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Mixed Martial Arts in Göttingen: Kampf im Käfig

„Die Urform des menschlichen Wettkampfes“ Mixed Martial Arts in Göttingen: Kampf im Käfig

Fünfmal in der Woche treffen sich in einem unscheinbaren Gebäude im Industriegebiet rund 25 Kampfsportler. Sie praktizieren Mixed Martial Arts („Gemischte Kampfkünste“, kurz MMA). In einem karg ausgestatteten Nebenraum einer ehemaligen Lagerhalle, die jetzt das „Crossfit & Fight“-Studio beherbergt, trainieren sie.

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Voller Körpereinsatz: Danièl Djanie (rechts) und Konstantinos Alexoudis betreiben die Kampfsportart Mixed Martial Arts.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Bumm, bumm, bumm: der schwere Sandsack erzittert von den Fußtritten, die Daniél Djanie auf ihn einprasseln lässt. Der 37-Jährige ist eher klein gewachsen, dafür aber durchtrainiert bis in die letzte Faser. Er ist Trainer der Gruppe. „Jetzt ihr“, ruft er seinen Schülern – Männer und Frauen, Jungen und Mädchen – zu. Die lassen ihre Beine durch die Luft an die Sandsäcke schnellen.

 
MMA ist eine Kombination aus diversen Kampfsportarten, darunter klassisches Boxen, Thaiboxen, Ringen und Brasilianisches Jiu-Jitsu. Vieles ist erlaubt, einiges nicht. Verboten sind Kratzen oder Beißen, Schläge auf Augen oder Weichteile und Kopfstöße oder Tritte an den Kopf, wenn der Gegner am Boden liegt. „Insgesamt gibt es 26 unterschiedliche Regelverstöße“, erläutert Djanie, „MMA gehört damit zu den regulierten Kampfsportarten“.

 
Die Kämpfe werden in einem zwischen vier mal vier und zwölf mal zwölf Meter großen Stahlkäfig ausgetragen. Das dient nicht der Effekthascherei, sondern hat praktische Gründe, so Djanie: Wenn ein Kämpfer geschultert ist, besteht ohne die Käfigkonstruktion die Gefahr, dass er aus dem Ring geworfen wird. Die Dauer eines Kampfes beträgt dreimal fünf Minuten, entschieden wird er durch K.O., Aufgabe oder Punktwertung.

 

„Menschliches Schach“

 
MMA bezeichnet Djanie als „menschliches Schach“. Man müsse taktisch vorgehen, erläutert er. „Wenn du nicht so gut boxen und treten kannst, wie dein Gegner, versuchst du, ihn in den Ringkampf zu zwingen, und wenn er dir im Ringen überlegen ist,  trittst und boxt du eben.“

 
Djanie, der schon Kämpfe vor 2000 Zuschauern bestritten hat, betreibt MMA seit 14 Jahren. „Es hat mich charakterlich geformt“, sagt der Orthopädietechniker, „mich Disziplin und Hartnäckigkeit gelehrt.“ Der Sport sei vielleicht „die Urform des menschlichen Wettkampfes“, sinniert Djanies Schüler Fritz Knoke (42). Dass es dabei anders zugehe als beispielsweise beim Tennis, sei offensichtlich, fügt Christian Neumann hinzu. Beim ersten Sparring habe er durchaus Hemmungen gehabt, seinem Gegner ins Gesicht zu schlagen, erinnert sich der 32-Jährige, doch als er dann die ersten Treffer kassierte, habe er angefangen, sich zu wehren.

 
MMA wird nicht nur von Männern ausgeübt. Vivienne Ansah (39), die derzeit ihre Dissertation in Geschichte schreibt, trainiert sogar darauf, selbst einmal im Ring zu stehen. Das dürfen der zehnjährige Dean und sein ein Jahr jüngerer Freund Emirhan noch nicht – MMA-Kämpfe bestreiten darf man erst ab 14, und zwar in Schutzkleidung und unter Ausschluss einer ganzen Reihe von Schlagarten. Auf ihren Trainer sind die beiden Jungen stolz: „Er ist zwar klein, aber kann etwas, was Große nicht können.“
 

Von Hauke Rudolph

 

Foto: Pförtner

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