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Mit vier PS vom Allgäu nach Amrum

Per Kutsche durch ganz Deutschland - mit Stopp in Holtensen Mit vier PS vom Allgäu nach Amrum

Hrafnkatla und Stjarna sind Mutter und Tochter. Sie machen eine Reise vom Allgäu bis nach Amrum. Zu Fuß. Oder besser gesagt: zu Huf. Denn die beiden sind Islandstuten und ziehen die Kutsche von Martin und Bettina Rickert. Bisher hat das Gespann 620 Kilometer hinter sich gebracht.

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Quelle: Heller

Göttingen. 540 Kilometer liegen noch vor ihnen. Am Sonnabendmorgen brechen sie in Holtensen auf, wo sie auf dem Hof von Armin Lutz eine zweitägige Pause eingelegt haben. Das Etappenziel des Tages ist Einbeck, bis dorthin sind es 36 Kilometer, das bedeutet sieben bis acht Stunden Kutschfahrt und Marsch für die Pferde.

Es gibt noch eine zweite Kutsche, die des befreundeten Ehepaars Moni und Hans Kästle. Frau Kästle ist gerade in der Heimat, sie muss arbeiten und ist erst die letzten zwei Wochen der Tour wieder mit dabei. Vertreten wird sie von einem Freund ihres Mannes, Martin Ernst.

 Doch wie kommt man auf die Idee Deutschland einmal komplett mit der Kutsche zu durchqueren? Auf ihrem Blog „Auf zwei Kutschen mit 4PS von Oberschwaben nach Amrum“ erzählen die Reiselustigen davon, wie alles begann.

Auf Amrum lernten die Rickerts, die eigentlich im Allgäu leben, die Besitzer der Nebeler Mühle kennen. Diese wollen die 1771 gebaute Mühle wieder instand setzen und somit alte Traditionen bewahren. Daraufhin beschloss das Ehepaar Rickert, der Mühle den ersten Sack Getreide zu liefern und auch das auf traditionellem Wege - mit der Kutsche.

Extra für diese Reise absolvierte Bettina Rickert einen Fahrkurs. „Der war sehr aufwendig“, erzählt sie. „Er hat ungefähr zehn Wochen gedauert, mehrmals die Woche hatte ich Fahr- und Theorieunterricht.“ Meist fahren sie vier Tage hintereinander und machen dann einen Tag Pause.

Bei starker Hitze und im Bergland, das sie gerade durchquert haben, legen sie schon nach drei Tagen einen Ruhetag ein. Die Route hätten sie detailliert geplant, erzählt Martin Rickert. „Aber es kommt sowieso anders als man denkt.“ Zum Beispiel wären sie schon manchmal ganz spontan, mit einem Vorlauf von nur zwei Stunden irgendwo untergekommen, berichtet Hans Kästle.

 „Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die uns begegnet, hat mich überrascht“, sagt der 60-jährige Rentner. Martin Rickert stimmt ihm zu: „Die Begegnung mit den Menschen, diese Unterstützung zu erfahren, ist wohl das schönste an der Reise. Kutsche fahren ist Normalität, nette Menschen zu treffen, das Außergewöhnliche.“

Schwierig sei es immer dann, wenn es Weghindernisse gibt. Schranken, zu schmale Brücken, oder in den letzten Tagen das Hochwasser. Fahren würden sie aber auch bei Regen. Zwei Tage hat die Plane durchgehalten, am dritten Regentag war sie durchgeweicht.“

„Das Wichtigste ist, dass es den Pferden gut geht. Die Pferde sollten nicht mehr ziehen, als sie wiegen. Deshalb haben wir die Kutsche vorher auf eine Waage gestellt. Und wenn es mal sehr steil ist, steigen wir ab und lenken die Pferde vom Boden aus“, so der 58-jährige Rickert.

Hrafnkatla und Stjarna sind Mutter und Tochter. Sie machen eine Reise vom Allgäu bis nach Amrum. Zu Fuß. Oder besser gesagt: zu Huf.
Denn die beiden sind Islandstuten und ziehen die Kutsche von Martin und Bettina Rickert. Bisher hat das Gespann 620 Kilometer hinter sich gebracht.

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 Für die Übernachtung suchten sie Reiter- oder Bauernhöfe, wo die Pferde gut versorgt werden können. „Man kann sie ja nicht wie ein Auto hinstellen und abhaken.“ Die Kutscher selbst schlafen auch mal hinten auf einer Matratze in ihrem Planwagen.

„Die Nachttemperatur ist kein Thema, das Innenzelt hält die Wärme im Wagen“, erklärt Kästle. Über den Aufenthalt in Holtensen, auf dem Hof von Armin Lutze, Mitglied des Göttinger Pony-, Reit- und Fahrclubs, freut sich Martin Rickert, nicht nur weil er ursprünglich aus Göttingen stammt: „Das war etwas ganz Besonderes auf dem Hof hier!“

Von Gwendolyn Barthe

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