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Mehr Platz für City-Sortiment im Möbelmarkt

Haushaltswaren und anderes auf 3300, 2000 oder 800 Quadratmetern? Mehr Platz für City-Sortiment im Möbelmarkt

Die Göttinger Stadtverwaltung will das Göttinger Einzelhandelskonzept ändern. Ziel: Die Fläche, auf der in Möbelhäusern am Stadtrand innenstadtrelevante Waren verkauft werden darf, soll deutlich vergrößert werden. Bislang galt für Produkte, die es auch in der Stadt gibt, eine Obergrenze von 800 Quadratmetern Fläche – künftig sollen es 3300 sein.

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So könnte der geplante XXXL-Möbelmarkt an der A 7 in Göttingen aussehen.

Quelle: Kurth-Immobilien/XXXLutz

Göttingen. In einer Vorlage, die der Bauausschuss nächste Woche beraten soll, schlägt die Verwaltung  eine massive Vergrößerung der Flächen vor. Hintergrund ist die Ansiedlung der beiden XXXL- und Poco-Möbelmärkte an der B 3 zwischen Grone und Groß Ellershausen. Die beiden dort geplanten Möbelhäuser haben eine Geamtverkaufsfläche von  33 000 Quadratmetern.  Die Verwaltung schlägt nun vor, den Verkauf innenstadtrelevanter Waren auf zehn Prozent der Fläche  – also auf 3300 Quadratmeter – auszudehnen.

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Der Bauausschuss des Rates der Stadt Göttingen diskutiert das Thema am Donnerstag, 7. April, ab 16.15 Uhr im Sitzungssaal 118 im Neuen Rathaus.

Zu den zentrumsrelevanten Artikeln zählen beispielsweise Elektrokleingeräte, Glas, Porzellan, Haushaltswaren, Kunstgewerbe, Bilder und andere Einrichtungsgegenstände. Die Fläche für deren Verkauf soll laut Verwaltungsvorlage maximal 1700 Quadratmeter betragen. Außerdem dürfen der Vorlage zufolge Heimtextilien wie Gardinen, Bett-, Tischwäsche auf 1500 Quadratmetern Fläche in den Möbelhäusern verkauft werden. „Die sonstigen zentrenrelevanten Randsortimente dürfen insgesamt maximal 175 Quadratmeter betragen.“

Die Änderung des Einzelhandelskonzeptes ist auf die beiden Möbelhäuser beschränkt. In der Vorlage steht, dass nur unter „folgenden Bedingungen“ vom Konzept abgewichen werden dürfte: „Es handelt sich um ein großflächiges Möbeleinzelhandelsangebot mit maximal 33 000 Quadratmetern Gesamtverkaufsfläche ... das Vorhaben ist räumlich begrenzt auf den Entwicklungsbereich im Sonderstandort West“.

Der aktuelle Vorschlag, die Fläche auf zehn Prozent festzulegen, hat in der Innenstadt für Kritik gesorgt. Zumal der Geschäftsführer der XXXL-Gruppe, Helmuth Götz, in einem Tageblatt-Interview im Oktober bereits zugesagt hatte, auch eine kleinere Fläche zu akzeptieren.

„Ich lege mich fest, dass wir diese Fläche auf 2000 Quadratmeter begrenzen würden. Das wären dann nur noch 7,5 Prozent der gesamten Verkaufsfläche. Das ist für uns die Schmerzgrenze. Keines unserer Einrichtungshäuser hat prozentual eine solch kleine Fläche für Randsortimente“, sagte Götz. In einer Bauausschuss-Sitzung im November hatte der Vorsitzende Christian Henze (SPD) sich ebenfalls auf diese Obergrenze bezogen.  XXXL-Presseprecher Julian Viering bestätigte am Dienstag, dass das Unternehmen „natürlich“ zu dieser Aussage stehe. „Und wir haben weiterhin großes Interesse daran, endlich zu bauen“, sagte er.

„Schwächung der Stadt“

S. Heller

Quelle: EF

Susanne Heller, Inhaberin des gleichnamigen Bettenfachgeschäftes in der Innenstadt und engagiert im Vorstand des Vereins Pro City, spricht sich klar für eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Göttingen aus. „Göttingen ist gut und kann noch besser werden“, sagt sie. Aber: Die Geschäftsfrau meint, dass die Ansiedlung der Möbelmärkte mit einer 3300 Quadratmeter großen Fläche für Innenstadt-Waren eine „Schwächung der Stadt“ bedeutet. „Ich rechne mit negativen Konsequenzen für die Innenstadt und den Lutteranger.“

Erst vor zwei Jahren hätten Menschen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und andere Interessensvertreter das Einzelhandelskonzept erarbeitet. „Die Begrenzung auf 800 Quadratmeter hat viel Mühe gekostet und ist ein guter Kompromiss“, sagt sie. 3300 Quadratmeter seien eine Erhöhung um 70 Prozent. Selbst eine Größe von 2000 Quadratmetern bedeute noch mehr als eine Verdopplung der ursprünglich vereinbarten Begrenzung. „Das ist nicht innenstadtverträglich.“ An eine Sogwirkung der Möbelmärkte, von der andere Standorte profitieren, glaubt sie nicht. Noch dazu bestehe die Gefahr, dass die Aufweichung des Konzeptes „Tür und Tor“ für andere Projekte öffne. bib

„Gilt nur für diesen Standort“

 Mehr Platz für innenstadtrelevante Waren in Möbelhäusern: Diesen Plan verfolgt die Göttinger Stadtverwaltung mit einer Änderung des Einzelhandelskonzeptes. Wie stehen die Ratsparteien dazu?

„Die Aufweichung gilt nur für diesen Standort. Das ist kein Freibrief für andere Standorte“, sagt der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Frank-Peter Arndt. „Deshalb werden wir das auch so befürworten.“ Das innenstadtrelevante Sortiment sei weiterhin geschützt. Hans-Georg Scherer, Vorsitzender der CDU/FDP-Ratsgruppe, möchte sich hingegen noch nicht festlegen. Er wolle erst die Fraktionssitzung am Mittwoch abwarten.

Ob die Grünen der Änderung zustimmen werden, sei noch nicht klar, sagt deren baupolitischer Sprecher Ulrich Holefleisch. Das Einzelhandelskonzept müsse zwar immer daraufhin untersucht werden, ob es noch zeitgemäß ist. Dass durch die angestrebte Änderung nun aber der Eindruck entstehe, diese hänge mit einem konkreten Projekt zusammen, sei „politisch nicht gut“.

„Einer Aufweichung des Einzelhandelskonzepts werden wir so nicht mehr zustimmen. Wir haben den Prozess ohnehin schon mit Bauchschmerzen begleitet“, erklärt hingegen Patrick Humke (Antifaschistiche Linke). „Wir wollen stattdessen die Geschäfte in anderen Gewerbegebieten und vor allem in der Innenstadt schützen.“
„Wir Piraten sind gegen die Aufweichung des Einzelhandelskonzept für Betriebe, die im Ruf stehen, miserable Arbeitsbedingungen zu bieten, und wenig Nachhaltigkeit in ihrem Konzept zur Flächenversiegelung dargestellt haben“, erklärt Martin Rieth von den Piraten.afu

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