Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Mit jeder Generation geht Wissen verloren

Heimatpflege Mit jeder Generation geht Wissen verloren

Mit mündlicher Überlieferung und Objektsammlungen haben sich die Ortsheimatpfleger aus dem Kreis Göttingen während ihrer Frühjahrstagung befasst. Für Anschauungsmaterial sorgte schon der Ort des Treffens: der Museumskrug mit Heimatmuseum im 825-jährigen Obernfeld.

Voriger Artikel
Ermittler noch auf Suche nach Brandursache
Nächster Artikel
Ruhige Kaninchen, zappelige Hasen

Anschauliche Dorfgeschichte: Fotos und Artefakte im Heimatmuseum.

Quelle: Tietzek

Als Studentin hat Bettina Bommer in einem Bauernhaus in Obernfeld gelebt, als Referentin sprach die inzwischen in Seeburg lebende promovierte Ethnologin jetzt über den „Schatz der unerzählten Geschichten als Quellen für die Heimatforschung“. Dabei konnte Bommer aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz als Verfasserin der Ortschroniken von Seulingen, Krebeck und Renshausen schöpfen.

„Wer war das nochmal auf dem Foto da, wer hatte eigentlich das erste Telefon im Ort, und wie war das damals mit den Flüchtlingen?“ Anders als Artefakte und Schriftquellen droht ein Großteil des in den Menschen schlummernden Wissens mit dem Verschwinden einer Generation verloren zu gehen. Die sogenannte oral history versucht deshalb, das kollektive Gedächtnis eines Ortes anzuzapfen, mündliche Überlieferungen zu bewahren und Zeitzeugen zu befragen. 

Brisante NS-Zeit

Dabei, so Brommer, sei Eile geboten – insbesondere bei der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Zu einem brisanten Balanceakt gerieten oftmals die Ereignisse und Verleumdungen der NS-Zeit. „Um Gottes Willen, das müssen wir sofort wieder löschen“, sei eine häufige Reaktion, wenn Zeitzeugen ins Plaudern gekommen seien. Bei teilweise sehr persönlichen Erinnerungen habe es sich als hilfreich erwiesen, dass sie ortsfremd gewesen sei.

„Wer Zeitzeugen befragt, braucht Fingerspitzengefühl und übernimmt Verantwortung“, betonte Brommer. Abgrenzung des Forschungsprojektes, sorgfältige Nachbearbeitung, Überprüfung des Wahrheitsgehaltes und das zeitnahe Sichern und Archivieren der Datenträger seien unabdinglich. Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sollte man für eine entspannte Atmosphäre sorgen, mit small talk beginnen,  Leitfragen erstellen, Fotos als Gedächtnisstütze einsetzen, ausreichend Zeit für das Kramen in Erinnerungen lassen, taktvoll vorgehen und die eigene Meinung zurückhalten. Auch Erzählcafés sollten dokumentiert werden.

Leider würden persönliche Ereignisse viel zu selten niedergeschrieben, bedauerte Bommer. Möglichst viel davon festzuhalten, sei eine wichtige Aufgabe der Heimatforschung. 

                                                                                                          Von Kuno Mahnkopf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Bilder der Woche vom 14. bis 20. Oktober 2017