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Meike Hampel übersteht tödliche Erkrankung dank Stammzellenspende

Puzzleteil fürs Überleben gefunden Meike Hampel übersteht tödliche Erkrankung dank Stammzellenspende

Auch wenn ein Mensch eigentlich unheilbar erkrankt ist, gibt es manchmal noch eine medizinische Lösung: eine Stammzelltransplantation. Beispielsweise bei Blutkrebs ist sie manchmal die letzte Chance, ein Leben zu retten. Ein Spender zu werden, das ist leicht, einen passenden Spender zu finden, nicht. Die Wahrscheinlichkeit, den passenden  Menschen außerhalb der eigenen Familie zu finden liegt zwischen eins zu 20 000 und eins zu mehreren Millionen. Meike Hampel hat diese Chance bekommen -  und genutzt.

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Meike Hampel überlebt dank Stammzellentherapie.

Quelle: Lawrenz

Nörten-Hardenberg. An dem Jahrestag, an dem sie Stammzellen transplantiert bekam, hat Meike Hampel Geburtstag gefeiert. Die Frau feierte gerade ihren „zweiten Geburtstag“ - im Alter von  50 Jahren. Spenderzellen retteten ihr Leben.

Die Diagnose kam für die Nörtenerin wie aus heiterem Himmel: Myelodysplastisches Syndrom. Bei dieser bösartigen Erkarnkung wird der Blutbildungsprozess nachhaltig gestört. Wegen einer kaum zu stoppenden Blutung nach einem eigentlich harmlosen Schnitt in den Finger war Hampel damals zum Arzt gegangen. „Meine Thrombozyten waren flöten gegangen“, sagt Hampel heute. Noch drei Jahre Lebenszeit gaben ihr die Ärzte. Doch sie machten ihr auch Mut. Mit einer Stammzellentransplantation liegen die Chancen, länger  zu überleben bei 60 Prozent.

Die Suche nach einem passenden Spender beginnt:  „Ich habe eine neue Blutgruppe bekommen,“ sagt Hampel.  Denn bei einer Stammzellentherapie sind primär nicht die Blutgruppe sondern die humanen Leukozyten-Antigene (HLA) entscheidend. Es sit wie bei einem Puzzle: Erst dann, wenn man in der ersten Runde mehrere Spender finde, spielten auch Kriterien wie die Blutgruppe eine Rolle, erklärt Dr. Beatrix Pollok-Kopp, ärztliche Leiterin der Abteilung Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.

Deutschlandweit wurde nach Hampels „Puzzleteil“, gesucht. Ende Juni war „es“ gefunden. Am 12. August 2012 wurde die Patientin für eine Stammzellentransplantation in der Uniklinik aufgenommen. Bei der Aufnahme fühlte sie sich gesund. Vier Wochen zuvor hatte sie noch gearbeitet - als Diätassistentin in der Uniklinik. Die freie Zeit nutzte sie, um alles zu regeln für den Fall, dass sie die Klinik nicht mehr lebend verlassen sollte. „Vier Wochen war ich weggesperrt“, beschreibt die Frau, die schnell Kontakte schließt, ihre Zeit auf der Isolierstation.  Nur Familienmitglieder durften Hampel besuchen: ihr Mann, die Kinder, Mutter und Schwester - mit Mundschutz, Kittel und Überschuhen.

Wie das Desinfizieren der Hände gehörte das zur Besuchsroutine. Kuchen oder andere Leckerbissen durften nur gekocht oder gebacken und vorschriftsmäßig abgepackt mitgebracht werden. Ihren Online-Blog, den sie jetzt als Buch gebunden bekommen hat, half Hampel, die Zeit zu überstehen. „Jeden Abend habe ich geschrieben.“ So erfuhren ihre Freunde immer, wie es ihr ging.  „Ich will es schaffen“, beteuerte sie. Für ihre Nächsten wollte sie stark sein.

Einen Platz nicht nur im Herzen belegten die Freunde. Weil sie sie nicht besuchen konnten, bezogen sie Stellung an ihrem Fenster. Mit Ballons und Blumen schmückten sie den Baum, damit die Freundin einen schönen Ausblick hatte. Dennoch hatte Hampel Momente, wo sie daran dachte, „einfach abzuhauen“. Als sie nach vier Wochen das Krankenhaus verließ, lag ein langer Weg noch vor ihr.

In der Weihnachtszeit musste sie zurück ins Krankenhaus – die Thrombozyten hätten damals dramatisch abgenommen, erklärt sie. Doch auch diesen Einbruch habe sie gut überstanden. Zur Arbeit sei sie nicht zurückgekehrt. Sie sei längst nicht mehr so belastbar wie früher. Doch sie weiß: „Ich kann mich nicht hängen lassen.“

Immerhin habe ein damals wildfremder Mensch seine Zellen für sie gespendet. Bei ihrem Geburtstagsfest ist er dabei gewesen. Die 50-Jährige versteht sich als Beispiel dafür, dass Stammzellen Leben retten können. Damit viele Spender gewonnen werden, hat sie zu ihrem „zweiten Geburtstag“ statt Geschenken Geld gesammelt. Etwa 50 Euro kostet eine Typisierung. 1250 Euro hat Hampel für diesen Zweck weitergegeben. „Alles ist gut. Aber nichts ist mehr wie früher“,  sagt Hampel.

Von Ute Lawrenz

Spende ohne Einschränkungen

Wer in eine Datei für Knochenmarkspender aufgenommen werden möchte, muss sich dafür Blut abnehmen lassen. Daraus wird die DNA (Desoxyribonukleinsäure) isoliert. Für den Fall, dass sich ein Mensch als Spender eignet, werden die Stammzellen aus seinem Blut - oder seltener unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm - gewonnen.

Normalerweise sind Stammzellen nicht im Blut. Deshalb ist vor einer Spende eine mehrtägige Vorbehandlung nötig. Mit einem Medikament wird die Produktion aktiviert. Dann wird beim Spender über mehrere Stunden eine Art Blutwäsche vorgenommen. Die Stammzellen, die sich gebildet haben, werden aus dem Blut gefiltert. Der Spender kann anschließend wieder nach Hause gehen.

Vielleicht werde er während der Vorbehandlung unter vorübergehenden Knochenschmerzen leiden, so Beatrix Pollok-Kopp, ärztliche Leiterin der Abteilung Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen. Weitere Einschränkungen gebe es nicht für den Einsatz für das Leben.

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