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Mit Kreuzhacke auf dem Friedhof

Seit 40 Jahren Friedhofswärter Mit Kreuzhacke auf dem Friedhof

40 Jahre lang hat Friedel Eberhardt mit Engagement die Arbeiten auf dem Friedhof in Sudershausen verrichtet. Dabei hat er viel erlebt. Ende des Monats wird er nun aufhören. Derzeit wird ein Nachfolger gesucht.

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Friedel Eberhardt: Früher ist er manchmal zweimal am Tag zum Friedhof gelaufen. Jetzt fällt ihm der Weg dorthin schwer.

Quelle: Pförtner

„17 Jahre lang habe ich Löcher gemacht“, erzählt Friedel Eberhardt. Bis 1985 hob Eberhardt die Gräber auf dem Friedhof in Sudershausen per Hand aus. 1,50 Meter tief musste jedes Grab sein. An machen Stellen waren dicke Sandsteine im Boden. 

Wenn der Boden gefroren war, musste er sich mit der Kreuzhacke mühsam vorarbeiten. „Ein Tag ging dabei drauf“, erinnert er sich. Wenn Beerdigungen waren, nahm der Arbeiter im Hoch- und Tiefbau einen Tag Urlaub. Zwei Tage wurden es im Herbst und Winter, wenn die Tage kürzer waren. Wenn es dunkel wurde, machte Eberhardt Feierabend. Ein Leistenbruch habe ihn gezwungen, die harte Arbeit auf dem Friedhof aufzugeben. 

Die Knie streiken

Im Frühjahr 1985 übernahm der Bauhof des Fleckens Nörten-Hardenberg das Ausheben der Grabstellen mit dem Bagger. Eberhardt hatte dennoch seine Aufgabe auf dem Friedhof. Er säuberte weiterhin die 1974 eingeweihte Friedhofskapelle, fegte und wischte sie, beschnitte die Kerzen, staubte alles ab. Doch jetzt machen seine Knie nicht mehr mit, erzählt Eberhardt. Ende März will Eberhardt seine Arbeit nun abgeben. „Ich wollte schon im vergangenen Jahr aufhören.“ Doch der Bürgermeister habe ihn gebeten, die 40 Jahre doch noch voll zu machen.

Von jedem Tod erfahren 

„Ich habe es gern gemacht“, sagt der 79 Jahre alte Mann mit einem Lächeln. Seine Frau habe ihm oft mitgeholfen. Dazu läutete sie 21 Jahre lang die Glocke geläutet – zu Hochzeiten wie zu den Sterbefällen. Auch eine seiner beiden Töchter habe früher häufig mit zugefasst. Viele Geschichten weiß Friedel Eberhardt zu erzählen, auch die nicht so schönen von Menschen, die durch Unfälle gestorben sind. Von jedem Todesfall im Dorf hat Friedel Eberhardt als einer der ersten erfahren.

Zu Mittwoch, 1. April, sucht der Sudershäuser Ortsbürgermeister Hans-Ulrich Gobrecht einen Nachfolger für Friedel Eberhardt als ehrenamtliche Reinigungskraft für die Kapelle. Interessenten können sich bei Gobrecht, Telefon 05594/ 690, oder bei der Fleckenverwaltung Nörten-Hardenberg, Telefon 05503/ 800, melden.  Von Ute Lawrenz

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