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Massive Kritik an "Massenunterkunft"

Unterkunft im Anna-Vandenhoeck-Ring weiter umstritten Massive Kritik an "Massenunterkunft"

Die Pläne der Verwaltung, bis zu 400 Menschen in der neuen Flüchtlingsunterkunft im Anna-Vandenhoeck-Ring unterzubringen, stößt weiter auf Kritik. SPD, Linke und Flüchtlingsinitiativen kritisieren, die Art der Unterbringung und die Aufgabe kleinerer Unterkünfte zugunsten der ehemaligen Lagerhalle auf der Siekhöhe.

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Der Unmut über die Bedingungen in der Flüchtlingsunterkunft ist groß.

Quelle: CRO

Grone. Der SPD-Stadtverband und die SPD-Ratsfraktion wollen ein "Zurück zu Qualität und Wertschätzung in der Flüchtlingsarbeit". Sie fordern, dass die Bewohner der Weender Unterkunft in der Großen Breite nach der Beseitigung eines Schädlingsbefalls in ihrem Haus wieder dorthin zurückkehren können. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte am Mittwoch bei einem Ortstermin hingegen angekündigt, dass die rund 50 betroffenen Flüchtlinge im Anna-Vandenhoeck-Ring bleiben sollen. Die SPD erwarte zudem, dass "gewachsene Strukturen in der Unterbringung- und Integrationsleistung nicht grundlos zerstört werden".

"Flüchtlingskasernierung"

Für den Kreisverband Göttingen / Osterode der Linken bedeutet die neue Unterkunft "Flüchtlingskasernierung".  Es gebe keine überzeugende Begründung, die bestehenden Unterkünfte aufzulösen, damit die Menschen "nun in einer einzigen, sogar qualitativ schlechteren Notunterkunft" untergebracht werde. "Flüchtlinge sind kein Stückgut, das beliebig hin und her geschoben werden kann."

"Massenunterkünfte nur Übergangslösung"

Auch das Göttinger Lampedusa-Bündnis kritisiert die Bedingungen in der großen Halle. "Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge dort sind völlig fremdbestimmt", urteilte Birgit Sacher, Geschäftsführerin des Integrationsrates und Sprecherin des Bündnisses. So könnten die dort künftig lebenden Menschen "weder das Licht ausschalten noch entscheiden, was sie essen oder wie sie lüften". Akustik und schlechte Luft verursachten Kopfschmerzen." Die zentrale Beleuchtung in der fast fensterlosen Halle lasse sich zwar dimmen, aber die nach oben hin offenen Wohnabteile nicht verdunkeln. "Massenunterkünfte können nur eine Übergangslösung bei akuten Bedarfen sein", sagte Sacher. Die Entscheidung, wo und wie Flüchtlinge leben müssten, dürfe nicht Verwaltungs- und Planungslogiken überlassen werden.

Um Monate zurückgeworfen

Mit Blick "auf eine erfolgreiche Integration der Geflüchteten in Göttingen" fordert die "Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule" die Stadtverwaltung nachdrücklich auf, die Umzugspläne aufzugeben. "Die bisherigen gewachsenen nachbarschaftlichen, institutionellen und freiwilligen Strukturen ließen sich nach den Umquartierungen in ein Gewebegebiet am äußersten Stadtrand kaum erhalten. Auch eine noch so gute Busanbindung in das Stadtzentrum oder nach Weende kann die bisherige Integrationsarbeit nicht ersetzen", heißt es in einer Mitteilung. Die bisherige Integrationsarbeit würde um Monate zurückgeworfen. Insbesondere für Geflüchtete mit traumatischen Erfahrungen sei eine derartige Unterbringung "höchstens als Notbehelf" zu tolerieren.

"Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge dort sind völlig fremdbestimmt." Birgit Sacher, Geschäftsführerin des Integrationsrates und Sprecherin des Lampedusa-Bündnisses zur  Flüchtlingsunterkunft im Anna-Vandenhoeck-Ring"

Ehrenamtliche Helfer aus Weende auch in Grone willkommen

Göttingen. Verwaltungssprecher Detlef Johannson betont, dass die ehrenamtlichen Helfer, die sich seit Monaten um die Flüchtlinge in der Unterkunft Große Breite 10 kümmern, sich auch im Anna-Vandenhoeck-Ring weiter engagieren könnten. "Selbstverständlich. Das würden wir sehr begrüßen. Sie müssen das wie bei den anderen Unterkünften auch mit dem Betreiber abstimmen", sagte er.

Er geht davon aus, dass die Weender Flüchtlinge ihre dort begonnen Aktivitäten, etwa im Sportverein, im Orchester oder in Sprachkursen auch von Grone aus fortsetzen können. Sie könnten sich frei in Göttingen bewegen. "Viele von ihnen haben inzwischen ein Fahrrad. Sie können den Bus nutzen. Haltestellen sind in der Nähe. Sie können vielleicht eine Mitfahrgelegenheit bei einem der freiwilligen Helfer organisieren oder zu Fuß gehen.

Das tun die Göttinger auch, die hier schon länger leben, und mit dem Rad, mit dem Bus oder zu Fuß von einem Stadtteil in den anderen zum Sport oder zu anderen Veranstaltungen kommen. Oder gegengefragt: Wer von einem Stadtteil in den anderen zieht, verliert doch deswegen nicht zwangsläufig seine Kontakte, Freundschaften oder Bindungen?", sagte Johannson.

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Helfer diskutieren beim Ortstermin mit Göttingen Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. foto: Theodoro da Silva

Rund 150 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Flüchtlinge haben am Mittwoch die neue Flüchtlingsunterkunft am Anna-Vandenhoek-Ring besichtigt. Ihr Unmut über die Bedingungen in der Halle war groß. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) gelang es kaum, sie von den Vorzügen der Unterkunft zu überzeugen.

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