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Lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes

Bowlingcenter-Mord Lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes

Schuldig! So lautet das Urteil des Schwurgerichts gegen den 38 Jahre alten früheren Mitarbeiter des Bowlingcenters in Weende. In der Nacht zum 4. September hat der Deutschrusse heimtückisch seine frühere Chefin erdrosselt. Einzig mögliche Strafe: lebenslange Haft.

16 Tage lang hat die Schwurgerichtskammer im Landgericht verhandelt. Vieles kam erst während des Prozesses ans Licht, nicht aber das Motiv der Tat. Auch nicht der tatsächliche Ablauf. Einzig auf Indizien und kriminaltechnisch festgestellte Spuren stützt sich der Schuldspruch. 

Dennoch ist die Kammer „ohne vernünftige Zweifel“ überzeugt, dass der Angeklagte der Täter ist. Körperzellen, die am Hals des erdrosselten Opfers gefunden wurden und die mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Milliarden zu eins vom Angeklagten stammen, sowie Fasern eines roten Weihnachtsmannkostüms, die ebenfalls am Opfer, aber auch auf Kleidungsstücken des Angeklagten gefunden wurden, gaben den Ausschlag. 

In einer sehr ausführlichen Urteilsbegründung erklärte der Schwurgerichtsvorsitzende Dirk Amthauer, warum das Gericht von diesem Tatablauf ausgegangen ist: Der 38-Jährige war eine Art Hausmeister des Bowlingcenters, hatte im Streit mit dem Lebensgefährten des Opfers seine Arbeit aufgegeben. Beim Ausscheiden soll er gesagt haben: „Ihr werdet noch von mir hören.“

Am Tattag, für den ihm ein Alibi fehlt, weil seine Frau früh ins Bett ging, wenn er abends trank, soll er zum Bowlingcenter zurückgekehrt sein. Das Gericht geht davon aus, dass er mit einem Nachschlüssel eindrang. Frühere Einbrüche hat er zugegeben; Werkzeug, Nachschlüssel anzufertigen, wurde in seinem Keller gefunden. Er habe sich an das am Schreibtisch arbeitende Opfer herangeschlichen, habe es von hinten heimtücksich mit der Kordel des Weihnachtsmannkostüms erdrosselt. Dabei muss er zweimal angesetzt haben – entsprechende Drosselspuren beweisen das – und dabei seine DNA (Körperzellen) am Hals des Opfers verloren haben. Die Kordel hinterließ rote Fasern am Hals, die sich auch an einem blauen Hemd des Angeklagten fanden.

Entscheidender Hinweis von ihm

Bemerkenswert dabei: Der Angeklagte selbst gab den entscheidenden Hinweis auf das Nikolauskostüm. Zuvor hatte sich keiner der Mitarbeiter die Herkunft roter Fasern erklären können. Den Verweis von Verteidiger Oliver Hille, ein Täter werde sich doch nicht selbst derart belasten, entkräftet das Gericht so: Die Behauptung des Angeklagten, ein anderer müsse die DNA-Spuren von ihm bewusst gelegt haben, war nach mehreren Verhandlungstagen widerlegt.

Zum einen hatte ein Gerichtsmediziner nach Selbstversuchen ausgeschlossen, dass DNA zu übertragen sei, indem man ein benutztes Tuch auf den Körper des Opfers wischt. Zum anderen war der Stoff der Nikolausmütze als (angeblich dafür benutztes) Putztuch völlig ungeeignet. Die Darstellung sei folglich unglaubwürdig. Das Gericht wertete den Hinweis als Versuch, die Theorie von der gezielt gelegten Spur zu retten. Die Verteidigung erwägt eine Revision.

Von Jürgen Gückel

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