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Linienbus zum Fundort der Himmelsscheibe

Tagesausflug über die A 38 Linienbus zum Fundort der Himmelsscheibe

Eines vorweg: Die legendäre Himmelsscheibe von Nebra, jene 3600 Jahre alte Bronzeplatte mit ihren goldenen Sternenzeichen, ist in Nebra nicht zu sehen. Dort wurde sie gefunden – ausgestellt wird sie heute allerdings im Landesmuseum in Halle.

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Blick auf 3600 Jahre vor unserer Zeit: Filmerlebnis im Planetarium der Arche.

Quelle: Arche Nebra

Warum sich ein Ausflug nach Nebra dennoch lohnt, ist leicht zu erklären: Zwei spektakuläre architektonische Bauten machen diesen mythischen Ort zu einem besonderen Erlebnis. Als wir vor acht Jahren zum ersten Mal dorthin wanderten, gab es so gut wie keine Hinweisschilder, von Bauten noch keine Spur – und der Fundort selbst war ein zwar erkennbares aber schlichtes Loch im Waldboden.

Anders heute. Da fährt man von Göttingen über die A 38 – die es damals auch noch nicht gab – und ist bereits nach einer guten Stunde an der Abfahrt Querfurth. Von da aus (bestens ausgeschildert) erreicht man in einer weiteren halben Stunde den Parkplatz bei Nebra. Und staunt. Da ragt ein Gebäude in den Himmel, das einer Abschussrampe für Mondfahrzeuge gleicht, die sogenannte Arche Nebra. Rund 300 Meter geht es den Berg dorthin hinauf – wo plötzlich ein Linienbus steht. Der fährt täglich in regelmäßigen Abständen die gut 3,6 Kilometer durch den Forst von Ziegelroda hinauf zum Fundort. Für einen Euro hin und zurück. Wir lassen uns erst einmal bergauf fahren. An der Endstation angekommen, sind es noch einmal gut 500 Meter leicht bergan – und man steht staunend vor einem zweigeteilt-schrägen Turm. Links davor der Fundort. Ein kreisrunder Spiegel ist dort eingelassen, in dem sich der Himmel wundervoll spiegelt.

Dann den Turm hinauf – ein wenig außer Atem kommt man dabei schon. Die Aussicht lohnt die Anstrengung allerdings. Weit ins Land hinein reicht der Blick, bis zum 80 Kilometer entfernten Brocken beispielsweise. Als vor 3600 Jahren hier unbekannte Vorfahren die Himmelscheibe vergruben, war der Berg noch nicht bewaldet, der Fernblick daher wohl ähnlich spektakulär.

Was es nun mit der Scheibe und ihrer astronomischen Bedeutung auf sich hat, erfahren wir, didaktisch wunderbar aufgearbeitet, in der Arche Nebra – als wir nach einer dreiviertel Stunde Wanderung bergab dort angekommen sind. Es ist 11.45 Uhr an einem Sonntagvormittag – und daher noch relativ ruhig. Zu anderen Tageszeiten ist der Andrang riesig - und die Tageskarten (7,50 Euro) samt Eintrittskarte in das kleine Planetarium wird mit exakten Zeitfenstern versehen.

Dort nun, zurückgelehnt in bequemen Sesseln (die besten Plätze sind übrigens hinten) schaut man an die Decke, wo ein etwa 20-minütiger Film alles zum Thema Himmelsscheibe erläutert. Sie gilt immerhin als die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung (lange bevor in Ägypten die Pyramiden gebaut wurden). Die annähernd kreisrunde Platte ist rund zwei Kilogramm schwer. Die Sternenzeichen bestehen aus unlegiertem Goldblech und wurden im Laufe der Jahrtausende mehrfach ergänzt und verändert und beweisen, dass bereits zu jener Zeit exakte Kenntnisse der Himmelsgestirne vorhanden waren – und die Scheibe dieses Wissen sammelte. Ein beeindruckender Film mit zahlreichen Eindrücken, nach denen man kaum noch aufnahmefähig ist für die Sonderausstellung zum Thema Zeit, die hier noch bis zum 31. Oktober zu sehen ist. Gut drei Stunden benötigt man für diesen Teil des Ausfluges. Jetzt ist aber Zeit, sich ein wenig dem Weingenuss des Saale-Unstrut-Gebietes zu widmen. Nur gut 25 Kilometer entfernt liegt beispielsweise Freyburg mit guten Restaurants und Weinhöfen (etwa mitten im Zentrum der Künstlerkeller oder das Hotelrestaurant Unstruttal). Danach ist man in knapp zwei Stunden wieder in Göttingen.

Übrigens: Etwa 20 Kilometer von Nebra entfernt liegt die gut siebentausend Jahre alte (jüngst nachgebaute) Kreisgrabenanlage von Goseck – mit astronomischen Bedeutungen aus einer Zeit lange vor der Schaffung der Himmelsscheibe. Ein guter Grund für einen weiteren Tagesausflug.

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