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"Misch Dich nicht ein, sonst steche ich Dich ab!"

Aus dem Amtsgericht "Misch Dich nicht ein, sonst steche ich Dich ab!"

Wer ist Opfer, wer ist Täter? Bei Schlägereien mit mehreren Beteiligten ist das nicht immer so leicht festzustellen.

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Göttingen. Jetzt saßen fünf junge Männer auf der Anklagebank, die sich als Opfer eines aggressiven Messerstechers fühlten, denen aber gemeinschaftliche Körperverletzung vorgeworfen wurde. Am Ende wurde die Anklage gegen sie eingestellt.

Die fünf Angeklagten zwischen 25 und 27 Jahren schweigen. Ihre Anwälte sollen es richten. Sie sind angeklagt, am 14. Dezember 2013 einen 26 Jahre alten Mann aus Hannover vor dem Lokal Sausalitos in Göttingen böse zusammengeschlagen und -getreten zu haben.

Das (laut Anklage) Opfer habe dabei am Boden liegend ein Klappmesser gezückt und einen der Angreifer am Bein verletzt. Mit Schädelprellung, Abschürfungen und Blutergüssen war der 26-Jährige nach diesem Abend drei Wochen lang krank und beklagt sich über eine Narbe, die er davongetragen habe.

Ursprünglich hatte die Polizei gegen ihn ermittelt - er, der vermeintliche Messerstecher. Dann hatte sich seine Freundin, um die es an jenem Abend ging, besonnen, ihn zu schützen und die anderen zu belastet. Jene Freunde also, die sie laut eigener Aussage an jenem Abend vor ihrem eifersüchtigen Freund hatten schützen wollen.

Der 26-Jährige war nämlich eigens aus Hannover angereist, um zu vereiteln, dass seine Freundin sich im Sausalitos mit anderen trifft. Ja, sagt er als Zeuge, es habe Streit gegeben. Er habe sie "am Arm genommen", um sie beiseite zu nehmen und mit ihr zu reden.

Als ihn die Verteidiger in die Mangel nehmen, entsteht schnell ein anderes Bild. Das "Am-Arm-nehmen" sah wohl aggressiv aus. Es hatte einen der Angeklagten dazu veranlasst, per Handy seine Freunde zu rufen. Es braue sich da was zusammen. Der 26-Jährige muss nach und nach zugeben, dass er beleidigt habe, als sich die Göttinger Freunde der jungen Frau beschwichtigend einmischten. "Lasst mich  in Ruhe, ich habe ein Messer", behauptet er, habe er gesagt.

Auf Drängen der Anwälte muss er dann noch diesen Wortlaut einräumen: "Misch Dich nicht ein, sonst steche ich Dich ab!"  Einer der Angeklagten habe darauf aber zuerst geschlagen, gleich mit der Faust ins Gesicht. Und als er dann von allen fünf Männern verprügelt worden sei, sei "im Gefecht das Messer in sein Bein gekommen".

Als neutrale Zeugin hätte die Freundin Licht ins Dunkel bringen können. Die aber hatte bei der Polizei mal die eine, mal die andere Seite belastet. Vor Gericht schweigt sie jetzt lieber, um sich nicht zu belasten. Darauf stellt die Strafrichterin das Verfahren gegen alle fünf Angeklagten ein.

Nur einer von ihnen, der, der den ersten Faustschlag gesetzt haben soll, muss 400 Euro Geldauflage zahlen. Denn er habe sich möglicherweise, so die Richterin, falsch entschieden, als er in vermeintlicher Nothilfe "zu fulminant" eingegriffen habe. Die Kosten des Strafverfahrens zahlt die Landeskasse.

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