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Milli – die Reitkuh aus Niedeck

Zwei Freundinnen trainieren Kühe Milli – die Reitkuh aus Niedeck

Es gibt nur wenige in Deutschland, die eine Kuh reiten. Rosina Espig aus dem kleinen Sackgassendorf Niedeck in der Gemeinde Gleichen hat ihre schwarze, kräftige Kuh Milli mit viel Geduld und Training daran gewöhnt.

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Kuhreiterinnen: Rosina Espig (rechts) mit Milli und Anna-Raffina von Gilsa mit Molli.

Quelle: Schubert

Niedeck. Mindestens dreimal in der Woche reiten sie rund um ihr Dorf aus. Fast immer dabei: Freundin Anna-Raffina von Gilsa und Molli, die noch eine Reitkuh werden soll.

 
Wenn Espig mit der Zunge schnalzt und dabei mit ihren Schenkeln ein wenig an den Reitgurt klopft, weiß Milli, was sie tun soll. Während sie noch genüsslich auf einem Grasbüschel kaut, trottet sie mit ihrem wuchtigen Körper ganz entspannt los – und Espig schaukelt auf ihrem breiten Rücken ordentlich mit. „Das wackelt mehr als auf einem Pferd“, sagt die 18-jährige Auszubildende lachend, „aber es ist viel bequemer auf Millis breitem Rücken“. Überhaupt „sind Kühe viel ruhiger und sanftmütiger“ als Pferde.

 
Dafür kann Milli manchmal „ganz schön stur sein“. Dann will sie nicht und kaut lieber auf ihrem Gras. „Dann muss man geduldig sein und warten“, sagt Espig. Die angehende Erzieherin mit Ziel Heilpädagogik redet sehr viel mit Milli. Das hat sie schon während der langen Trainingszeit getan, bis sie das erste Mal auf der Kuh gesessen hat.

 

Foto: Pförtner

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Kennengelernt hat Espig Kuh Milli an deren Geburtstag während eines Praktikums auf dem Bauernhof. Mehrere Wochen hat sie sich um das Kalb gekümmert. Daraus ist eine so enge Beziehung entstanden, dass Milli ihren großen Kopf immer wieder sanft an ihrer Trainerin reibt – und dafür ein Stück Möhre bekommt. Es „hat schon gedauert“, bis sie sich an die (Sitz-)Decke, den Reitgurt und Espigs Kommandos gewöhnt hat. „Irgendwann habe ich mich dann drauf gesetzt und gewartet, bis sie losgegangen ist.“

 
Die Idee, Kühe zu reiten, hatte Espig mit ihrer Freundin Anna  schon mit etwa zehn Jahren „beim Rollenspiel als Elfen auf weißen Stieren“. Und die Idee blieb auch nach acht Jahre Reitunterricht und Praxis auf Pferden erhalten, bis vor gut drei Jahren Milli kam. Mit dem Training wuchs auch Espigs Erfahrung. Von einer Kuhreiterin in einem Nachbardorf und über das Internet holt sie sich Tipps. Inzwischen trainieren Espig und ihre Freundin regelmäßig mit Milli und der jüngeren braunen Kuh Molli – beide eine Kreuzung aus der Fleischrasse Angus und schwarz-buntem Milchvieh. Molli trägt schon Decke und Gurt, geritten wird sie aber noch nicht.

 
Für Espig ist das Training mit der Kuh längst mehr als ein Spaß „mit diesen schlauen und tollen“ Tieren. Sie will auch die allgemeine Wertschätzung von Kühen steigern, sagt sie, und ihre „ungerechte Herabstufung gegenüber Pferden“ korrigieren.

 

Ferienfreizeit
Wer Milli und Molli live erleben möchte und zwischen 7 und 12 Jahre alt ist, kann sich zu einer Ferienfreizeit in der letzten Juli-Woche auf dem Hof Espig anmelden: Telefon 0 55 08 / 14 00 oder im Internet unter kvhs-snds.de, Stichwort Niedeck. Geritten wird Milli aber nur von ihrer Trainerin.
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