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Migrationsforscherin der Uni Göttingen fordert Aufhebung des Visumzwangs

„Sterben einkalkuliert“ Migrationsforscherin der Uni Göttingen fordert Aufhebung des Visumzwangs

Die Göttinger Migrationsforscherin Prof. Dr. Sabine Hess hat in Folge der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer am Wochenende die Aufhebung des Visumszwangs für Flüchtlinge aus bestimmten Ländern gefordert. Außerdem äußert Hess scharfe Kritik daran, dass die europäische Grenzschutzagentur Frontex die Zuständigkeit für Seenotrettung von sich weise. Damit würden die Europäische Union und Frontex „das Sterben auf dem Mittelmeer einkalkulieren“.

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Prof. Sabine Hess

Quelle: Archiv

Göttingen. „Der überwiegende Anteil von Bürgerkriegsflüchtlingen stammt zurzeit aus Syrien, Eritrea und Somalia“, erläutert die Wissenschaftlerin, die sich seit mehr als 15 Jahren mit Migrations- und Grenzregimeforschung beschäftigt. Der Visumzwang nehme diesen Menschen jede Möglichkeit, legal zu fliehen und in Europa einzuwandern. Hess: „Dabei könnten Flüchtlinge aus Syrien beispielsweise in Europa mit Anerkennungsquoten von über 89 Prozent rechnen.“ Eine Aufhebung des Visumzwangs für diese Länder hält Hess für „das Gebot der Stunde.“

Nach Ansicht der Professorin und ihrem Forschungsverbund „Labor für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung“ sei die Katastrophe im Mittelmeer vorhersehbar gewesen. Ende 2014 habe die italienische Regierung die Seenotrettungsaktion Mare Nostrum eingestellt, die sie als Reaktion auf das Schiffsunglück vor Lampedusa im Oktober 2013 als einziger Mittelmeerstaat gestartet hatte. „Nachdem jedoch weder die Europäische Union noch andere Mitgliedsländer Italien finanziell unter die Arme greifen wollten, sah sich die italienische Regierung genötigt, ihre Rettungsschiffe wieder in die Häfen zurückzuholen“, so Hess. Abgelöst worden sei Mare Nostrum durch die Grenzschutzagentur Frontex, „die dezidiert von sich wies, für Seenotrettung zuständig zu sein“. Hess fordert ein Ende der Kriminalisierung von privaten Booten und Frachtschiffen, die in Seenot geratenen Flüchtlingsschiffen ihre Unterstützung anbieten. „Es ist zynisch, Bürgerkriegsflüchtlinge erst in die Hände von Schleppern zu treiben und sie damit auf unsichere Einwanderungswege zu leiten, und anschließend denen, die nicht ertrunken sind, Schutzwürdigkeit auszustellen“, sagt Hess. be

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