dafür ist das Ergebnis der Plackerei umso lohnender, denn Alpaka-Wolle gilt als ausgesprochen hochwertig.

Sie ist fettfrei und dadurch anti-allergen, kratzt nicht und weist – weil die Haare hohl sind und dadurch isolierend wirken – Kälte sehr gut ab. Darüber hinaus ist sie äußerst fein. Zum Vergleich: Rund 0,06 Millimeter misst ein menschliches Haar im Durchmesser, ein Alpaka-Haar lediglich 0,02 Millimeter.

Tiere werden zu Therapiezwecken eingesetzt

Weil er in der Region keinen geeigneten Verarbeitungsbetrieb gefunden hat, lässt Ludewig die Wolle – mit fünf anderen Haltern zusammen – nach Österreich schaffen und dort unter anderem zu Pullovern, Handschuhen, Schals, Mützen und Bettdecken verarbeiten.

Alpakas sind zutraulich; Ludewigs Tiere kommen, wenn er sie ruft. Nicht täuschen lassen sollte man sich von den weinerlichen Geräuschen, die sie manchmal von sich geben – sie sind kein Zeichen von Trauer, sondern Zufriedenheit.

Übrigens: genau wie ihre größeren Verwandten, die Lamas, können Alpakas spucken – einen grünen, stinkenden Schleim, sagt Ludewig. Doch das geschehe ganz selten. Und weil sie so friedliebend sind, werden sie sogar zu Therapiezwecken eingesetzt.

Von Hauke Rudolph

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