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Mit Didgeridoo, Saxophon und Bass am Nabel

Straßenmusiker Mit Didgeridoo, Saxophon und Bass am Nabel

Sie sorgen für das besondere Flair einer jeden Fußgängerzone: Straßenmusiker und -künstler. Sie mindern mit ihren Liedern die Hektik der durch die Innenstadt hetzenden Passanten, sorgen mit beschwingten Melodien für gute Laune und laden ein zum Verschnaufen.

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„Wir leben von der Straße“: Die Petro Band spielt häufig in Göttingen, hier am sogenannten Nabel im Zentrum der Fußgängerzone.

Quelle: Piltz

Kurzum, sie sind die Seele der Fußgängerzonen und großen Plätze. Vor allem am Wochenende, wenn dazu noch die Sonne scheint, sind in der Göttinger Fußgängerzone viele Straßenkünstler zu beobachten.

Bodhi Amol spielt seit 1997 auf seinem Didgeridoo in der Göttinger Innenstadt. Seinen bürgerlichen Namen will er nicht nennen, Bodhi Amol sei sein spiritueller Name – unter dem würden ihn die meisten kennen. Fast jeden Sonnabend spielt er auf dem traditionellen Instrument der Aborigines in Göttingen.

Amol sitzt im Schneidersitz vor einem Modekaufhaus. Kurze Hose, die langen Haare zu einem Zopf zurückgezogen, seine Latschen liegen neben ihm. Wenn er einmal anfängt, über sein Instrument und die Kniffe und Tricks beim Spielen zu sprechen, sprudeln die Wörter nur so aus ihm heraus. Er berichtet von seiner Begeisterung für das Didgeridoo: „Es ist atemberaubend, visionär.“ Der 47-Jährige erzählt von der richtigen Atemtechnik, von den Lippenbewegungen, mit denen die Tonhöhe nur begrenzt zu verändern ist. Und wie er früher auf einem Plastikrohr spielte, da dies einen ähnlichen Ton erzeugt wie ein Didgeridoo aus Holz. Für Amol ist die Musik ein Nebenerwerb, auf den er nicht unbedingt angewiesen sei, wie er sagt.

Anders sieht das bei den fünf Musikern der Petro Band aus. Sie spielen regelmäßig in der Göttinger Fußgängerzone. „Wir leben von der Straße“, berichtet einer der Musiker. Ihre Namen möchten sie nicht nennen. Die Musiker kommen aus Rumänien. Hier in Deutschland würden sie keine finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, sagen sie. Sie spielen in mehreren Städten, die ganze Woche lang, seit 18 Jahren.

Das Repertoire reicht von französischer, deutscher und italienischer bis hin zu russischer Straßenmusik.
„Es ist ganz hart“, erzählt einer der Musiker. „Egal ob Regen, Schnee, ob es nass ist oder kalt. Da arbeiten wir manchmal viele Stunden und bekommen nur wenig Geld.“ Dazu kommt noch „die viele Konkurrenz“. Um über die Runden zu kommen, sind die Fünf offensiver als manch andere Straßenmusiker. Sie stehen vor Cafés, spielen einige Minuten und gehen dann mit dem Klingelbeutel von Tisch zu Tisch. So ist der Ertrag größer.
Nur wenige Meter von dem Platz, an dem sich die Petro Band gerade positioniert hat, steht Ralf Hötger mit seinem Saxophon. Er spielt zum ersten Mal in der Göttinger Fußgängerzone. Schon von weitem ist die Melodie von Pink Panther zu hören. Einige Leute sind stehen geblieben, hören dem Saxophonisten zu und applaudieren, als er nach dem Lied das Instrument absetzt und eine kurze Pause macht.

Hötger ist auf dem Weg von Paderborn nach Weimar und hat in Göttingen einen Zwischenstopp eingelegt. „Ich bin immer viel unterwegs, in allen europäischen Ländern,“ erzählt er. Für ihn ist die Musik sein Lebensinhalt: Hötger gibt Musikunterricht, spielt in Bands auf Polterabenden und in kleinen Kneipen oder als Solist in Fußgängerzonen überall in Deutschland. Auch für ihn ist die Musik existenziell: „Ich lebe davon.“

Als eine Frau stehen bleibt, einige Münzen in seine Tasche wirft und sich ein Lied wünscht („irgendeins“), freut er sich. Hötger überlegt kurz und spielt dann einen fetzigen Jazzsong. Mit einem Lächeln geht die Frau weiter.
Hötger möchte noch ein paar Tage in Göttingen bleiben, sich die Stadt anschauen, Musik machen. Dann geht es für ihn weiter nach Weimar.

  Regelkunde für Strassenmusiker
  Für Straßenmusiker gelten in der Göttinger Innenstadt einige „goldene Regeln“, wie Stadt-Sprecher Detlef Johannson erklärt: Es sollen möglichst keine Gruppen mit mehr als vier Personen auftreten und keine Verstärker genutzt werden. Dazu darf es keine gewerblichen Gruppen geben, die CDs verkaufen. Und die Musiker müssen ungefähr alle 20 Minuten ihren Platz wechseln. An Werktagen dürfen die Musiker zwischen 10 und 20 Uhr spielen, sonntags nach den Gottesdienstzeiten. „Wir können nicht nur darauf achten, dass die Fußgängerzone belebt ist, sondern auch, dass 8000-9000 Menschen in der Innenstadt leben und mehrere Tausend dort arbeiten“, sagt Johannson.

Von Christopher Piltz

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