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Mit „Gee“ und „Haw“ durch die verschneite Feldmark

Schlittenhunde-Training Mit „Gee“ und „Haw“ durch die verschneite Feldmark

Schlittenhunderennen zählen in Südniedersachsen nicht zu den Breitensportarten – hinreichend winterlich wird es hierzulande nur selten. In diesem Jahr aber hatten Horst Klank aus Riekenrode und sein Vierbeiner-Team ideale Trainingsbedingungen. Die Samojeden und ihr Hundeführer können übrigens auch für Schlittenhundekurse gebucht werden.

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Mit Hundekraft durch das verschneite Gelände: Horst Klank, stehend, und Helmut Kastner genießen die schnelle Fahrt.

Quelle: Vetter

Ein trüber Tag, das Thermometer weit unter null Grad, Schnee liegt in der Luft. Eine Gruppe von Menschen in dicken Winterjacken steht am qualmenden Lagerfeuer. Zwei schwarze Mischlinge toben bellend durch den Garten. Oberhalb der Wiese sind Holzgebäude zu sehen, ein Schuppen und große Zwinger, aus denen das Gebell vielstimmig erwidert wird. „Dann gehen wir mal hoch“, sagt Horst Klank, zweifacher Welt- und sechsfacher Europameister im Schlittenhunderennen, zu seinen Gästen. Der wichtigste davon ist Helmut Kastner. Ehefrau Ilona hat bei Klank einen zweistündigen Kursus gebucht, „als Weihnachtsgeschenk für meinen Mann“, erzählt die 47-Jährige. Der Beschenkte freut sich über den Schneefall der vergangenen Tage: „Ich habe schon gedacht, das läuft ohne Schlitten.“

Dass Kastner, selbst Halter von Schäferhunden und Vorsitzender des Hundesportvereins Kirchgandern, Tiererfahrung mitbringt, wird deutlich, als sich auf dem Platz vor den Hundezwingern die erste weiße Nase in seine Jackentasche bohrt. Nicht nur Schäferhunde, auch die eisbärenähnlichen Samojeden stehen auf die darin deponierten Leckerchen. Als erster darf Frodo die Gäste begrüßen, „der ist größer als die anderen, fast ein Schauhund“, beschreibt Klank die körperlichen Vorzüge seines ehemaligen Leithundes, dem er wie den übrigen vor dem Training Wasser mit Futterbeigabe serviert. Mischlingshund Gizmo, an dessen Zeugung ein Bordercollie beteiligt war, passt auf, dass Frodo und die anderen sich nicht mehrfach bedienen. Pirscht sich einer heran, knurrt der Schwarze nachdrücklich, die Weißen drehen ab. „Er hat die Herde im Griff“, kommentiert Anette Weihe, Klanks Lebensgefährtin und stolze Besitzerin des Hütehundes, dessen Führungskompetenzen.

Klank stellt Kastner das vierbeinige Team vor: die Leithunde Atze und Hilde sowie das junge Nachwuchstalent Rasmus, der sein Können gerade erst beim Rennen in Hasselfelde unter Beweis stellte. Dabei war Rasmus gar nicht als Leithund vorgesehen, sondern sein Bruder Bjarki. Der beschloss angesichts des Trubels beim Harzrennen spontan, zu streiken „und hat sich einfach hingelegt“, erzählt Klank. „Der Hund denkt zu viel nach“, deutet Weihe Bjarkis Verweigerung. Er habe dann Rasmus nach vorn geholt, erzählt Klank, „und er hat das für‘s erste Mal sehr gut gemacht“.

13 Samojeden besitzt der 52-Jährige. Seit er vor mehr als 30 Jahren das erste Tier dieser Rasse von einem Freund übernahm, ist er begeistert von den spitzartigen Vierbeinern. „Sie haben eine besondere Art, auf Menschen zuzugehen und sind ursprüngliche nordische Hunde“, sagt der Riekenroder. Über jeden seiner Vierbeiner gibt es etwas zu erzählen. Etwa über Carlo und Katinka, die Klank mit Vermittlung einer Nothilfe-Organisation zu sich holte. Die Vierbeiner lebten in Spanien auf der Straße. Von Klank aufgenommen, haben sie sich in Riekenrode gut eingelebt. Carlo erwies sich als begabter Schlittenhund, „der zieht richtig gut“. Katinkas Leidenschaft ist ebenfalls das schnelle Rennen – allerdings nicht im Geschirr. „Sie läuft nur mit.“

Wenn kein Schnee liegt, trainiert Klank seine Hunde mit einem Gefährt auf Rollen. Der Jagdtrieb treibt die Schlittenhunde an. Und wenn sie erst einmal laufen, sind sie nur schwer zu stoppen. „Das dauert schon mal fünf Kilometer, bis sie nach dem Kommando ,steh‘ auch zum Stehen kommen“, scherzt Klank und demonstriert Kastner, wie der Hundeführer oder Musher mit der Fußbremse den Bremsweg verkürzen kann. Denn auch der Kunde soll den Schlitten lenken, der dank Schneefalls zum Einsatz kommt. „Das funktioniert mit Gewichtsverlagerung“, erklärt Klank. Unterstützend wirken die Kommandos „Gee“ für rechts und „Haw“ für links.

Unter Gekläffe werden acht der Samojeden mittels Brustgurten angespannt. Der Tobogan, ein aus Lappland stammender Hundeschlitten, ist über ein Seil mit einem Baum verbunden, „sonst fahren sie ohne uns, bevor wir aufgestiegen sind.“ Und dann geht‘s auch schon los. Kastner sitzt im Schlitten vor Klank, der den ersten Teil der Fahrt als Lenker bestreitet. Die Hundemeute läuft los. Binnen weniger Sekunden sind Schlitten, Menschen und Tiere hinter der verschneiten Feldkuppe verschwunden.

Samojeden: Hunde Aus Sibirien

Samojeden sind eine Hunderasse, die im Westen Sibiriens von einem Volk gezüchtet wurden, nach dem sie später benannt wurden. Erste Tiere kamen Ende des 19. Jahrhunderts nach England. In ihrer Heimat wurden sie vielseitig eingesetzt: als Arbeits- und Schlittenhunde, Hüte- und Wachhunde. Traditionell lebten sie in enger Gemeinschaft mit ihrer Familie. Ihr Wesen wird laut Rassestandards als freundlich, aufgeschlossen und lebhaft beschrieben. Scheu oder aggressiv sollte ein Vertreter dieser Rasse nicht sein. Als charakteristisch gilt das „Lächeln“: Der freundliche Gesichtsausdruck entsteht durch die Augenform in Kombination mit einem Aufwärtsschwung der Lefzenwinkel.

Von Katharina Klocke

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