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Lustig war früher

Wochenendkolumne Lustig war früher

Seit Tagen pfeife ich unbewusst diese leicht arrhythmische Melodie vor mich hin. Es ist zwanghaft. Dazu läuft immer dieser kleine Film ab: Ein Pflanze bricht durch den Asphalt, blüht auf und gibt den Blick frei auf ein Szenario, das dem Cover eines Beatles-Albums entsprungen zu sein scheint.

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Gestorben: "Löwenzahn"-Moderator Peter Lustig.

Quelle: dpa

Genau, das Intro zu „Löwenzahn“ – eine meiner ersten bewussten Fernseh-Erinnerungen. Es war wohl die Nachricht vom Tod des Mannes mit Nickelbrille und blauer Latzhose, die mich in die Retro-Schleife geschickt hat. Peter Lustig, der Weltenerklärer und TV-Pädagoge mehrerer Generationen, antwortet nicht mehr. Mindestens eine Hälfte meiner heutigen Genialität vor allem im Bereich der Naturwissenschaften und Mathematik verdanke ich dieser Sendung, die zweite vermutlich Daniel Düsentrieb aus den Disney-Comics. Die dritte hätte ich wohl in der Schule mitbekommen sollen....

 

Nicht, dass mich das Ende meines Fernseh- und Comic-Konsums intellektuell in völlige Haltlosigkeit geschleudert hätte. Mir fehlt nur einfach das Gefühl, im Zweifel offene Fragen an eine höhere Instanz richten zu können – und sei sie auch nur eine wohlige Kindheitserinnerung. Woher kommen jetzt die Antworten? Sehen Sie mich jetzt nicht so an. Ich habe nicht mal die passende Hose. Oft genug scheitere ich schon am Wissensdurst meines Nachwuchses. (Jüngstes Beispiel: „Papa, was ist ein Baltikum?“) Na gut, ich versuche es. Blicken wir einfach mal durch die Nickelbrille auf die fast abgelaufene Woche: Montag: Schalttag. Klar. Alle vier Jahre gibt es im Februar einen Tag extra zur Anpassung des Kalenderjahres an die Jahreszeiten. Einfach.

 

Aber Montag war auch „Leap day“. Schon schwieriger. Da ich mit einiger Gewissheit davon ausgehen kann, dass nicht viele schottische Jungfrauen unter meinen Lesern sind (Warum eigentlich nicht? Wieder eine dieser Fragen), darf ich vielleicht auch hier weiterhelfen: Seit dem Erlass von Königin Margaret aus dem Jahre 1288 dürfen besagte Damen an diesem Tag ihrem Liebsten einen Heiratsantrag machen. Auf die Herren, die diesen nicht annehmen, wartete eine empfindliche Geldstrafe – und ein zorniges Weib. Dienstag: „Super Tuesday“ – zwölf Bundesstaaten haben im US-Vorwahlkampf über die Präsidentschaftskandidaten abgestimmt.

 

Und fragen sie bitte nicht, wie es sein kann, dass ein polternder Politpraktikant wie Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus zu sein scheint. Keine Ahnung. Meine Dreijährige sagt, seine Haare sehen komisch aus. Vielleicht reicht das. Mittwoch: Keine Frage. Dafür aber eine Antwort. Im Mittwoch-Tageblatt hat uns Landrat Bernhard Reuter den Lustig gegeben mit einer wunderschönen Definition von Kommunalpolitik: Unsere Region braucht eine Straße von A nach B. Um die zu bekommen, fahre man nach C (Brüssel), rede am Rande einer großen Veranstaltung mit einem Herren aus D (Hannover) und bekomme Unterstützung von einem weiteren Herren aus E (Goslar), der eigentlich jetzt in F (Berlin) wohnt. Fertig ist die Straße. Und mein Mathelehrer wollte mir erzählen, die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sei eine Gerade. Donnerstag: Menschen trauern in der Göttinger Innenstadt um die „sterblichen Überreste“ von Bäumen. Keine weiteren Fragen. Freitag: Ist das jetzt das Ende dieser Woche? War es das mit den Fragen? Wann hört endlich diese Melodie auf? Sagen wir es noch einmal mit Peter Lustig: „Jetzt kommt ja eh nichts mehr.Also abschalten.“ Den Autor erreichen Sie unter m.scharf@goettinger-tageblatt.de

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