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Lehrer verärgert über Tests in dritten Klassen

Vergleichsarbeiten Lehrer verärgert über Tests in dritten Klassen

Alle Drittklässler in Niedersachsen haben in dieser Woche identische Vergleichsarbeiten geschrieben. Die Deutsch- und Mathetests sollen Schulen Hinweise geben, wo es Lücken gibt. Aber viele Lehrer protestieren: zu schwer und speziell, teilweise nicht jahrgangsgerecht, nicht für einen fairen Vergleich geeignet und viel zu aufwendig.  

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Detailliert, aber sehr aufwendig: 27 Bewertungsbögen mit unzähligen Kriterien je Schüler und Fach.

Quelle: Vetter

„Einigen standen Tränen in den Augen“, erzählt eine Grundschullehrerin aus der Test-Stunde in ihrer Klasse – „wie sollen wir die Kinder so zum Lernen motivieren?“ „Das Thema war zu eng gefasst und von uns noch gar nicht bearbeitet“, schimpft eine Kollegin aus einer anderen Schule. „Nur Spitzenschüler kamen damit klar“, heißt es weiter. Zum zweiten Mal haben alle Drittklässler in Niedersachsen vom Kultusministerium vorgegebene Vergleichsarbeiten (Vera) in Deutsch und Mathe geschrieben. Für die Aufgaben hatten sie inklusive kurzer Pause 60 Minuten Zeit. In Deutsch mussten sie einen Text lesen, Fragen dazu beantworten und eine Einladung formulieren. In Mathe gab es überwiegend Aufgaben zur Geometrie.  

Die Ergebnisse werden anonymisiert nach Hannover geleitet, benotet werden die Arbeiten nicht. Einige Lehrer finden das Verfahren gut und die Tests geeignet, um den Leistungsstand zu ermitteln. Aber auch sie beklagen den Druck für die Kinder und Arbeitsaufwand. Die meisten gehen beim Stichwort Vera allerdings auf die Palme. Ihre Kritik: Um die Arbeiten per Internet zu laden und für zwei Klassen auszudrucken, seien fast zwei Stunden und 900 Blatt Papier erforderlich. Bei der Korrektur müssen je Schüler 27 Seiten mit Bewertungskriterien ausgefüllt worden – „ein enormer Zeitfresser“. Mit dem langen Deutsch-Text seien viele Kinder schon beim Lesen überfordert. Das Thema „Einladung“ sei an vielen Schulen noch gar nicht thematisiert worden. Und der Mathetest frage fast ausschließlich Geometrie ab, keine Grundrechenarten.

Reines Wissen aber sollten die bundesweit eingesetzten Tests auch gar nicht abfragen, sagt Ministeriumssprecher Andreas Krischat. Mit Vera solle die übergeordnete und abstraktere Kompetenz der Kinder ermittelt werden. Das Verfahren solle vor allem die Lehrer unterstützen, ihre Klasse im Bundesvergleich einzuschätzen. Und die Ergebnisse könnten als Arbeitsplan für Klasse vier dienen. Der Aufwand sei zwar groß, dürfte mit mehr Routine in ein paar Jahren aber sinken. 

Von Ulrich Schubert

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