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Mahnwache für tote Flüchtlinge in Göttingen

„Stoppt das Sterben im Mittelmeer“ Mahnwache für tote Flüchtlinge in Göttingen

Mit einer Mahnwache vor dem Neuen Rathaus am Montag und am Gänseliesel am Dienstag haben eine Handvoll Menschen, der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge gedacht und gegen die Festung Europa („Stop fortress Europe“) demonstriert. „Ich konnte heute Nacht nicht schlafen. Da konnte ich nicht einfach Zuhause sitzen und still halten“, erklärte eine Aktivistin, die unerkannt bleiben wollte.

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Mahnwache am Göttinger Gänseliesel für im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Stoppt das Sterben im Mittelmeer“, stand mit Kreide auf dem Pflaster am Gänselieselbrunnen. Es sollte ein Mitmach-Protest sein, der offen für alle ist – einige Passanten kamen dem auch nach.

Unterdessen sucht die Stadtverwaltung weiter nach Möglichkeiten, in Göttingen ankommende Flüchtlinge weiterhin dezentral eine Unterkunft anbieten zu können. „Wir freuen uns über jede Wohnung, die uns dafür angeboten wird“, sagt Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Die Unterbringung von Flüchtlingen etwa in Turnhallen will sie unbedingt vermeiden. Für 2015 habe die Verwaltung die Situation, trotz der weiterhin steigenden Flüchtlingszahlen, „im Griff“. Von den 670 in Göttingen untergebrachten Flüchtlingen sind 85 Neuzuweisungen im Jahr 2015. Derzeit geht die Verwaltung, davon aus, dass die bisherige Quote von etwa 700 neuen Flüchtlingen bereits Mitte des Jahres erfüllt ist.

Größter Posten in der Planung sind die geplanten Wohnheime auf den Zietenterrassen mit 180 Plätzen und im ehemaligen IWF am Nonnenstieg. Hier sollen nach Auskunft von Baudezernent Thomas Dienberg 100 bis 120 Flüchtlinge untergebracht werden. Schlapeit-Beck will diese Zahl nicht kommentieren. Derzeit prüften ihre Mitarbeiter, welche weiteren Immobilien sich für eine Anmietung anbieten, um dort je 20 bis 30 Flüchtlinge unterzubringen.

Eine Unterbringung in anderen Gemeinden sei, so Schlapeit-Beck aus zwei Gründen problematisch: Zum einen blieben die Flüchtlinge weiterhin in der Zuständigkeit der Stadt Göttingen. Dies mache die Betreuung kompliziert. Zum anderen wollten die Flüchtlinge oft in ihren Familien und Gemeinschaften zusammenbleiben, sagte Schlapeit-Beck. Für 2016 setzt sie auf Neubauprojekte der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft an der Iheringstraße. Zudem müsse über neue Gemeinschaftsunterkünfte nachgedacht werden.

Am Montag hat die Stadt die Ausschreibung für den Betrieb des geplanten Wohnheims auf den Zietenterrassen veröffentlich. In die dazugehörigen Leistungsbeschreibungen waren zuletzt die Anregungen aus dem Sozialausschuss und des Integrationsrates eingearbeitet worden. Eine Entscheidung über die Trägerschaft soll bis zum Sommer fallen.

Um den Betrieb des Wohnheims wollen sich auch fünf Göttinger Wohlfahrtsverbände bewerben. Die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz und der Paritätische Wohlfahrtsverband bereiten nach Auskunft von Volker Bullwinkel, Geschäftsführer des Paritätischen, ein gemeinsames Angebot vor. Bei Zuschlag wollen die fünf Institutionen eine gemeinnützige GmbH gründen. Ein „starkes Signal“ wollten sie senden und zeigen, dass sie „die Integration einer steigenden Zahl von Flüchtlingen als gemeinschaftliche Herausforderung aller“ verstehen, sagte Bullwinkel. Er nannte diesen „Schulterschluss“ einzigartig in Niedersachsen. „Im Gegensatz zu vielen privaten Anbietern ohne regionalen Bezug geht es uns nicht darum, mit Flüchtlingsunterkünften Geld zu verdienen, sondern darum, die Menschen willkommen zu heißen und erfolgreiche Integrationsarbeit zu leisten“, ergänzte DRK-Geschäftsführer Herbert van Loh.

Von Michael Brakemeier und Benni Köster

Gedenken und Feiern
Ein „Flüchtlinge-Willkommen-Volksfest“ plant die Bürgerinitiative Buntes Zentrum für Sonnabend, 25. April, am Gänseliesel. Dazu seien Flüchtlinge, Bürger nen, Vereine, zivilgesellschaftlichen Institutionen und die Stadt Göttingen eingeladen. Beginn ist um 13 Uhr mit einer Gedenkfeier für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge. Um 14 Uhr beginnt das Volksfest. mib
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