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Mit Musik gegen den Murmeltiermodus

Kolumne zum Wochenende Mit Musik gegen den Murmeltiermodus

Jammern hilft nicht: Es ist Herbst. Eis kratzen, Vespa einmotten, Mäntel aus dem Schrank holen, an Winterschlaf denken. In der Werbung hieß es früher: Etwas Warmes braucht der Mensch. Das gilt für den Bauch und für die Seele. Für den Bauch gibt es in Göttingen demnächst gleich drei neue Optionen. Selten war so viel Bewegung in der Göttinger Restaurant-Szene. Die Eröffnung des Bullerjahn im Alten Rathaus steht kurz bevor.

Dort läuft unter der Regie von Olaf Feuerstein alles wie geplant. Das kann man zumindest retrospektiv von der Junkernschänke nicht gerade behaupten. Nach der Bardosi-Pleite haben jetzt Hamburger Geschäftsmänner das Traditionslokal von Jürgen Schenk gepachtet. Nächste Woche gibt es bereits den Neustart. Das neue Team will künftig ebenfalls mit Qualität, Service und frischer, feiner bürgerlicher Küche punkten. Im zweiten gastronomischen Insolvenz-Betrieb, dem Apex, weht endlich auch ein frischer Wind.

Noch ist es zwar nicht endgültig. Aber wenn die beiden Göttinger Jacqueline Amirfallah und ihr Mann Wolfgang Nisch dort umsetzen, was sie geplant haben, haben Bullerjahn und Junkernschänke weitere Konkurrenz. Wie lecker das Essen Amirfallahs ist, wissen alle, die einmal im Gauss gegessen haben. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Schon verrückt, jahrelang mussten Freunde der deutschen Küche in Göttingen eher darben oder einen Ausflug in die umliegenden Orte unternehmen. Jetzt sieht es so aus, als kämen gute Bratkartoffeln, lokale und saisonale Produkte oder frische Eintöpfe endlich auch in der City auf den Restauranttisch. Leckere Aussichten, hoffentlich mit Erfolg mal drei. Mahlzeit!

Wenn es draußen dunkel, grau und kalt ist, ist es Zeit, am Abend in die Wärme der Theater und Musikkeller abzutauchen. Der Literaturherbst ist vorbei, jetzt ist es Zeit für Live-Musik. Zuerst Bernd Begemann im Nörgelbuff, diesmal mit einem Rockabillyprogramm. Popmusikfreunde müssen Göttingen allerdings leider all zu oft verlassen. Jenseits der kleinen und oft feinen Clubkonzerte klafft in Göttingen eine Rock-Pop-Lücke. Nur die Jazzfans können sich auf ihr Fest freuen. Für mich heißt das: Auf in die deutsche Rockkonzert-Stadt Nummer eins: nach Köln. The Coral sind gerade auf Deutschlandtour. Im November gehts nach Heidelberg, dem wunderbaren Maximo-Park-Sänger Paul Smith auf seiner ersten Solotour zuhören. In Göttingen wartet das aktuelle Theaterprogramm.

Den Göttingern, denen es nicht so gut geht, etwas Wärme zu geben, ist Ziel der Tageblatt-Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein“. Neben den Erbsensuppen-Aktionen am 6. und 13. November, dem Offenen Heiligen Abend in der Stadthalle, der Kino-Plakatversteigerung, dem Bigband-Konzert und der Paket-Sternfahrt gibt es in diesem Jahr erstmals eine Benefiz-Veranstaltung des Deutschen Theaters. Das Ensemble spielt noch einmal das sehens- und hörenswerte Stück „Der Mann in Schwarz“. Wer es in der letzten Spielzeit verpasst hat, hat noch einmal die Gelegenheit, das Leben von Johnny Cash auf der DT-Bühne zu erleben. In der Hauptrolle: Der großartige Jan Pröhl, der mittlerweile in Bochum engagiert ist. Theaterfreude pur genießen und dabei anderen helfen. Wenn es einem da nicht warm ums Herz wird.

Nächste Woche wird nach der inneren nun auch die Armbanduhr auf Winterschlaf umgestellt. Spätestens dann stellt sich bei manchen Menschen ein gewisser Murmeltiermodus ein. Irgendwann muss man aber auch jenseits des goldenen Oktobers mal geschlossene Räume verlassen. Eine der schönen Seiten des Draußenseins im schmuddeligen Herbst-Winter in Göttingen ist der Weihnachtsmarkt – in vier Wochen geht es rund um das Alte Rathaus wieder los. Und noch ein sehr, sehr schwacher Trost bleibt: Wenn es nicht wie in Phunxsutawny zugeht (die Stadt aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier), ist ja in einem halben Jahr wieder Frühling.

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