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Leben unter dem Terrorregime des IS

Rami Alradhwan floh, um zu studieren Leben unter dem Terrorregime des IS

Jeden Tag kommen Menschen nach Deutschland, in überfüllten Zügen, maroden Kähnen - und erreichen auch die Region. Hier warten die Migranten auf das Ende ihres Asylverfahrens - und auf ein besseres Leben. Einige stellen wir in loser Reihenfolge vor. Heute: Rami Alradhwan aus dem Irak.

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Das Bild hat Alradhwan während seiner Überfahrt über das Mittelmeer fotografiert.

Quelle: pr

Göttingen. Der 22-jährige Rami Alradhwan stammt aus Mossul im Irak, lebte dort mit seiner Familie und studierte auf Wunsch seines Vaters Wirtschaftswissenschaften. Dann übernahm der Islamische Staat (IS) die Kontrolle in Mossul, und Alradhwans Leben veränderte sich.

„Ich bin Atheist“, sagt Alradhwan. „Ich konnte die Regeln des IS nicht akzeptieren.“ Einige seiner Freunde bekamen die Willkür des IS-Regimes an der eigenen Haut zu spüren. „Die Männer müssen einen Bart wachsen lassen und sich auf eine bestimmte Weise kleiden. Einer meiner Freunde hat sich die Haare an den Seiten abrasiert und wurde für zehn Tage ins Gefängnis gesteckt.“ Ein anderer äußerte sich bei Facebook kritisch über den IS. „Er wurde zu einer Gefängnisstrafe und 100 Peitschenhieben verurteilt.“ Der 22-Jährige beschreibt eine Atmosphäre des Terrors in der zweitgrößten Stadt Iraks. Homosexuelle, die von hohen Gebäuden geworfen werden. Live-Übertragungen auf Marktplätzen von Enthauptungen und Auspeitschungen. „Es ist die Hölle“, sagt Alradhwan.

Er beschloss, das Land zu verlassen. „Es war eine Frage des gesunden Menschenverstands“, findet Alradhwan. „Es war nicht nur, weil alle Schulen geschlossen wurden und ich meine Ausbildung nicht fortsetzen konnte. Wenn der IS herausgefunden hätte, dass ich nicht gläubig bin, hätten die mich sofort umgebracht.“ Sein Vater verkaufte sein Auto, um von dem Geld den Schleuser zu bezahlen. Freunde überzeugten ihn, nach Europa zu kommen, übers Mittelmeer und die Balkanroute entlang.

„Ich hatte ständig Angst“, sagt Alradhwan. „Bei jedem Auto, das mir entgegenkam, dachte ich, es wäre ein Polizeiauto.“ Alradhwan schaffte es bis nach Deutschland. Nach ein paar Monaten in Friedland wohnt er nun in einer privaten Wohngemeinschaft in Göttingen. Mit seinen deutschen Freunden spielt er Fußball und Basketball im Verein. „Ich will jetzt vor allem Deutsch lernen, damit ich wieder an die Uni kann“, erklärt er. Mit Wirtschaftswissenschaften will er jedoch nicht weitermachen. „Ich interessiere mich für Physik, aber dafür muss ich richtig gut Deutsch sprechen.“

Seine Familie im Irak spricht Alradhwan fast jeden Tag. „Sie wollen auch aus dem Land raus, vielleicht in die Türkei“, berichtet er. „Aber meine Mutter ist krank. An den Grenzen muss man oft rennen, das würde sie nicht schaffen.“hal

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