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Mit neuer Leber weiter getrunken

Verteidigung will Begründung zur Änderung des Zuteilungsverfahrens Mit neuer Leber weiter getrunken

Letzter Verhandlungstag 2014, der 53. Seit eineinhalb Jahren währt der Transplantations-Prozess vor dem Schwurgericht gegen den 47 Jahre alten Leberchirurgen Aiman O. Dem Medizinprofessor wird in elf Fällen versuchter Totschlag vorgeworfen, dazu drei Fälle Körperverletzung mit Todesfolge.

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Göttingen. Ein Ende des Mammutprozesses ist nun in Sicht. Das Gericht stellte in Aussicht, am 2., 3. und 5. März werde plädiert. Das Urteil ist nach heutigem Verhandlungsstand für den 11. März vorgesehen.

Auch dies will die Verteidigung bis dahin noch eingeführt wissen: Aktuell sei eine Änderung des Transplantationsgesetzes in zweiter Lesung. Dabei gehe es auch um Neuerungen im Allokationsverfahren (Zuteilung). Offenbar habe die Bundes-Ärztekammer (BÄK) die umstrittene sechsmonatige Alkoholabstinenz, ehe ein Patient auf die Transplantationsliste aufgenommen werden darf, überarbeitet, um Ausnahmemöglichkeiten zu schaffen. „Um Alkoholpatienten nicht mehr zum Tode zu verdammnen“, sagt Verteidiger Jürgen Hoppe.

Das Gericht dazu: Neue Regeln könnten sicher keine strafrechtliche Relevanz für die Vergangenheit haben. Verteidiger Steffen Stern kontert: „Die Änderung wird begründet sein. Dann werden wir erstmals einen Grund für die bisher willkürliche Regel hören.“ Stern weiter: „Es kann damals nicht falsch gewesen sein, wenn es das nach heutigen Erkenntnissen auch nicht ist.“

Die Abstinenzregel spielt im Prozess eine wichtige Rolle, weil O. vorgeworfen wird, Patienten ohne ausreichende Karenzzeit eine neue Leber implantiert zu haben. So auch der Patientin, um die es am Montag ging. Die 34 Jahre alte Frau mit zwei kleinen Kindern war alkoholkrank und dennoch sofort auf die Warteliste gesetzt worden.

Am 53. Prozesstag wurde erstmals offenbar, dass sie auch nach der Transplantation mit neuer Leber weiter getrunken hat. Das ergibt sich aus Vermerken in der Krankenakte.

Der Angeklagte machte in diesem und einem zweiten Falle geltend, dass die Transplantationen medizinisch angezeigt gewesen seien. Bei beiden habe die Gefahr bestanden, dass sie ohne Transplantation sterben. Der 59-Jährige habe die Kriterien für ein akutes Leberversagen erfüllt. O.s Ansicht nach hätte Eurotransplant den Fall als hoch dringlich anerkennen müssen.

Dass Eurotransplant dies abgelehnt habe, sei „fahrlässig“ gewesen. Warum er dann dort nicht nachgefragt habe? Weil man erst nach 14 Tagen einen neuen Antrag stellen dürfe.

Von Heidi Niemann und Jürgen Gückel

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