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Linke, Piraten und das Eigentum

Tageblatt-Wochenendkolumne Linke, Piraten und das Eigentum

Dass Politiker aller möglichen Parteien hin und wieder ausgesprochen dummes Zeug von sich geben, daran ist das gemeine Wahlvolk ja bereits durch jahrzehntelanges Trainung gewöhnt.

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Tageblatt-Chefredakteurin Ilse Stein.

Quelle: EF

Göttingen. Journalisten nicht minder. Aber derzeit haben die Linken und die Piraten im Göttinger Kreistag allem bisherigen in der Region erlebtem die Krone aufgesetzt: Sie fordern tiefgreifende Veränderungen am Rosdorfer Baggersee . Dort soll nun das rechtmäßig werden, was bisher unrechtmäßig war – aber dennoch allgemein geduldet. Das Baden nämlich. Dazu sollen, man achte auf die Wortwahl, „Mittel für geordnete Verhältnisse bereitgestellt werden“.

Und dann kommt es richtig dicke: „Gesetzlosigkeit mag ja manchmal ganz romantisch sein, aber wir sind hier nicht in der Karibik “. Also fordern Linke und Piraten sanitäre Anlagen, geregelte Müllversorgung, Schwimmleinen und noch so einiges Nette.

Super Idee Jungs, möchte man rufen. Wenn sie denn nicht eine winzige, winzige Kleinigkeit vergessen hätten: Der Baggersee befindet sich auf einem Privatgelände . Will sagen: Da wir uns eben nicht in einem Bananenstaat befinden, gilt bei uns das deutsche Grundgesetz . Dessen Artikel 14 ausdrücklich das Eigentum schützt.

Eine tatsächlich irritierende Geschichte – liebe Linke, liebe Piraten – das mit den deutschen Gesetzen. Weshalb es doch eine Selbstverständlichkeit sein dürfte, dass sich ein Kreistag in Deutschland nicht mit einem Antrag beschäftigen sollte, der schon im Ansatz dem Grundgesetz diametral zuwider läuft.

Aber immerhin haben die Herren (das ist ja nun einer der Grundgedanken deutscher Politik auf allen Ebenen – wie die Bayern gerade auch gerne vorführen) das nicht existierende Sommerloch mal wieder mit einer super-populistischen Idee bereichert.

Wobei man sich nur fragt: Was kommt danach? Werden sie fordern, dass jeder im Pool des Nachbargrundstückes baden darf – und dass dort bitte dann auch die Sicherheitsstandards zu wahren sind. Übersetzt: Der Nachbar soll dann bitte auch aufpassen, dass alles ordentlich verläuft und noch ein Dixie-Klo aufstellen? Auf die zu erwartenden Erklärungen („War doch nur ein Denkanstoss! Haben Sie alles missverstanden!) bin ich schon mal gespannt.

Bis dahin erst mal zu den schönen Dingen des Sommers. Da haben wir an diesem Wochenende so einiges zu erleben. Wer will, kann sich ein wirklich buntes Programm zusammenstellen. Beispielsweise in Bad Harzburg zum Deutschen Wandertag fahren.

10 000 Teilnehmer werden am Sonntag zu einem großen Wander- und Folkloreumzug erwartet. In Göttingen wird es ebenfalls bunt: Das Holi-Festival , eine dem indischen Frühlingsfest nachgemachte Veranstaltung, lockt damit, sich mit Farbbeuteln zu bewerfen, gegenseitig bunt anzustreichen – und das alles unter Aufsicht von geübtem Personal. Das Holi-Fest ist übrigens ein Wanderzirkus, der von Stadt zu Stadt zieht, Geld für Spass verlangt – und dies sehr erfolgreich.

Wer zu viel Farbe abbekommen hat, könnte sich dann am Sonntag beim Freibad-Frühstück in Weende unter die Dusche begeben. Danach vielleicht ab 13 Uhr zur Erdbebenwarte fahren, wo ein (kostenloses) Kinderprogramm spannende Erfahrungen verspricht. Für den Rosdorfer Baggersee , wo (um es noch mal zu erklären) Baden nicht erlaubt ist, ist es vermutlich ohnehin zu kühl...

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