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„Letzte Ehre erweisen“

Stimmen zur Stern-Schließung „Letzte Ehre erweisen“

Eigentlich müsste man so ein Gebäude unter Denkmalschutz stellen“, sagt der junge Mann am Stand vor dem Sternkino. Dort sammeln Anne Elser und andere engagierte Sterntheater-Freunde Unterschriften. Wie auch schon in den Tagen zuvor.

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Sammeln Unterschriften „für den Erhalt der Filmkunst“: engagierte Freunde des Sternkinos.

Quelle: Hinzmann

Am Wochenende etwa war Elser in der Innenstadt aktiv. Listen mit 700 Unterzeichnern überreicht die Gruppe am Abend der Abschiedsvorstellung der Eigentümerfamilie, „wir hätten gern früher etwas von den Problemen erfahren“, sagt eine Sprecherin. Die Unterschriften seien nun als Appell „für den Erhalt der Filmkunst“ zu verstehen.
Mireille Holländer, bekennende Cineastin, ist seit mehr als 25 Jahren Sternbesucherin. Das Multiplex sei für sie keine Alternative, „ich gehe nur in Programmkinos“. Selbst wenn sie da frieren müsse, wie mehrfach in den vergangenen Jahren im Stern, „ich habe mir einfach eine Decke mitgebracht“. Heute will die Göttingerin dem Kino „die letzte Ehre erweisen“.

Logenplatz: Erwin Curdt, Elke und Manfred Klonz (v. l.).

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Das möchte auch Lothar Steinert, der am letzten Abend des Sterns seinen Geburtstag feiert.„Das ist schicksalhaft und sehr traurig“, sagt er. Aus der Entfernung hat Erwin Curdt von der Schließung des Kinos erfahren. Aufgewachsen ist er in Geismar und lebt jetzt bei Braunschweig. Mit Manfred und Elke Klonz, verwandt mit der ehemaligen Eigentümerfamilie, nimmt er in einer der Logen Abschied. Curdt kann sich an mindestens einen Film erinnern, den er in den 50er Jahren im Stern gesehen hat: „Und ewig lockt das Weib“ mit Brigitte Bardot.

Ihr „zweites Wohnzimmer“ verliert Marie-Hélène Benoist an diesem Abend. Seit Anfang der 80er Jahre besucht sie mehrere Vorstellungen in der Woche. Traurig ist auch Brigitte Mayer: „Das war das schönste Kino Göttingens.

Als „uralte Besucher“ bezeichnen sich Edith und Eduard Wette, 80 und 75 Jahre alt. Sie zählen sich zum Stammpublikum. Mit dem Sternkino verschwindet aus ihrer Sicht auch ein Stück ihrer eigenen Vergangenheit. Eduard Wette musste sich als Jugendlicher von seinem Betrieb einen Stempel für den Kinobesuch geben lassen, „unter 18 durfte man nicht rein“. „Den ersten Film haben wir hier zusammen gesehen“, erinnert sich Edith Wette an ihre Kinopremiere.

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