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Zwei ungleiche Schwestern

Lesung von Autor Heinrich Thies Zwei ungleiche Schwestern

Marlene Dietrich ist heute noch als Weltstar den meisten Deutschen ein Begriff. Ihre Schwester hingegen kennen nur die Wenigsten. Der Journalist und Autor Heinrich Thies hat über die ungleichen Schwestern ein Buch geschrieben und es am Donnerstagabend im GDA-Wohnstift in Göttingen vorgestellt.

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Im GDA Stift hat Autor Heinrich Thies aus seinem Buch gelesen.

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Marlene Dietrich ist bekannt als Sängerin, Schauspielerin und eine der großen Stilikonen des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur das: Berüchtigt sind auch ihre zahlreichen Affären mit berühmten Männern und Frauen, darunter die Schriftsteller Erich Maria Remarque und Ernest Hemingway sowie die Sängerin Edith Piaf. In seinem erst in der vergangenen Woche erschienenen Buch „Fesche Lola, brave Liesel - Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester“ skizziert Thies, der schon einige Sachbücher und Romane veröffentlicht hat, Elisabeth oder Liesel als das genaue Gegenteil ihrer berühmten jüngeren Schwester.

Konträre Lebensgeschichten zweier Heldinnen

Während Marlene sich schon als Kind durch keckes und extrovertiertes Verhalten hervorgetan habe und bereits früh mit Jungen - und Mädchen - anbandelte, sei Liesel das brave, schüchterne Mädchen mit guten Noten in der Schule gewesen. Die Mutter habe dennoch der in der Schule zwar mittelmäßigen, aber dafür musisch begabten Marlene den Vorzug gegeben, erklärte Thies bei seiner Lesung im Wohnstift in Geismar.

Der Autor erzählte nicht nur die konträren Lebensgeschichten seiner beiden Heldinnen, sondern sang auch ein paar der Lieder, für die Marlene Dietrich bis heute berühmt ist, wie etwa „Lili Marleen“, und las Auszüge aus seiner Doppelbiographie vor. Bereits jetzt schon hat das Buch hohe Wellen geschlagen. Mehrere Kultursendungen berichteten darüber, die Wochenzeitung „Die Zeit“ widmete ihm einen großen Beitrag und auch bei der Frankfurter Buchmesse wird Thies sein Werk vorstellen, erzählte er stolz. „Diese Schwesternbeziehung elektrisiert die Menschen“, erklärte der Autor das große Interesse. Auf die Idee zu dem Buch sei er gekommen, als er über die Entstehungsgeschichte des Lieds „Lili Marleen“ forschte. Für seine Recherchen habe er mit originalen Briefen aus Dietrichs Nachlass arbeiten können.

„Über Nacht zum Star geworden“

Endgültig getrennt hätten sich die Wege der beiden Schwestern 1929, erzählte Thies. In diesem Jahr feierte Marlene ihren großen Durchbruch als Schauspielerin in dem Film „Der blaue Engel“. „Dadurch ist sie quasi über Nacht zum Star geworden“, sagte der Schriftsteller. Noch am Abend der Premiere sei sie nach Amerika aufgebrochen, um in Hollywood Karriere zu machen. Die Schwester hingegen blieb daheim, wurde Ehe- und Hausfrau. Während Marlene in ihrem Leben dutzende Männer gehabt habe, sei Liesel ihrem Mann, der sie 1950 verließ, immer treu geblieben.

Als die Nazis schließlich an die Macht kamen, hätten sie sich vergeblich darum bemüht, Marlene „heim ins Reich zu holen“, schilderte der Autor. Die Schauspielerin, die 1939 die US-Staatsbürgerschaft annahm, sei von Beginn an eine erbitterte Gegnerin der Nationalsozialisten gewesen. Ihre Schwester jedoch betrieb mit ihrem Mann in Bergen-Belsen auf dem Kasernengelände ein Kino, in dem sie Wehrmachts- und SS-Offizieren, die im Konzentrationslager Dienst taten, Propagandafilme vorgeführt habe. Der Autor schilderte, wie eben diese Verwicklung Marlene nach dem Krieg so peinlich gewesen sei, dass sie sich entschieden habe, ihre Schwester vor der Weltöffentlichkeit zu verstecken, um ihr eigenes Image als Nazi-Gegnerin nicht zu gefährden. Mit Geschenken und Geld habe die Diva ihre Schwester ruhig gestellt. Offensichtlich mit Erfolg: Thies ist der erste Autor, der sich mit der problematischen Schwesternbeziehung derart ausführlich auseinandersetzt.

Heinrich Thies: Fesche Lola, brave Liesel. Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester, Hoffmann und Campe, 416 Seiten, 24 Euro.

Von Maximilian ech

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