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Ruhestand nach 44 Jahren

Marktverkäuferin Monika Nordmann hört auf Ruhestand nach 44 Jahren

Ein halbes Leben für und auf dem Göttinger Wochenmarkt: Monika Nordmann aus Seulingen hört nach 44 Jahren auf. Ihren Gemüsestand gegenüber besetzt sie an diesem Sonnabend zum letzten Mal. Das bunte Markttreiben werde ihr fehlen, vor allem die vielen Kunden, die sie während der vergangenen Jahrzehnte kennengelernt hat.

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Quelle: Markus Hartwig

Göttingen/Seulingen. Auch wenn es der 75-Jährigen schwer fällt, aufzuhören, scheint der Zeitpunkt zu passen: Enkelin Paula, mit der sie während der vergangenen Jahre den Stand geführt hat, will nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen. Dabei wollte Paula nur ein einziges Mal aushelfen, doch dann kam auch sie auf den Markt-Geschmack. Manchmal sprangen auch die Enkel Marc und Louis mit ein.

Viele Jahre verkaufte auch Enkelin Sophie mit auf Wochenmarkt. Die meiste Zeit hielt  Nordmann allerdings zusammen mit ihrer Schwester Gertrud Wucherpfennig am Stand die Stellung. Den Anhänger belud vor den Markttagen Nordmanns Sohn, der auch bei den schweren Feldarbeiten half - eben ein echter Familienbetrieb. Doch mit 75 Jahren habe sie genug gearbeitet, erklärt Nordmann. Obwohl - so ganz loslassen mag sie das Marktgeschehen doch nicht.

Im Garten und auf dem Feld hat sie Zeit ihres Lebens Gemüse angebaut. Bei ihr gab es Erbsen, Bohnen, Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln. Ganze 1600 Quadratmeter bewirtschaftete sie. Außerdem kochte sie Marmelade, strickte Socken und band bunte Feld- und Wiesensträuße. "Die waren immer gleich weg", erinnert sich Nordmann an ihren heimlichen Verkaufsschlager.

Auch an den Tag, der ihr erster Markttag werden sollte, erinnert sie sich gut. Sie fuhr nämlich gar nicht erst mit, weil sie sich nicht traute. Die Nordmanns hatten zu viele Frühkartoffeln geerntet und entschieden sich kurzerhand, diese auf dem Göttinger Wochenmarkt anzubieten. Bereits um 11 Uhr hatten ihr Mann und ihre Mutter alles verkauft. Nach diesem ersten Erfolg war auch Monika Nordmann mit von der Partie - zuerst noch unsicher und etwas ängstlich. Bis sie Opa Schulze aus Landolfshausen unter die Fittiche nahm. Der fand immer die richtigen Worte und unterstützte den Markt-Nachwuchs mit guten Ratschlägen, wie sie sich erinnert.

Negative Erfahrungen hat Nordmann nie gemacht. Klar gebe es hin und wieder unfreundliche Kunden, doch die seien eher die Ausnahme. Eine andere Marktfrau erzählte ihr einmal: "Ich habe schon einmal einer Kundin die Zunge gezeigt, habe sie aber nicht rausgestreckt." An diese Geschichte denkt Nordmann immer, wenn es mal nicht rund läuft.

Doch meistens tut es das, denn von einem ist die Marktfrau fest überzeugt: "Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus." Nordmann hat viele Stammkunden, mit denen sie oft ein freundschaftlicher Umgang verbindet. "Das ist wie eine Familie", erklärt sie. Doch nicht nur der Verkauf, auch der Anbau des eigenen Gemüses bereitete ihr immer viel Freude. Mit Strohhut und Gartengeräten ging es immer früh aufs Feld - und wenn sie mal ein Pause brauchte, gönnte sie sich diese. "Sein eigener Herr sein", diese Devise gefiel der gebürtigen Seulingerin vor allem.

Freizeit kennt Monika Nordmann nicht. Füher ist sie mit ihrem Mann ab und zu verreist, doch seit er vor drei Jahren gestorben ist, gefällt ihr das nicht mehr, erzählt Nordmann. Wenn abends alles erledigt ist, strickt sie Socken. Manchmal setzt sie sich nach draußen, vors Haus: "Dann kommen die Nachbarn, das ist auch immer schön."

Am Wochenende kocht sie oft für die Familie. Ihre zwei Söhne und zwei Töchter besuchen sie regelmäßig mit den sechs Enkeln. Dann wird der große Tisch im Wohnzimmer aufgebaut. "Und wenn sie sagen: 'Mama, bei dir schmeckt's aber wieder' - dann sollte einem das bisschen Kochen doch nichts ausmachen", findet die 75-Jährige.

Ganz loslassen mag sie den Göttinger Wochenmarkt eigentlich nicht. Ihre Beeren will sie noch während der nächsten Wochen hin und wieder verkaufen und im Herbst einige Gläser ihrer selbstgemachten Kürbissuppe anbieten. Für ihre langjährigen Kunden, ihre Freunde.

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