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Mit zwei Kisten Wasser betrunken auf der Flucht

Northeim Mit zwei Kisten Wasser betrunken auf der Flucht

Zu acht Monaten auf Bewährung hat das Amtsgericht Northeim einen 61-Jährigen aus Uslar verurteilt. Der Mann hatte mit 1,38 Promille in einem Supermarkt zwei Kisten gestohlen und bei der Flucht einen Angestellten in Gefahr gebracht. Skurril dabei: Er hatte nicht etwa Bier gestohlen, sondern Wasser.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Northeim. Wenn er Bier geklaut hätte – man hätte es seinem Zustand zurechnen können. Es waren aber zwei Kisten Wasser. Und der 61-Jährige aus Uslar hat bei seiner Flucht mit der Beute im Auto und 1,38 Promille im Blut auch noch einen Supermarkt-Mitarbeiter beinahe umgefahren. Das Amtsgericht Northeim hat ihn dafür jetzt zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Den Führerschein ist er ohnehin los.

 
Panische Flucht bringt Angestellten in Gefahr

 
Schuld war der unverhoffte Feiertag. Am Vorabend des 3. Oktober war dem 61-Jährigen nach diversen Flaschen Bier plötzlich eingefallen, dass nicht genug zu trinken im Haus ist und die Geschäfte tags darauf zu sein würden. Er setzte sich in sein Auto und fuhr zum Supermarkt. Dort will er zunächst eine Kiste Wasser und eine Kiste Sprudel gekauft und auch bezahlt haben, als ihm das Sonderangebot im Eingangsbereich auffiel. Da schnappte er sich zwei Kisten im Wert von 19,58 Euro und hievte sie auf die Rücksitzbank. Noch ehe er zahlen konnte, behauptet er vor dem Richter, habe sein Handy geklingelt und seine Frau habe ihn „böse zur Schnecke gemacht“, weil er betrunken losgefahren sei. Fast gleichzeitig habe ihn ein Supermarkt-Mitarbeiter angesprochen. Da sei er „in Panik“ losgefahren: „Jetzt schnell weg, weil, zu Hause ist der Bär los!“

 
Doch diese panische Flucht war es, die den Fall zu einem Verbrechen mit mindestens einem Jahr Mindeststrafe machte. Im Wegfahren gefährdete er laut Anklage den Angestellten, der zur Seite habe springen müssen. Das ist juristisch ein räuberischer Diebstahl, weil es darum gegangen sei, im Besitz der Beute zu bleiben. Derer allerdings hatte sich der Angeklagte schon nach gut hundert Metern Flucht wieder entledigt und will sie einfach vor den benachbarten Aldi-Markt gestellt haben. Polizisten fanden die gestohlenen Wasserkisten folglich nicht bei ihm, als sie den 61-Jährigen nach der Tat zu Hause aufsuchten und einem Alkoholtest unterzogen.

 
Urteil: Acht Monate auf Bewährung

 
War es nun eine Flucht mit Gewalt? Ein Film der Überwachungsanlage des Rewe-Marktes zeigt den Vorfall. Von einem Telefonat ist da nichts zu sehen. Wohl aber, wie der Kunde mit zwei offenen Autotüren eilig zurücksetzt, der Supermarktangestellte noch in der offenen Autotür steht und beiseitetreten muss. Dann fährt das Auto davon.

 
Anders als der Verteidiger erkennt das Schöffengericht in dem Film eine Gefährdung des Zeugen. Also doch ein räuberischer Diebstahl, allerdings in einem minderschweren Fall, weil im Affekt geschehen. Deshalb nur acht Monate. Weil er unbescholten ist, gibt es Bewährung. Und 600 Euro für die Jugendfeuerwehr Uslar muss der erwischte Wasserdieb als Bewährungsauflage auch noch zahlen.

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