Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Mit Göttinger Freifunk-Netz ins Internet

Feuerhake: „Keine Angst vor Abmahnungen“ Mit Göttinger Freifunk-Netz ins Internet

Das Netz wächst: Aktuell sind im Göttinger Freifunk-Netz dauerhaft mehr als 270 Wlan-Router online und bieten für jeden Nutzer anonymen, unzensierten und kostenlosen Zugang zum Internet. Begonnen hat die Göttinger Freifunkinitiative, der Mitglieder des Chaos Computer Clubs und Funkamateure angehören, im Januar. Dass das Netz seitdem so schnell wächst, habe sie überrascht, sagt Krischan Jodies von der Initiative.

Voriger Artikel
Kulinarisches Hilfsprojekt für die Göttinger Tafel
Nächster Artikel
Debatte um Funkmast-Standorte in Erbsen

Göttingens höchster Freifunk-Router: auf dem Kran auf der Supermarkt-Baustelle in Grone.

Quelle: Bode

Göttingen. Neben Privatpersonen beteiligen sich inzwischen auch mehrere Gastronomen und Einzelhändler an dem Netz, um ihren Kunden freies Wlan anbieten zu können. Das Flüchtlingswohnheim an der Breslauer Straße hat die Initiative mit dem Freifunk-Netz versorgt, die Unterkunft in der ehemaligen Voigtschule soll bald folgen. In den 50 Filialen der Bäckerei Ruch wird das kostenlose Surfen über das Freifunk-Netz bald ebenfalls möglich sein. „Die Router sind bestellt“, sagt Ruch-Teamleiter Karsten Sauer. Der Göttinger Kaufpark steht ebenfalls in den Startlöchern für freies Wlan in der Ladenstraße. Center-Manager Andreas Gruber ist begeistert, das Konzept Freifunk hätten er und sein Team – nach rechtlicher Prüfung – für „genial“ befunden.

 

Rechtsanwältin: Störerhaftung scheidet aus

 
Rechtliche Bedenken gegen Freifunk-Netze räumt auch die Göttinger Rechtsanwältin Johanna Feuerhake aus. „Mit einem Freifunkrouter können Sie nicht aufgrund von Störerhaftung in Anspruch genommen werden. Die Haftung scheidet aufgrund technischer und rechtlicher Erwägungen aus.“ So sei der einzelne Router im Netzwerk nicht identifizierbar. Der gesamte Datenverkehr werde über Server von Freifunkinitiativen gelenkt. IP-Adressen könnten weder zugeordnet werden noch würden diese gespeichert. Vor Abmahnungen muss der Freifunker nach Rechtsanwältin Feuerhake daher keine Angst haben. Für den einzelnen Freifunkrouterbetreiber seien Abmahnungen faktisch ausgeschlossen, da der einzelne Freifunkrouter technisch nicht identifizierbar sei, erklärt Feuerhake.

 

Vor der Störerhaftung schütze zusätzlich noch das Providerprivileg nach dem Telemediengesetz (TMG), das das Freifunk-Netzwerk von der Haftung befreie. So entschieden zum Beispiel die Amtsgerichte Hamburg und Charlottenburg zugunsten eines Freifunkserverbetreibers, dass von diesem keine „unzumutbaren“ Maßnahmen verlangt werden dürfen. „Wer ein öffentliches Wlan anbietet, ist grundsätzlich als Access-Provider einzustufen“, heißt es in dem Urteil aus Charlottenburg. „Nach sich durchsetzender Rechtsauffassung sind die Freifunker als Betreiber eines Netzwerkes ein sogenannter Access-Provider, und auf diese ist das TMG anwendbar. Das Providerprivileg schützt nicht nur zum Beispiel  den Förderverein Freie Netzwerke in Berlin, sondern auch jeden einzelnen Freifunker“, sagt Feuerhake.

 
Am Mittwoch, 3. Juni, feiern die Göttinger Freifunker ihren bisherigen Erfolg. Beginn ist um 18 Uhr im Vereinshaus des Turn- und Wassersportvereins von 1861 am Kiessee.

„Freifunker sind Pioniere“

Die bundesweite Freifunk-Initiative stößt bei der SPD auf offene Ohren: Während eines Gesprächs mit Vertretern der Göttinger Initiative warb der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, für „mehr offenes Wlan für alle“. Zugleich forderte er „mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten“. 

 

Kernthema der von den Freifunkern angeregten Diskussion mit Klingbeil und dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann aus Göttingen, war ein Gesetzgebungsverfahren zum Telemediengesetz und für ein offenes Wlan. Mit Blick auf den Entwurf fürchten die Freifunker strenge Vorgaben und Kontrollen, die ein offenes Wlan stark einschränken könnten und für die Betreiber kaum bezahlbar seien. Sie lehnen scharfe Zugangskontrollen zu offenen Netzen und eine sogenannte Vorschaltseite zur Rechtsbelehrung ab. Und sie protestieren gegen die derzeitige Schlechterstellung privater Wlan-Anbieter gegenüber geschäftlichen. Umstritten ist zudem die sogenannte Störerhaftung der Netzbetreiber bei Missbrauch des Internetzugangs. „Die Freifunker sind Pioniere des modernen Internet, die frühzeitig die richtigen Fragen stellen, mit denen sich die Politik beschäftigen muss,“ sagte Oppermann. Er lobte die Göttinger Initiative, Flüchtlingen in einem Wohnheim in der Breslauer Straße Zugang zu freien Wlan zu ermöglichen. us

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Thema des Tages: Steinträume aus der Toskana