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Mit 3 Promille 3 Stunden durch Preußen

Göttingen Mit 3 Promille 3 Stunden durch Preußen

Es ist wieder Karneval. An seine letzte Fastnacht wurde jetzt ein 30 Jahre alter Mann aus dem Raum Potsdam erinnert: Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Straßenverkehrsgefährdung zu 3200 Euro und nimmt ihm für weitere zehn Monate den Führerschein weg. Er hat nach einer Feier mit 3 Promille einen Unfall gebaut.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Göttinger Autobahnpolizei erinnert sich an den Maschinenbauingenier lebhaft. Einer der interessantesten Kunden. Der 30-jährige Doktorand wurde am 18. Januar um 5 Uhr morgens in Höhe Bovenden neben seinem schrottreifen BMW angetroffen. Das Auto war an der Beton-Mittelschutzmauer zerschellt. Im BMW leere Bierflaschen. Auf der Wache in Mengershausen wurde der Fahrer redselig. Den Polizisten, die er für "einen Wachdienst in Uniform" hielt, erklärte er, dass sie gar keine Rechte hätten. Er schwadronierte von seinen Vorträgen als Professor, drohte den Beamten, er sei Ringer, und ließ sich über die neuen Bundesländer als "polnisch besetzte Zone" aus. Letzteres wäre zu verstehen gewesen, wenn man gewusst hätte, dass der Mann eine Nähe zum wiederauferstandenen Freistaat Preußen hat. Dessen "Bürger" glauben, Preußen sei völkerrechtlich nie untergegangen.

 

Durch eben dieses Preußen, das von Potsdam bis zum mutmaßlichen Ziel Dortmund reicht, war er nach Überzeugung des Gerichts in jener Nacht mit seinem Auto und mindestens drei Promille gefahren. Nach drei Stunden endete die Tour bei Bovenden am Beton.

 

Wie das passieren konnte, weiß er nicht. Er wisse auch gar nicht, ob er gefahren sei. Er habe einen Filmriss. Da könne nur ein anderer, der sich verdrückt hat, das Auto gefahren sein, erklärt der Verteidiger.

 

Wie er zu den amtlich festgestellten 3,09 Promille Mindestalkoholgehalt zur Unfallzeit gekommen ist, erklärt der Angeklagte so: Am Vortag sei er im Nachbardorf seit dem frühen Morgen beim "Fastnachten" gewesen. Man habe beim "Zempern", dem sorbischen Zehnt-Abholen, in jedem Haus einen "kleinen Feigling" oder andere Schnäpse getrunken. Dazu Bier. Vor Beginn des Kindertanzes gegen 16 Uhr setzte die Erinnerung aus. Wie er nach Bovenden gekommen sei, wisse er nicht. Seine Arbeitsstelle ist in Dortmund.

 

Angeklagt ist nicht nur die Trunkenheitsfahrt. Über die Beleidigungen gegen Polizisten ("Wichser", "Fettklops") hörten diese noch hinweg. Dass sie aber mit vier Mann unter Zwang die Blutprobe durchsetzen mussten und dabei Nervendrucktechnik nötig war, gilt als Widerstand. Die Ärztin, die zwei Proben nahm, um Nachtrunk nach dem Unfall rechnerisch ausschließen zu können, bescheinigte dem Mann Stimmungsschwankungen, aber durchaus Orientierung. Das wort "Aorteninsuffizienz" habe er fehlerfrei ausgesprochen. Für den Rechtsmediziner eines der Zeichen, dass die Orientierung nicht aufgehoben war. Aus den Blutwerten (2,55 und 2,49 Promille) errechnete er, dass es zur Unfallzeit mehr als drei Promille gewesen sein müssen - und das nach drei Stunden Autofahrt durch den Freistaat Preußen. Das sei "hochgefährlich" gewesen, urteilt Amtsrichter Ehsan Kangarani. Er glaubt nicht an den Filmriss über 13 Stunden. Der Rechtsmediziner hält allenfalls kurzfristige Erinnerungslücken für glaubhaft. Vergeblich verlangt der Verteidiger einen Feispruch, weil "niemand meinen Mandanten am Steuer gesehen" habe. Das hält der Richter für "hanebüchen". Und dass der 30-Jährige damals gerade erst zu Führerscheinentzug wegen einer anderen Alkoholfahrt verurteilt worden war - aber noch nicht rechtskräftig -, komme erschwerend hinzu. Deshalb ging das Gericht mit 80 Tagessätzen zu je 40 Euro noch über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus.

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