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Mistel bedroht Göttinger Bäume

Experte warnt vor Ausbreitung Mistel bedroht Göttinger Bäume

Die Mistel wird in Göttingen zunehmend zum Problem. Das sagt Hermann Spellmann, Leiter der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. „Die Mistel breitet sich immer weiter aus. Immer mehr Solitärbäume sterben deswegen ab.“ Spellmann fordert daher, den Halbschmarotzer häufiger zu beschneiden. Die Stadtverwaltung sieht das allerdings anders.

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In vielen Göttinger Bäumen hat sich die Mistel eingenistet.

Göttingen. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Göttingen könne die Beobachtungen Spellmanns jedenfalls nicht bestätigen, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Die Mistel sei vielmehr „Teil der städtischen Biodiversität. Eine eventuelle  Zunahme dieser Art ist ein stadtökologisch interessanter Vorgang und bedingt noch keine Erfordernis, einzugreifen“ –  auch wenn bei der regelmäßigen Kronenpflege der Bäume die Mistel ausgeschnitten werde. Nach Einschätzung der Fachverwaltungen hätten Bäume in der Stadt Göttingen ganz andere Probleme als den Mistelbefall, erklärt Johannson. „Da stehen beengte Wuchsräume, die Folgen von Streusalz im Winter oder von Wassermangel im Sommer doch ganz vorne an.“

Dabei seien bereits viele Bäume in Göttingen von der Mistel befallen, sagt Spellmann. Als Negativbeispiele nennt der Experte zum Beispiel den Bereich vor der Anatomie am Kreuzberging. „Dort sitzen alle Bäume voll“, sagt Spellmann. „Ganz schlimm“ sei es am Bahnhof. Dort stünden zahlreiche Ahorne, die mittlerweile dermaßen voller Misteln hingen, dass sie sich nicht entwickeln könnten. „Extrem“ trete der Mistel-Befall auch an Pappeln und Ahornen am Kiessee und entlang der Leine auf.

Die Folgen seien gravierend, sagt Spellmann. „Denn bei einer hohen Misteldichte sterben die Bäume ab.“ Besonders bedroht seien auch Linden im Bereich Kreuzbergring, Waldweg und von-Sieboldt-Straße. Viele Bäume in Göttingen hätten aus diesem Grund schon gefällt werden müssen, zum Beispiel Spitzahorn entlang der Herzberger Landstraße in Richtung Herberhausen und Linden am Hagenweg. Werde die Mistel nicht häufiger beschnitten, würden immer mehr Bäume in Göttingen absterben. Bäume, denen in Zeiten des Klimawandels eine große Bedeutung zukomme.

Immergrüner Halbschmarotzer

Die weißbeerige Mistel (Viscum album) ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der auf Laubbäumen gedeiht, darunter vor allem weiche Hölzer wie Obstbäume, Pappeln, Weiden, Ahorn oder Linde.  Sie steht nicht unter Naturschutz. Die Mistel entzieht dem Baum Wasser und Mineralstoffe. Vögel sorgen durch Verzehr und Ausscheidung der weißen Früchte für die Vermehrung der Mistel. Die Misteldrossel hat daher ihren Namen.

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