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Markenbutter: Darf’s ein bisschen weniger sein?

Packungsgröße vergleichen Markenbutter: Darf’s ein bisschen weniger sein?

900 statt 1000 Milliliter Eis, 115 statt 125 Gramm im Dessert-Becher: Seit Jahren schon reduziert die Lebensmittelindustrie klammheimlich die gewohnten Packungsgrößen. Jetzt hat sich ein Hersteller erstmals an ein Grundnahrungsmittel gewagt: Der Discounter Netto stellt seit kurzem Schrumpfbutter ins Regal.

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Fällt beim schnellen Griff ins Regal kaum auf: Butterstück mit 200 Gramm Inhalt (links) im Vergleich zum „normalen“ 250-Gramm-Paket.

Quelle: EF

Zwar dürfen die Anbieter auch bei Butter die Packungsgröße seit dem Jahr 2000 frei wählen, bisher hatte sich jedoch niemand an die Schrumpfung des klassischen 250-Gramm-Stücks gewagt. Jetzt aber schon: Das Paket Markenbutter des Netto-Lieferanten Molkerei Sachsenmilch sieht zwar fast aus wie jede übliche 250-Gramm-Packung, aber: enthalten sind nur 200 Gramm. Die Packung ist ein wenig kleiner, was aber nur im direkten Vergleich mit einem „normalen“ Stück Butter auffällt.

Mengen sind frei wählbar

Seit April vorigen Jahres ist eine weitere Änderung der Fertigverpackungsverordnung in Kraft. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten sich Verbraucher sicher sein, dass eine Tafel Schokolade 100 Gramm und eine Packung Milch beispielsweise einen halben oder einen ganzen Liter enthält. Nun aber dürfen auch 95-Gramm-Tafeln Schokolade oder 0,95 Liter Milch verkauft werden. Auch bei Lebensmitteln wie Wasser, Kaffee, Limonade, Bier, Fruchtsäften oder Zucker dürfen die Hersteller die Packungsgrößen inzwischen frei bestimmen. Nur bei Wein, Sekt und Spirituosen gibt es noch Festlegungen für den Inhalt.

Die Folge: Um Vergleiche anzustellen, kann sich der Verbraucher nur noch auf die Angabe des Grundpreises verlassen. Die schreibt der Gesetzgeber zwar vor, aber bei einigen Anbietern stehen die Grundpreise neben dem Packungspreis verschwindend klein auf dem Regalschild.

Zwar sind die korrekte Gewichtsangabe und der Hinweis „Für den kleinen Kauf“ auf der Vorderseite der Packung vermerkt und der Preis von 99 auf 79 Cent gesunken, Verbraucherschützer sind aber dennoch empört: „Aufs Gramm gerechnet ist die Butter nicht billiger geworden“, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg, die den Fall publik gemacht hat: Von einem „Aktionspreis“, wie ihn der Anbieter im Internet und in Prospekten beworben hatte, könne also keine Rede sein.

Auch der Hinweis „Für den kleinen Kauf“ sei keine ausreichende Begründung für die Schrumpfkur: „So mancher Verbraucher will gar keinen ,kleinen Kauf‘, sondern greift aus Gewohnheit nach dem Butterpaket und vermutet ein Schnäppchen, ohne auf die Gewichtsveränderung zu achten.“ Und für Singles sei die 200-Gramm-Packung ebenfalls kein großer Vorteil: „Dafür gibt es längst schon 125-Gramm-Packungen.“ Elke Tiebel, Ernährungsexpertin der Verbraucherberatung Göttingen, fordert die Lebensmittelhersteller auf, veränderte Füllmengen deutlich größer als bisher auf der Vorderseite aufzudrucken.

Die Molkerei Sachsenmilch gehört zur Firma Alois Müller, die bereits eine Reihe ihrer Müllermilch-Getränke von 500 auf 400 Milliliter geschrumpft hatte (Tageblatt berichtete). Die Verbraucherzentralen befürchten nun, dass die neue Schrumpfbutter Vorbild für Verkleinerungen auch bei anderen Buttermarken wird. Solcherlei Nachziehen habe sich in der Vergangenheit bereits bei vielen anderen Lebensmitteln beobachten lassen (siehe Kasten). Gern verringern die Anbieter klammheimlich die Menge, behalten die alten sogenannten Schwellenpreise wie 0,99 oder 1,99 Euro bei.

Vorsicht vor Mogelpackungen

Die geringfügige Verkleinerung der Füllmengen bei abgepackten Lebensmitteln, kritisiert Elke Tiebel von der Verbraucherberatung Göttingen, „ist bei meist gleich bleibender oder minimal kleinerer Verpackung für Kunden sicher kaum erkennbar“. Die Hersteller hätten mit dem Wegfall der Größenfestlegungen „die Möglichkeit, mit geringeren Füllmengen und gleichen Preisen zu mogeln“. Tiebels Tipps:

  • Auf den klein gedruckten 100-Gramm-, Kilo- oder Literpreis achten. Dieser sogenannte Grundpreis muss in unmittelbarer Nähe des Produktes zu finden sein.
  • Wenn der Grundpreis nicht angegeben ist, den Missstand der Verbraucherzentrale melden oder das Fehlen bei der Lebensmittelüberwachung beim örtlichen Ordnungsamt anzeigen.

Von Matthias Heinzel

Wenn auch Sie Hinweise auf Schrumpfpackungen haben, mailen Sie an lokales@goettinger-tageblatt.de.

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