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Mangel von Fachkräften in Göttingens Krippen

Nicht alle Stellen für dritte Kraft in Krippen sind besetzt Mangel von Fachkräften in Göttingens Krippen

„Das Angebot ist gut gemeint, aber schwierig umzusetzen“, sagt Cornelia Borchert, Personal- und Verwaltungsleiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Göttingen. Seit Anfang des Jahres übernimmt das Land Niedersachsen die Kosten für eine zusätzliche dritte Betreuungskraft in Krippen. Doch längst nicht alle der so geschaffenen zusätzlichen Stellen haben die Träger der Kindertagesstätten mit Jahresbeginn besetzen können.

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Drittkraft Gloria Kongolo spielt in der Kita im Petrihaus.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. So arbeiten etwa in den Krippen der Awo bislang nur drei von sechs möglichen sogenannten Drittkräften. „Wir hatten einfach zu wenig geeignete Bewerber“, sagt Borchert.

Der Markt an gut ausgebildeten, qualifizierten Fachkräften sei „leer gefegt“, berichtet sie. Das Land gewährt die Pauschale für Sozialassistentinnen.

Auch die Stadt Göttingen hat längst noch nicht alle möglichen zusätzlichen Stellen besetzt. Nur vier der 13 Krippen in der Trägerschaft der Stadt beschäftigen seit dem 1. Januar eine dritte Betreuungskraft. „Wir sind auf der Suche nach zusätzlichen Kräften“, sagt Jugenddezernent Siegfried Lieske (Grüne). Auch er sieht bei aller Attraktivität des Programms das Problem, geeignete Bewerber zu finden.

Damit hatte das Kinderhaus keine Probleme: Zehn von zehn möglichen Stellen hat der Verein mit Drittkräften besetzt. „Wir haben einfach frühzeitig angefangen zu suchen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Alexandra Müller.

Katholischen Kindergärten mit Krippe gut versorgt

In den Kindergärten der evangelischen Kirche mit Krippengruppen seien die meisten Drittkraft-Stellen besetzt. Von 15 Kitas im Göttinger Stadtgebiet müssten nur drei vorerst ohne Zusatzbetreuung auskommen, so die zuständige Mitarbeiterin im Kita-Büro, Ute Lehmann-Grigoleit. Im weiteren Kreisgebiet hätten sechs von 19 Kitas eine volle Krippengruppe, ergänzt ihre Mitarbeiterin Ortrud Kaisinger. Davon seien vier seit Jahresbeginn mit der Drittkraft ausgestattet, eine weitere nehme ihren Dienst im August auf.

Alle Stellen rechtzeitig noch zum Jahresbeginn zu besetzen sei „unglaublich stressig“ gewesen, so Kaisinger. Das Land aber habe diesen Termin verbindlich festgelegt. Neue Verträge mit Sozialassistenten würden dann erst wieder zum nächsten Kita-Jahr ab August berücksichtigt. Eine Einstellung „mit etwas mehr Ruhe“ zum Beispiel zum 1. April werde nicht gefördert.

Sehr bedauerlich sei es, dass das Angebot des Landes nur für volle und nicht für jahrgangsübergreifende Gruppen mit weniger Kleinkindern unter drei Jahren gelte, sagt Kaisinger. Gerade davon gebe es im ländlichen Raum besonders viele. Und in einer Gruppe mit zum Beispiel 17 älteren und vier kleinen Krippenkindern wäre eine Drittkraft „sehr hilfreich“.

Gut versorgt sind auch die drei katholischen Kindergärten mit Krippe in Göttingen. In allen habe eine dritte Betreuungskraft zum Jahresbeginn ihren Dienst angetreten, so eine Mitarbeiterin der Rendantur.

Für bessere Arbeitsbedingungen

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte die Finanzierung für die dritte Kraft in Krippen im August vorgestellt. „Wir entlasten damit nicht nur die Träger und verbessern die Arbeitsbedingungen in Krippen“, sagte sie. Der Plan geht davon aus, dass 2015 mehr als die Hälfte und voraussichtlich im Jahr 2020 „alle finanzhilfefähigen Krippengruppen“ im Land mit einer dritten Fachkraft ausgestattet sein werden.

Für 2015 sind dafür 39 Millionen Euro vorgesehen, 2021 142 Millionen. Seit dem 1. Januar wird zunächst eine durchschnittliche wöchentliche Betreuungszeit von 20 Stunden finanziert, ab August 2016 übernimmt das Land jährlich aufsteigend weitere drei Stunden, bis die Einführung zum 1. August 2020 abgeschlossen ist. Dann übernimmt das Land die Finanzhilfepauschale vollständig.

Ab 2020 muss dann in jeder Krippengruppe mit mindestens elf belegten Plätzen eine dritte Betreuungskraft regelmäßig tätig sein. Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher geht davon aus, dass es abgesehen von regionalen Engpässen bisher landesweit genügend Fachkräfte gibt, um freie Stellen „vergleichsweise rasch“ besetzen zu können.

Zudem hätten die Schulen auf die steigende Nachfrage nach Fachkräften durch Ausweitung der Ausbildungskapazitäten reagiert. Derzeit seien 13 000 Schülerinnen auf dem Weg zu ihrem Ausbildungsziel Erzieherin oder Erzieher.

Von Ulrich Schubert und Michael Brakemeier

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