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Mit Feuerzeug im Anschlag, Supermarkt überfallen

Aus dem Amtsgericht Mit Feuerzeug im Anschlag, Supermarkt überfallen

Die Frau sammelt Feuerzeuge. Sie habe "immer so ein schnukeliges Ding" bei sich. Diesmal war es ein Feuerzeug in Form eines Schießeisens. Damit hat sie im angetrunkenen Zustand einen Supermarkt überfallen und ist dafür zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Northeim. Es hätte auch eine Handgranate sein können, oder ein Schraubenschlüssel, selbst ein Feuerzeug in Form einer Kaffeemaschine besitzt sie."Die sind doch alle nicht echt, die erkennt man doch als Attrappe."  Das Pistolen-Feuerzeug jedoch hat die Kassiererin im Nettomarkt am Rande der Northeimer Innenstadt am 22. Januar kurz nach 20 Uhr für echt angesehen und den Alarmknopf gedrückt. Die Polizei war mit sämtlichen verfügbaren Zivil- und Streifenwagen zu dem bewaffneten Raubüberfall gefahren und hatte auch bald die 51 Jahre alte Täterin festgenommen.

Jetzt sitzt sie wie ein Häufchen Elend vor dem Schöffengericht und gesteht ihre auch für sie unbegreifliche Tat. Was sie sich dabei gedacht habe, fragt der Richter. "Ich weiß überhaupt nicht, ob ich in dem Moment noch gedacht habe."

Das ist nachvollziehbar: Gut ein halbes Jahr will die 51-Jährige nach einer Hüft-Operation keinen Alkohol angerührt haben. Am Tattag sei sie zum Geburtstag des Schwiegersohnes eingeladen gewesen. Auch dort habe sie noch nicht getrunken, danach zu Hause aber drei Flaschen Bier. Dann habe sie sich in Jogginghose und dicker Jacke vor dem Rathaus auf eine Bank gesetzt und drei weitere Dosen Bier geleert. 1,53 Promille ergab später die Blutprobe. Sie habe, weil sie gerade erst nach Northeim gezogen war, "Leute kennenlernen wollen". Schließlich habe sie im Netto-Markt noch Zigaretten und Gas fürs Feuerzeug kaufen wollen.

Warum sie vorher ihre Jacke auf links drehte, um dann bewaffnet gleich zur Kasse zu humpeln, kann sie nicht erklären. Als sie vor der Kassiererin stand, zückte sie das silberne Ding, bedrohte die Frau damit und forderte "Kasse auf, Geld her!" Das gehe gar nicht, wenn man vorher nichts einscannt, habe die Bedrohte gesagt und den Alarmknopf gedrückt. Das wurde der Räuberin auch klar. Sie hat schließlich selber mal als Kassiererin gearbeitet. Sie ergriff humpelnd die Flucht. Der erste Streifenwagen fuhr an ihr vorbei, weil die Beamten eine Dame dieses Alters, die unbewegt in den Rabatten steht, nicht für eine Räuberin hielten. Später wurde klar: Sie hatte dort die Tatwaffe versteckt.

Das alles gibt sie bei Gericht zu. Ein Motiv kann sie nicht nennen. Geldsorgen habe sie keine gehabt. Alkoholprobleme habe sie "eigentlich" auch nicht. Ihre Tochter sieht das ganz anders. Aber selbst die Polizistin, die sie festnahm, kann von alkoholbedingten Ausfallerscheinungen nicht berichten, nur von "Redseligkeit".

Dennoch ordnet das Gericht eine ambulante Entziehungskur an - als Auflage zur Bewährung. Die Frau kommt mit zehn Monaten Haft wegen eines minderschweren Falls, der im Versuch stecken blieb, davon. Nur die überfallene Kassiererin wird sich ärgern: Sie war als Zeugin einfach nicht gekommen, stand kurz davor, von der Polizei abgeholt zu werden. Zum Schluss verhängte das Gericht gegen sie 100 Euro Ordnungsstrafe.

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