Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Milde Freiheitsstrafen im Chicksexing-Prozess

Anklage schrumpft auf 59 Fälle zusammen Milde Freiheitsstrafen im Chicksexing-Prozess

Mit milden Bewährungsstrafen endete am Freitag der so genannte Chicksexing-Prozess vor dem Landgericht Göttingen.

Voriger Artikel
Rosdorfer Jugendliche erarbeiten sich Theaterstück
Nächster Artikel
Tageblatt-Wochenendkolumne von Markus Scharf

Mit milden Bewährungsstrafen endete am Freitag der so genannte Chicksexing-Prozess vor dem Landgericht Göttingen.

Quelle: dpa

Göttingen. Zehn Jahre nach Beginn der Ermittlungen, zweieinhalb Jahre nach Eröffnung der Hauptverhandlung und am 86. Prozesstag wurden der 53 Jahre alte faktische Geschäftsführer einer Vermittungsagentur für die Bestimmung des Geschlechts von Eintagsküken wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelt durch Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Sein 58 Jahre alter Bruder wurde wegen Beihilfe zu 14 Monaten verurteilt. Die Strafen beider Männer gelten wegen langer Verfahrensdauer teilweise bereits als verbüßt. Und sie wurden jeweils zur Bewährung ausgesetzt.  

Dabei sprach das Gericht beide Männer im überwiegenden Teil der Anklagepunkte frei, weil sie in diesen Fällen gar nicht Arbeitgeber gewesen seien. Lediglich in 59 Fällen, in denen eine Gruppe asiatischer Spezialisten für das so genannte Chicksexing direkt für die Firma der beiden aus dem Raum Uslar stammenden Männer gearbeitet hatten, kam es zur Verurteilung.

Angeklagt war der 53-Jährige, der trotz formaler Geschäftsführerschaft seiner Mutter vom Gericht als verantwortlich angesehen wurde, weil er über Jahre (1999 bis 2005) keine Sozialabgaben abgeführt hatte. Auf mehr als fünf Millionen Euro summierte sich der vorgeworfene Schaden.

Überwiegend Freispruch

Im Kern ging es um die zuvor nie geklärte Frage, ob die ausschließlich aus Asien einreisenden und zum Kükensortieren eingesetzten Gruppen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer oder Selbstständige waren. Ursprünglich hatte es offenbar eine Abmachung des Firmengründers, Vater der Angeklagten, gegeben, dass dieser zwar Lohnsteuer abführt, dass das aber nicht bedeute, die Asiaten seien keine Selbstständigen.

In der Gesamtschau, so Richter Gerhard von Hugo in der  Begründung, sei die Kammer aber zu der Überzeugung gelangt, die Sortierer seien Arbeitnehmer gewesen. Die Angeklagten mögen sich in dieser Einschätzung zwar geirrt (Verbotsirrtum) haben, dieser Irrtum sei aber vermeidbar gewesen, wenn sich die Angeklagten mit den Sozialversicherungsträgern ins Benehmen gesetzt hätten.

Dennoch gab es überwiegend Freispruch, denn nur in 59 Fällen war nach Überzeugung der Kammer die Firma der Angeklagten Arbeitgeber. In den anderen waren es jeweils deren selbstständige Gruppenleiter. Auch sei erst ab dem Jahr 2000 nachweisbar, dass der 53-Jährige faktisch Geschäftsführer war.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Langzeitprozess
Männlich oder weiblich: Chicksexer sortieren Küken. Die Frage, ob selbstständig oder als Arbeitgeber, soll vor dem Göttinger Landgericht geklärt werden.

Es geht um Millionen, nicht Küken, sondern Euro. Die Küken sind eher in Milliarden zu zählen. Mit der Arbeit jener, die über Leben und Tod bestimmen und im zarten Alter von einem Tag frisch geschlüpfte Hühnchen und Hähnchen voneinander trennen, beschäftigt sich die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen seit genau einem Jahr.

mehr
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung