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Mit oder ohne Kopftuch an der Tafel?

Verbot für Lehrerinnen Mit oder ohne Kopftuch an der Tafel?

Die Frage nach einem Kopftuchverbot für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen in Niedersachsen ist in Göttingen ebenso umstritten wie auf Regierungsebene. In den Schulen und Moscheegemeinden gibt es Fürsprecher des bestehenden Verbotes in Niedersachsen, andere würden Kopftücher auch bei Lehrerinnen sofort erlauben.

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Kopftuch im Unterricht: für Lehrerinnen zurzeit verboten, bei Schülerinnen erlaubt.

Quelle: dpa

Göttingen. Landesregierung und Islamverbände diskutieren zurzeit über eine Lockerung des Verbotes. „Im Koran steht nichts von einem Kopftuch, dort heißt es nur, dass die Frau ihre Reize verhüllen soll“, sagt Mohammed Mansour al-Masri (80) von der Göttinger Moschee-Gemeinde Al-Taqwa. Das Kopftuch sei eine vorislamische, persische Tradition, die von den Arabern übernommen worden sei.

Trotzdem tritt Mansour dafür ein, Lehrerinnen in Niedersachsen das Tragen von Kopftüchern im Unterricht zu erlauben. „Jeder soll anziehen können, was er will“, meint der Diplom-Volkswirt. Auch die Leiterin der katholischen Godehard-Grundschule, Gabriele Graf, hat nichts gegen ein Kopftuch im Unterricht als äußeres Zeichen des Glaubens, „das für viele zu ihrer Persönlichkeit gehört“.

Entscheidender sei die Haltung von Lehrerinnen. Es gebe viele sehr moderne und weltoffene  Muslima, die Kopftuch tragen – „das ist auch O.K.“. Ähnlich sieht es „persönlich“ die Leiterin der Heinrich-Heine-Hauptschule, Sylvia Stockburger-Brunnert, „auch wenn das Thema vielschichtig ist und wir noch keine Erfahrung damit haben“. Es komme nicht auf Äußerlichkeiten an, auch einige ihrer Schülerinnen trügen Kopftuch. Wenn eine Lehrerin aber ein archaisches Frauenbild vorlebe, müsse eingeschritten werden.

Kreuze und Kopftücher

Noch unschlüssig ist Rita Engels, Direktorin des Otto-Hahn-Gymnasiums. Auch in ihrem Kollegium werde die Frage kontrovers diskutiert. „Ganz klar widersprüchlich und unangemessen“ wäre es allerdings, wenn Lehrerinnen im Religionsunterricht Kopftuch tragen dürften, in anderen Stunden aber nicht. Auch das wird in Hannover diskutiert. „Auch wenn der Koran kein Kopftuch vorschreibt, so gibt es doch entsprechende Überlieferungen aus dem Leben des Propheten Mohammed“, gibt der gebürtige Iraner Behrouz Khosrozadeh (55) zu bedenken.

Aus diesen Geschichten leiteten die konservativen Religionsgelehrten, seiner Meinung nach fälschlich, eine Kopftuchpflicht ab. Unabhängig davon fordert der Politikwissenschaftler am Göttinger Institut für Demokratieforschung eine Gleichbehandlung der Religionen. Wenn das Kopftuch in der Schule verboten werde, müssten auch Kreuze aus den Klassenräumen verschwinden.

„Religion nicht einseitig nach außen tragen“

Wolfgang Vogelsänger, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, geht noch einen Schritt weiter und verweist auf Frankreich. Religion und Glaubenszeichen hätten in der Schule gar nichts zu suchen, „ich bin auch gegen christliche Symbole im Klassenzimmer“. Er sei froh, dass es das Kopftuchverbot für Lehrerinnen gebe. „Religion sollte von Seiten der Lehrer mit ihrer großen Vorbildfunktion nicht so einseitig nach außen getragen werden“, ergänzt die stellvertretende Leiterin der Voigt-Realschule, Martina  Psyk.

„Meine Klassenlehrerin in Mainz hat ein Kreuz um den Hals getragen, warum ist es dann nicht möglich, dass eine Lehrerin Kopftuch trägt“, kontert Safeer Nasir (26), Vorbeter der Göttinger Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat. Das Kopftuchverbot an Schulen führe dazu, dass Mitglieder seiner Glaubensgemeinschaft nicht als Lehrerinnen arbeiten würden.

Von Ulrich Schubert und Michael Caspar

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