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Modellbörse in Göttingen-Weende: Sonderausstellung zu DDR-Spielzeug

Plasteautos und bedruckte Tüten Modellbörse in Göttingen-Weende: Sonderausstellung zu DDR-Spielzeug

Vor einem Vierteljahrhundert war Schluss mit der DDR. Und damit auch praktisch vollständig Schluss mit der Spielzeugproduktion im „Arbeiter- und Bauernstaat“. Was damals im Osten für die lieben Kleinen – manchmal auch für diejenigen im Westen – produziert wurde, zeigt die Sonderausstellung zur Oktober-Modellbörse am Sonntag, 25. Oktober, in der Weender Festhalle.

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Quelle: EF

Göttingen. „Spielzeug Made in GDR – German Demokratic Republic“ heißt die Ausstellung, die einen Überblick über die Spielzeuggeschichte der DDR gibt. Nach 25 Jahren können sich wohl nur die Älteren an die meist tristen Produkte der verschiedenen VEB (Volkseigenen Betriebe) erinnern.

Das war aber nicht immer so, wissen die Organisatoren der Modellbörse, Cornelia und Martin Schmidt: In den Anfangsjahren war die DDR Spielzeugindustrie ähnlich innovativ wie westliche Anbieter. Weil die Entwicklung des ostdeutschen Spielzeugmarktes durch Materialknappheit und Improvisationen geprägt war, brachten viele Kleinsthersteller  Modellautos und Eisenbahnen aus Holz, Blech und Bakelit auf den Markt.

Folge war eine hohe Spielzeug-Vielfalt. Nun wurde von oben her entschieden, die Spielzeugindustrie weitgehend zentral zu leiten. Viele Hersteller wurden enteignet und zu VEBs zusammengefasst.  In den besten Zeiten sogar über Versandhändler wie Neckermann oder Quelle in westdeutsche Haushalte. Aber: Der Spielzeugindustrie ging es ähnlich dem Rest der Unternehmen. Durch die Zentralisierung und die lange Planungsphase waren Spielzeuge häufig veraltet, bevor sie auf den Markt kamen. Des Weiteren wurden sie über lange Zeiträume produziert, und die Qualität sank deutlich. Es wurde kaum in die Weiterentwicklung investiert, und die Produkte wurden damit immer unverkäuflicher.

Dem heimischen Markt bot man unterdessen schlechte Kopien, beispielsweise von Lego-Steinen oder Playmobil-Figuren, an. In den letzten Jahren der DDR fehlte es immer häufiger an zeitgemäßen Verpackungen. Stattdessen wurde mit „Behelfsverpackungen“ improvisiert – meistens bedruckte Papiertüten.

Von der DDR Spielzeugindustrie blieben nach der Wende nur wenige Unternehmen übrig. Einer allerdings überlebte sogar die Westkonkurrenz – das Sandmännchen, das seine Premiere im Ostfernsehen am 22. November 1959 hatte. Im Gegensatz zu seinem vergessenen West-Kollegen erkennt man ihn daran, dass er an jeder Hand nur vier Finger hat.

Während der Modellbörse werden interessante Modelle der ostdeutschen Spielzeugindustrie, von einfachen „Plasteautos“ bis zu anspruchsvollen Modellbahnen und Bausätzen zu sehen sein. Die Öffnungszeiten der Modellbörse in der Festhalle Weende, Ernst-Fahlbusch-Straße 20: 10 bis 16 Uhr. Der Besuch der Sonderausstellung ist kostenlos, derjenige der Börse nicht.

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