Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Mit 20 Meter langem Holzfloß auf der Weser

Thema des Tages Mit 20 Meter langem Holzfloß auf der Weser

Das Interesse am Projekt Weserfloßfahrt 2016 ist riesig. Nicht nur an etlichen Medienanfragen habe man gemerkt, „dass das Thema auf fruchtbaren Boden fällt“, sagt Hermann-Josef Rapp von den Weserflößern Reinhardshagen, die Anfang September ein Holzfloß bauen und damit bis nach Minden fahren wollen.

Voriger Artikel
Das ist am Wochenende in und um Göttingen los
Nächster Artikel
"Gefängnis war schon ein Schlag ins Genick"

Auch 2016 wird auf der Weser ein Floß gebaut. Das kleine Foto zeigt einen Teil der Weserflößer im Jahr 2009.Weserflösser Reinhardshagen

Quelle: Weserflösser Reinhardshagen

Reinhardshagen. Nach zwei Floßfahrten in den Jahren 2008 und 2009 steht nun eine weitere bevor. Initiatoren sind die Weserflößer Reinhardshagen, Anlass für das Projekt Weserfloß 2016 die 1150-Jahr-Feier des Reinhardshagener Ortsteils Vaake. Auch die Ende 2014 erfolgte Aufnahme der Flößerei in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes spornte die Mitglieder der Weserflößer an. „Wir merken, dass die Leute das unheimlich packt“, berichtet Rapp, mit 72 Jahren der älteste der Hobbyflößer. 18 Mitglieder hat der Verein derzeit, der jüngste sei Anfang 20, sagt Rapp. „Wir sind eine bunte Mischung an Leuten“, die sich für „Bodenständigkeit“ und die Region einsetzen wollten und es reizvoll fänden, „etwas zu bewegen“.
Und so werden die Männer von Donnerstag, 1., bis Sonnabend, 3. September, am Vaaker Weserufer ein Floß „in den historischen Ausmaßen“ bauen. „Das ist eine anspruchsvolle handwerkliche Arbeit“, sagt Rapp, und nicht ungefährlich, wenn die Stämme einzeln ins Wasser gerollt werden. Nach Angaben Rapps werden vier Mann an den drei Tagen das Floß bauen. Bereits nach Anlieferung wurde das Holz von Hand geschält, denn die Stämme müssen getrocknet sein, damit sie nicht so schwer sind. Sie werden beim Bau des Floßes ihr Gewicht von etwa 100 Tonnen auf gut 65 Tonnen reduziert haben, sagt Rapp. Dadurch lasse sich das Holz umso besser flößen.
Fast 70 Fichtenstämme von etwa 20 Metern Länge, die Hälfte davon aus dem Solling, werden für den Floßbau verwendet. So werde das Weserfloß 2016 die klassische Kapazität von rund 100 Festmetern haben, erklärt Rapp. Nach der Floßfahrt sollen die Stämme im Raum Minden in ein Sägewerk gehen. Rapp: „Es ist also keine Verschwendung, sondern eine hocheffiziente Transporttechnik ohne Energieeinsatz.“

Sieben Flößer am Steuer

Das Floß soll rund 40 Meter lang und sieben Meter breit werden. Gesteuert wird es ab dem 4. September von sechs bis sieben Weserflößern „durch die beiden Ruder vorn, die Schnepper und den Kuhlbaum hinten“, erklärt Rapp. Stäbe oder Stangen mit Grundberührung würden nicht eingesetzt.
„Beweglich, zupackend und teamfähig“ seien die Voraussetzungen, die ein Flößer mitbringen müsse, zählt Rapp auf. Und sie werden auf das Kommando von Floßführer Thomas Hiddersen hören. Hiddersen habe aufgrund seiner Tätigkeit beim Wasser- und Schifffahrtsamt nicht nur das „Feeling für die Weser“, so Rapp, sondern verfüge auch über das erforderliche Schifferpatent als Floßführer.
Die sechstägige Weserfloßfahrt von Vaake bis nach Minden erfolgt bei einer Fließgeschwindigkeit von etwa fünf Kilometern pro Stunde in zehn Etappen und steht unter dem Motto „Regional ist nicht egal“. Die Weserflößer werden von Sponsoren unterstützt. Auch bei Behörden  und Kommunen sei man mit der Idee auf offene Türen gestoßen.

Routen und Termine

Donnerstag, 1. September: ab 8 Uhr: Einlassen der ersten und zweiten Lage Stämme in Vaake.
Freitag, 2. September: ab 8 Uhr: Aufbau der dritten und vierten Lage Stämme.
Sonnabend, 3. September: ab 8 Uhr: Bauen der Ruder (Kuhlbaum und Schnepper) und der Deckaufbauten sowie Abnahme des Floßes durch den Sachverständigen.
Sonntag, 4. September: 10 bis 14 Uhr: Fahrt von Vaake bis Gieselwerder und von 15 bis 18 Uhr von Gieselwerder bis Bodenfelde (Tagesetappe 26 km).
Montag, 5. September: 7 bis 11 Uhr: Fahrt von Bodenfelde nach Bad Karlshafen und von 12 bis 18 Uhr von Bad Karlshafen nach Höxter (37 km).

