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„Staatlich finanzierter Extremismus“

Linke Wohnheime: Junge Union kritisiert Studentenwerk „Staatlich finanzierter Extremismus“

Besetzte Wohnheime und mehr als 100 Wohnplätze in den Händen „extrem linker Gruppen“: So hat die Junge Union das Studentenwerk Göttingen scharf kritisiert. Das dementiert die Vorwürfe, und auch Wohnheimbewohner sind nicht begeistert.

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Die Rote Straße in Göttingen.

Quelle: Archiv GT

Göttingen. Für die Mitglieder der Jungen Union (JU) geht es um nicht weniger als „staatlich finanzierten Extremismus“: Mehr als 100 Wohnheimplätze in „besetzten Häusern“ befänden sich in den Händen linksextremer Gruppen - also solchen, die „vor allem mit Kommunismus und Anarchismus sympathisieren“, wie Simeon Atkinson, Sprecher des CDU-Nachwuchses erklärte. „Als Körperschaft des öffentlichen Rechts kann das Studentenwerk rechtsfreie Räume nicht dulden“, sagt er.

Allein: Besetzt ist keines der Häuser des Studentenwerks, wie Sprecherin Kathrin Schoell auf Nachfrage mitteilt. Sie betont: „Seit Anfang der 1980er-Jahre bestehen geregelte Mietverhältnisse und zwar mit Gesellschaften bürgerlichen Rechts und Vereinen“. Das Land Niedersachsen hatte die Gebäude großteils in den 1980er-Jahren an das Studentenwerk übertragen, seitdem gibt es für die einst besetzten Häuser reguläre Mietverträge. „Das Studentenwerk kommt somit seinem öffentlichen Auftrag nach“, sagt Jörg Magull, Geschäftsführer des Studentenwerks.

Der CDU-Nachwuchs kritisiert, dass Häuser des Studentenwerks besetzt seien - das ist nicht der Fall.

Das in diesen selbstverwalteten Wohnheimen die Vergabe von Zimmern nicht vom Studentenwerk, sondern von den Hausgemeinschaften übernommen wird, stört die Junge Union ebenfalls - wegen der „Möglichkeit, Bewohner nach politischer Gesinnung zu sortieren“. Bei Bewohnern der selbstverwalteten Häusern herrscht darüber Unverständnis: Bei ihnen herrsche die Wohnform Wohngemeinschaft vor - und nicht zuletzt könnten Unannehmlichkeiten beim Zusammenleben mit Kennenlerngesprächen im Vorfeld vermieden werden. „Wie überall in WGs üblich“, erklärt die Wohnrauminitiative, ein Zusammenschluss verschiedener kleinerer Wohnheime.

Der Jungen Union zufolge kann der Wohnraum in selbstverwalteten Häusern allerdings ohne Kenntnis des Studentenwerks weitervermietet werden - „womit dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet werden“, findet Atkinson. Die JU fordert deshalb unter anderem, dass im Wohnraum des Studentenwerks nur immatrikulierte Studenten wohnen dürfen. Eine entsprechende Regel des Studentenwerks werde nicht durchgesetzt, behauptet Atkinson. Das Studentenwerk weist diese Vorwürfe zurück und auch Atkinson nennt keine Belege. Allerdings sagt er: „Die Besetzer räumen das freimütig ein“ - und verweist auf einen Text aus dem Jahr 2011, von einer Initiative, die es nicht mehr gibt.

Von Christoph Höland

Wohngemeinschaften im Studentenwerk

Neben Einzimmer-Appartements verwaltet das Studentenwerk auch studentische Wohngemeinschaften in diversen Liegenschaften. Dazu gehören auch selbstverwaltete Häuser wie an der Roten Straße und anderswo in Glttingen. Großteils sind diese aus Hausbesetzungen in den 1970er-und 1980er-Jahren entstanden - damals hatte das Studentenwerk angesichts der Wohnraumknappheit die vom Abriss bedrohten Häuser vom Land Niedersachsen übernommen und anschließend verwaltet.

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