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Laubfrosch und Frauenschuh sind in Gefahr

Tag des Artenschutzes Laubfrosch und Frauenschuh sind in Gefahr

Bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten weltweit fallen täglich menschlichem Handeln zum Opfer. Der heutige 3. März als internationaler „Tag des Artenschutzes“ ist aussterbenden Spezies gewidmet.

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Hat bei Adelebsen überlebt: der als „vom Aussterben bedroht“ eingestufte Laubfrosch.

Quelle: Urner

Zerstörung von Lebensräumen, Übernutzung der Landschaft, illegaler Handel, Klimaveränderung und Umweltverschmutzung setzen den Ökosystemen zu. Laut World Wide Fund of Nature (WWF) lag die Aussterberate für Vögel und Säugetiere zwischen 1600 und 1700 bei einer Art pro Jahrzehnt. Zwischen 1850 und 1950 hatte sie eine Art pro Jahr erreicht.


Das Überleben von Pflanzen und Tieren ist an ihr Lebensumfeld geknüpft. Wenn die Bedingungen dort nicht mehr stimmen, geht die Zahl zurück, und sie landen als bedroht oder gefährdet auf den sogenannten Roten Listen. „Wir haben durch landwirtschaftliche Nutzung und Düngung die Landschaft gleich gemacht“, benennt Reinhard Urner von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen (BSG) einen der Faktoren für das Tier- und Pflanzensterben.

Das Schadensausmaß im Bereich der Pflanzenwelt wollen Urner und etwa 30 Mitstreiter vom Arbeitskreis Flora der BSG in ehrenamtlicher Arbeit ergründen: Im Landkreis Göttingen erfassen sie wild wachsende Pflanzen und Kräuter. Zum letzten Mal sei dies vor 100 Jahren geschehen, berichtet Urner. 630 Flächen à 2,6 Quadratkilometer nehmen die Experten unter die Lupe. Seit 2004 sind die Freiwilligen unterwegs und noch längst nicht fertig: „Das Projekt ist auf 15 Jahre angelegt“, betont Heiko Muth, bei der BSG zuständig für die Erfassung der Daten.

Bei seinen Erkundungsgängen hat Urner Überraschungen erlebt. So entdeckte er Ackerwildkräuter, die in Niedersachsen als ausgestorben galten: das Glattfrüchtige Labskraut, das letztmals 1853 gefunden wurde sowie das Dreihörnige Labkraut, das 1988 zum letzten Mal nachgewiesen wurde.
Ohnehin ist der Raum Göttingen Refugium seltener Pflanzenarten, die im übrigen Niedersachsen nicht mehr zu finden sind. So wachsen hier die nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Frauenschuh-Orchideen, der Schmalblättrige Lein und das Rundblättrige Hasenohr. Auch bedrohte Tiere sind in der Region heimisch. Bei Reyershausen wurden Salinenkrebschen entdeckt, die in Mitteleuropa als ausgestorben galten. Der im sonstigen Landkreis nicht mehr ansässige Laubfrosch lebt bei Adelebsen. Feldhamster siedeln im Göttinger Stadtgebiet.

Das Rebhuhn, laut BSG-Mitglied Werner Beke „früher ein Allerweltsvogel“, ist bis auf zwei Standorte aus dem Landkreis verschwunden. Mit einem Rebhuhnschutzprojekt stemmen sich die BSG (www. biologische-schutzgemeinschaft.de) und das Uni-Zentrum für Naturschutz in Kooperation mit Landwirten gegen das Verschwinden der Tiere – eine von vielen Aktivitäten, mit denen unterschiedliche Akteure das Artensterben rund um Göttingen aufhalten wollen.

Von Katharina Klocke

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