Dienstag, 6. September: von 7 bis 18 Uhr: Fahrt von Höxter nach Bodenwerder  (45 km).
Mittwoch, 7. September : 7 bis 13 Uhr: Fahrt von Bodenwerder bis Hameln und von 14 bis 18 Uhr von Hameln nach Großenwieden/Hessisch Oldendorf (40 km).
Donnerstag, 8. September: von 10 bis 14 Uhr: Fahrt von Großenwieden/Hessisch Oldendorf nach Rinteln (16 km).
Freitag, 9. September: von 6 bis 12 Uhr: Fahrt von Rinteln nach Bad Oeynhausen und von 16 bis 19 Uhr weiter nach Minden (40 km).
Sonnabend, 10. September: ab 10 Uhr: Floßbesichtigung an der Schlagde Fischerstadt Minden.
Sonntag, 11. September: ab 10 Uhr: Beginn des Abbaus.
Montag, 12. September: Abbau des Floßes im Getreidehafen und Rückkehr. Weitere Informationen: http://www.weserfloesser.de/

Geschichte der Flößerei

Bis 1964 wurde auf der Weser die Flößerei noch kommerziell betrieben. Das Holz wurde zu Sägewerken im Norden geflößt.

Bis 1964 wurde auf der Weser die Flößerei noch kommerziell betrieben. Das Holz wurde zu Sägewerken im Norden geflößt.

Quelle: r

Einst gingen „ganze Wälder auf Reisen“, wissen die Mitglieder der Weserflößer Reinhardshagen. Holz auf Flüssen zu transportieren gilt als sehr altes Gewerbe. Von 1342 stammt eine Urkunde aus dem Stadtarchiv Heilbronn, das als ältestes Zeugnis der Flößerei in Deutschland gilt. Tannen und Fichten gelangten zum Beispiel auf diese Weise vom Schwarzwald in die Niederlande. Und auch im Solling reicht die Geschichte der Flößerei weit zurück, wie die Niedersächsischen Landesforsten berichten. Zwei Floßteiche erinnern noch heute daran. Es handelt sich um den im Jahr 1680 erbauten Lakenteich zwischen Uslar und Dassel und den Neuen Teich, der 1737 angelegt wurde. Wie Michael Rudolph, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, ausführt, wurde „das Holz nach Öffnung der Teichschotten auf einer Wasserwelle zunächst im Februar von den beiden Floßteichen über die Ilme bis Relliehausen transportiert. Im April führte der Wasserweg von dort bis zur Leine.“ Die Leine und die Weser hätten dann im Sommer das Fichtenholz aus dem Solling nach Norden gebracht. Etwa 100 Jahre lang wurde die Flößerei im Solling ausgeübt, so Rudolph weiter, „bis sie der Forstmann Christian von Seebach abschaffte, um Raubbau zu verhindern“. Die Floßfahrten galten früher als „wilder Husarenritt“ oder als „Höllenritt der Holzknechte“.
Hann. Münden dominierte seinerzeit nicht nur die Schifffahrt sondern auch die Flößerei, erfährt man bei den geschichtlichen Abrissen der Weserflößer Reinhardshagen. Dank des Stapelrechts und der Felsbarre in der Werra hatte die Stadt Zugriff auf das Floßholz aus Thüringen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlangten Orte wie Oedelsheim einen größeren Anteil am Holztransport auf der Weser, nach 1800 stiegen auch die Flößer aus Gimte ein und erreichten eine fast beherrschende Stellung beim Holzhandel auf dem Fluss. 1861 arbeiteten fast alle männlichen Bewohner des Dorfes in diesem Gewerbe, heißt es weiter. Sägewerke und andere Betriebe der Holzbranche im Bereich Minden und Bremen waren die meisten Ziele der Weserflößerei. Das letzte kommerzielle Weserfloß trieb 1964 flussabwärts, wobei die Weser als letzter deutscher Strom, auf dem noch geflößt wurde, gilt.

Die Weserflößer von Reinhardshagen

„Treibgut 1“ lautete der Name des ersten für eine Vatertagstour gebauten Kleinfloßes, mit dem sich einige Männer aus Reinhardshagen 1990 erstmals aufs Wasser wagten – damals noch als Freundeskreis unter dem Namen Himmelfahrtsflößer. Aus der ersten Floßfahrt wurde eine Leidenschaft, aus den Himmelfahrtsflößern der Anfang 2016 gegründete Verein Weserflößer Reinhardshagen. Bereits das Floß „Treibgut 3“ entsprach den Anforderungen der Wasser- und Schifffahrtsdirektion.
Über Kontakte zu Flößergruppen im In- und Ausland und die Teilnahme an Flößertreffen entdeckten die Weserflößer die Holzflößerei für sich. Mehreren kleineren Floßbauaktionen und der Mitwirkung an dem Fernsehfilm „Willis letzte Floßfahrt“, der schon mehrfach gesendet wurde, folgte das bis dahin größte Projekt im Sommer 2008, als  ein etwa 40 Meter langes und etwa 100 Tonnen schweres Floß von Reinhardshagen auf die zweiwöchige Reise ging – 360 Kilometer flussabwärts bis Bremen. Auch 2009 bauten die Weserflößer ein ähnlich großes Floß, mit dem es in vier Tagen bis nach Minden ging. Beide Fahrten stießen auf große Resonanz bei Bevölkerung und Medien. Der zum Hessentag 2013 in Kassel geplante Floßbau wurde gestoppt, da die Kasseler Stadtschleuse gesperrt war. Vereinszweck ist „die Aufarbeitung und Bewahrung des Flößerhandwerks“. Ebenso die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten im In- und Ausland.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis