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Friedenspreisträgerin vor Gericht

Mensah-Schramm muss sich für Sachbeschädigung rechtfertigen Friedenspreisträgerin vor Gericht

Seit 30 Jahren bekämpft Irmela Mensah-Schramm rechte Parolen – mit Putzmittel, Schaber und Spraydose. Ihr Engagement ist mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Göttinger Friedenspreis 2015. Doch jetzt hat sich die 70-jährige Berlinerin vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten müssen.

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Irmela Mensah-Schramm mit ihrer Lieblingswaffe gegen rechten Hass: Eine Sprühdose

Quelle: dpa

Göttingen. Angeklagt wurde sie wegen Sachbeschädigung. "„Dabei habe ich doch nur eine Sachbeschädigung beschädigt“, sagt Mensah-Schramm noch merklich angesäuert. Seit Monaten sei sie an dem Schriftzug „Merkel muss weg“ an einer Tunnelmauer in Zehlendorf vorbeigekommen und habe sich geärgert, dass ihn mal wieder niemand entfernte. Da sei sie eben aktiv geworden und habe den Spruch in „Merke! Hass weg!“ abgeändert. Mit pinker Sprühfarbe. „Die Farbe stammte übrigens von meiner Ausstellungseröffnung im Göttinger Max-Planck-Gymnasium“ – vom Schulleiter Wolfgang Schimpf persönlich feierlich überreicht.

Drei Polizisten seien gekommen – nur einer habe Verständnis für ihr Anliegen gezeigt. Die fällige Geldstrafe von 450 Euro habe sie aber nicht zahlen wollen und so folgte Mitte September der Strafbefehl, Anfang Oktober schließlich die Hauptverhandlung. Mensah-Schramm übernahm ihre Verteidigung selbst. „Ich habe dem Richter die Urkunde vom Friedenspreis unter die Nase gehalten. Dem war die ganze Verhandlung unangenehm, glaube ich.“

Max-Planck-Schulleiter bei der Überreichung der Spraydose im vergangenen Jahr

Max-Planck-Schulleiter Wolfgang Schimpf bei der Überreichung der Spraydose im vergangenen Jahr

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Der Vorschlag des Gerichts, das Verfahren einzustellen, lehnte die Staatsanwaltschaft überraschend ab. Stattdessen forderte die junge Vertreterin der Anklage in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu jeweils 60 Euro und gab der Angeklagten sogar noch einen Ratschlag mit auf den Weg. Sie möge sich doch künftig einen anderen Weg der Meinungsäußerung suchen, so sei sie kein Vorbild. Darüber hat sich Mensah-Schramm geärgert: „Nach 30 Jahren Engagement war das ganz schön heftig.“ Der Richter sprach schließlich eine Verwarnung aus und behielt sich eine Geldstrafe vor, die allerdings erst im Wiederholungsfall fällig wird.

„Ich soll mich ein Jahr ruhig verhalten“, poltert die Frau, die sich selbst den Titel Polit-Putze gegeben hat, ins Telefon. „Natürlich mache ich weiter. Ich bin doch erst 70.“ Angedrohte Haftstrafen können sie davon offensichtlich nicht abbringen. Es sei doch komisch: Ihre Arbeit sei mittlerweile sogar in China und Japan erwähnt worden. Sie habe eine Einladung in die Ukraine erhalten. Hier werde sie verurteilt. „Da bin ich froh, dass ich meine Bundesverdienst-Medaille früher schon zurückgegeben habe.“

Ihr Schriftzug an der Mauer in Zehlendorf sei übrigens relativ schnell entfernt worden. Am Donnerstag war an gleicher Stelle ein Hakenkreuz zu sehen. „Das habe ich vorhin noch schnell übersprüht.“

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