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Literatur und ganz viele Märchen

Wochenendkolumne Literatur und ganz viele Märchen

Gerade noch haben 450 Zuschauer sich im historischen Ambiente des Sternkinos den Tageblatt-Film „Die 50er Jahre in Göttingen“ angesehen – und sich königlich amüsiert. Doch dann diese Woche die Nachricht: Wenn es zu keiner Einigung über Sanierung und neue Pachtverträge kommt, steht das Aus des Kinos bevor.

Wir hoffen, höchst eigennützig, dass dies verhindert werden kann. Denn im kommenden Jahr wollen wir einen Film zusammenschneiden über die 60er Jahre in Göttingen. Sofern Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns wieder einmal mit Filmmaterial und Fotos aus jener Göttinger Zeit versorgen. Wobei es egal ist, ob die Filme im Familienkreis spielen, ob im Schwimmbad oder bei einem Fest in Stadt und Umgebung. Und vielleicht erleben wir die Premiere 2011 dann doch noch im Sternkino.

Nicht sehen kann man in Göttingen aber ganz gewiss einen anderen Film. Da erreicht uns doch eine – wie stets hervorragend gestaltete – Einladung aus dem weltberühmten Göttinger Steidl-Verlag zu einer Filmpremiere „How to make a book with Steidl“. Dieser Dokumentarfilm von Gereon Wetzel und Jörg Adolph wird kommenden Mittwoch in Leipzig Weltpremiere haben, danach in Duisburg zu sehen sein, danach im November in Kassel und schließlich am 4. November auf ZDF/3sat. Für uns allerdings hat er den Untertitel: How to make a book with Steidl – and not to see a film in Göttingen“. Schade, um es schlicht auf deutsch zu formulieren.

Dann doch lieber einen Blick auf die Dinge, die wir in diesen Tagen erleben können – wenn wir denn wollen. Da wäre vor allem der Göttinger Literaturherbst, der allerdings ein wenig daran krankt, dass wir uns mitten in den Herbstferien befinden. So gibt es alleine am heutigen Sonnabend vier Möglichkeiten, sich mit Literatur zu beschäftigen. In der Aula liest Peter Sloterdijk, im Alten Rathaus Arnon Grünberg, und danach Julian Dawson und in der Paulinerkirche liest Michael Welland über „Sand – die unendliche Geschichte“. Wer die Wahl hat...

Also vielleicht doch lieber am Sonntagmorgen zur Verleihung des NDR-Sachbuchpreises in die Aula am Wilhelmsplatz (wird von NDR Kultur auch live übertragen). Start ist um 11 Uhr, und die Kurzauswahl der zu prämierenden Sachbücher ist bereits so spannend, dass man doch bei der Verleihung gerne dabei wäre. Wenn man nicht, wie ich, in einen herbstlichen Kurzurlaub verschwindet – was übrigens halb Göttingen zu tun scheint, wenn ich mir die geringen Posteingänge und die erfreulich geschmolzene Zahl der auflaufenden E-Mails anschaue.

Dabei verpasse ich dann leider auch den Auftakt der 9. Göttinger Märchenwoche, die genaugenommen zwei Wochen dauert: mit ganz vielen Märchen, Figurentheater, Ausstellungen, Workshops, Vorträgen und mehr. Los geht es also am Mittwoch, 20. Oktober, um 19 Uhr im Alten Rathaus. Der Festvortrag von Wolf-Gerrit Otto hat einen verlockenden Titel „Frau Holle – das Superweib“, die Schauspieler „stille hunde“ moderieren – am Klavier ist Michael Schäfer, unser ehemaliger Kollege und auch heute noch aktiver Kulturkritiker. Hinein also in die märchenhaften Göttinger Oktobertage.

Unter Märchen hatten wir zunächst auch eine Presse-Mitteilung aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium abgebucht. Dort nämlich wurden „Bejagungsschneisen“ in hohen Ackerkulturen gefordert: zur intensiven Jagd auf die stark angewachsene Schwarzwildpopulation. Dieses Wort kommt in meine ganz persönliche Kiste der schönsten Bürokraten-Wörter.

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Sanierungsbedarf

Die sieben Mitarbeiter des Sternkinos haben zum ersten Februar ihre Kündigung erhalten. „Wir wollen das Kino weiter betreiben“, betont Sybille Mollzahn von den Vereinigten Kinobetrieben (Northeim).

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