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Mc-Donald’s-Mitarbeiterin feiert 80.Geburtstag

Rüstige Rentnerin Mc-Donald’s-Mitarbeiterin feiert 80.Geburtstag

Was halten Sie von der Rente mit 67? Diese Frage bringt Sibylle Krauns, die heute ihren 80. Geburtstag feiert, zum Lächeln. Sie ist immer noch berufstätig.

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Umgeben von jungen Menschen: Sibylle Krauns an der Café-Theke.

Quelle: Hinzmann

Seit 1988 hat sie beim Mc Donald‘s Drive In in Grone einen 400-Euro-Job. Den möchte sie nicht missen. Sie empfindet die jungen Menschen um sich herum als „erfrischend“. Krauns muss nicht zum Arzt gehen, um mal wieder unter Leute zu kommen. Krankheiten sind für sie kein Thema. „Ich bin ein winterhartes Steppenpferd“, erklärt sie fröhlich.

Die 80-Jährige stellt aber auch klar: „Einem Dachdecker ist es nicht zuzumuten, mit 70 Jahren noch in höchsten Höhen herumzuturnen.“ Jeder müsse selbst entscheiden können, wie lange er arbeiten wolle. Sie selbst bessert mit dem Job ihre Rente auf. Ihr Mann ist früh gestorben. Die gelernte Laborantin blieb zuhause und hat sich um die vier gemeinsamen Kinder gekümmert. Alle machten das Abitur und schlossen ein Studium ab. Geheiratet hat sie nicht noch einmal. „Der Neue hätte gegen meinen alten Mann, meine große Jugendliebe, keine Chance gehabt“, erklärt sie.

Als die jüngste Tochter nach Göttingen zog, verließ auch Krauns Northeim. Im Tageblatt las sie damals, dass Mc Donald’s für den neuen Drive In Mitarbeiter sucht. Sie stellte sich vor und wurde genommen. Dann musste sie Freunden gestehen, wo sie arbeitete. „Die sind sehr etepetete und sagten nur: Oh Gott“, erinnert sich Krauns. Sie ergänzt: „Den Zahn habe ich ihnen schnell gezogen. Gegessen wird überall.“ Die Hamburger hat sie allerdings nie probiert. Sie ist Vegetarierin. Die Mc-Donald’s-Apfeltaschen liebt sie.

Anfangs machte Krauns Pommes, später füllte sie die Salatbar auf. Seit einigen Jahren kümmert sie sich um die Wäsche. „Jeder bekommt zur neuen Schicht saubere Kleidung“, erläutert sie. Sie arbeitet im ersten Stock, wo sich die Umkleiden und die Sozialräume befinden. „Die jungen Menschen kommen mit ihren Kümmernissen oft zu mir“, berichtet die Oma, die drei Enkel hat. Ihre Stärke: Sie kann zuhören und ist verschwiegen. Zwar erscheint ihr vieles nicht weiter schlimm, aber sie weiß, dass das für die jungen Leute zum Teil „riesige Probleme“ sind. Auch sie selbst hat bei den Kollegen Halt gefunden. 1996 wurde ihr ältester Sohn von einem betrunkenen Autofahrer überfahren. „Das war noch schlimmer als damals, als mein Mann starb“, sagt sie. Eine Zeit lang arbeitete sie Vollzeit, um nicht mit dem Grübeln anzufangen.

Und welche Hobbys hat Krauns? „Ich hatte früher einen großen Garten. Heute gehe ich in den Botanischen Garten“, erzählt sie. Außerdem liest sie gerne. Ihr Tipp: „Mieses Karma“ von David Safier. Den Krimi hat sie bei ihrer Tochter entdeckt und mehrmals gelesen. Vor einiger Zeit studierte sie noch mal Johann Wolfgang von Goethes „Faust“. Den hatte sie zuletzt zum Goethe-Jahr 1949 kurz vor dem Abitur an der Richenza-Schule gelesen.

Von Michael Caspar

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