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„Mit Krieg werden wir keine Ziele erreichen“

Junge Kurden fühlen sich stigmatisiert „Mit Krieg werden wir keine Ziele erreichen“

Immer wieder protestieren in Göttingen lebende Kurden gegen die Situation in der Türkei. Mittlerweile übernimmt eine neue Generation das Ruder, die sich bestens integriert und zugleich entschlossen gibt.

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Demo für kurdische Interessen in Göttingen.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Laut Kamal Sido, Nahost-Referent bei der Gesellschaft für Bedrohte Völker (GfbV), leben in Göttingen Hunderte, vielleicht tausend Kurden. Die Meisten stammen ihm zufolge aus der Türkei, danach folgen Syrien und Irak als Herkunftsländer. Vor zwei Wochen zogen rund 150 von ihnen zur Göttinger Parteizentrale der SPD. Sie sei selbst zu 100 Prozent integriert „und trotzdem Kurdin“, bekannte eine Rednerin. Sie warf Thomas Oppermann (SPD) vor, den „Pakt zwischen der deutschen und der türkischen Regierung“ mitzutragen.

Dass die Bundesregierung den „Krieg der türkischen Regierung gegen die Kurden“ verurteilt, fordert auch Berivan Hêvi vom Göttinger Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK). Die Aktivisten fühlen sich mit den türkischen Kurden verbunden, wie Raz Khafaf erzählt. Eltern sprächen viel über die Situation in der Südtürkei, wo sich Sicherheitskräfte mit kurdischen Jugendlichen Schießereien liefern. Und Hêvi findet, es mache betroffen, „wenn Menschen meines Alter auf der Straße erschossen werden – selbst wenn man hier geboren ist“.

In Deutschland fühlen sich die jungen Kurden stigmatisiert, oft gelte die Formel „Kurden gleich PKK gleich Terroristen“, glaubt Khafaf. Dabei findet Aktivist Redar Han, der auch dem Göttinger Integrationsrat vorsitzt, „mit Krieg werden wir keines unserer Ziele erreichen“.

An einen eigenen Staat glauben die jungen Kurden nicht, sie wollen lieber eine starke Zivilgesellschaft aufbauen. Vorbild dafür ist für viele von ihnen die „autonome Provinz Rojava“ in Nordsyrien. Dort haben sich Kurden, unterstützt von den USA, gegen den sogenannten Islamischen Staat behauptet. Eines der Ziele der Göttinger Aktivisten ist nun eine Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und der dortigen Universitätsstadt Qamischlo. Einen entsprechenden Antrag hatte die Göttinger Ratsmehrheit mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen allerdings im November abgelehnt. hö

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