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Letzte Kriegstage in Stockhausen: „Den Ami können wir nicht mehr aufhalten“

Karl Friedrich Hardege berichtet Letzte Kriegstage in Stockhausen: „Den Ami können wir nicht mehr aufhalten“

Gebannt hängen die knapp 60 Zuhörer an seinen Lippen, als der 81-jährige Karl Friedrich Hardege von den letzten Kriegstagen erzählt. Wie etwa 50 deutsche Soldaten auf dem Hof seiner Eltern einquartiert wurden. Deutsche Tigerpanzer im Stockhausen Station machten, bevor sie weiter nach Göttingen fuhren.

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Quelle: Heller

Stockhausen. Amerikanische Tiefflieger zunächst die Leinestadt angriffen und anschließend auch ein paar Bomben in Stockhausen abwarfen. Der damals elfjährige Karl Friedrich und seine Eltern erst im Keller, später dann draußen in einem Graben Schutz suchten. Jungs und alte Männer nach Rosdorf zum Volkssturm einberufen wurden, aber keiner hinging, weil alle wussten: „Den Ami können wir nicht mehr aufhalten.“ Und wie die US-Truppen schließlich in Stockhausen einmarschierten, die Menschen ihnen mit erhobenen Händen entgegengingen, ein GI „hands down“ sagte und der Krieg damit für das Dorf endgültig vorbei war.

Nach seinem Vortrag in der Bonifatius-Kirche führte Hardege die Zuhörer durchs Dorf. Dort zeigte der pensionierte Landwirt ihnen die Stellen, an denen die Ereignisse, über die er berichtet hatte, stattgefunden hatten. Besondere Aufmerksamkeit fand die Scheune von Jörg Thiele, in deren nördlicher Außenmauer sich Löcher befinden. Und zwar von Granatsplittern, denn in Stockhausen hatten auch Artillerie-Geschosse eingeschlagen.

Diese Löcher hatten überhaupt erst zu der Veranstaltung geführt. „Beim Ausbau der Scheune hatte ich die Löcher entdeckt“, berichtet Thiele. „Ich wusste sie nicht einzuordnen,  bis mich schließlich Karl Friedrich Hardege darauf aufmerksam machte, dass sie von Geschosseinschlägen stammen“. Thiele hatte die Idee, anlässlich des 70-jährigen Kriegsendes Hardege erzählen zu lassen. Eine Idee, die Pastorin Christine Wackenroder gerne aufgriff und die Kirche zur Verfügung stellte.

„Faszinierend“, fand Florian Hauck (32) Vortrag und Führung, „so etwas findet vielleicht nie wieder statt“. „Ich kenne einige Ereignisse aus Erzählungen“, berichtet Bernd Rühl (74), „jetzt kann ich die Stellen sehen, an denen genau sie stattgefunden haben“.

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