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Moderne Landwirtschaft: Der Knecht von heute heißt John Deere

Thema des Tages Moderne Landwirtschaft: Der Knecht von heute heißt John Deere

In den vergangenen Jahren hat sich die Landwirtschaft rasant verändert. Weniger Personal, leistungsstarke Maschinen, sensorgesteuerte Düngung: Wo früher Knechte und Mägde schufteten, regiert heute oft Hightech.

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Altes Gut, neue Technik: John-Deere-Schlepper mit Spritzwagen auf dem Gelände des Rittergutes Sennickerode – noch in den 60er Jahren arbeiteten hier 54 Menschen in der Landwirtschaft.

Quelle: Hinzmann

Sennickerode. Moderne Zeiten in der Landwirtschaft: 850 Hektar Fläche, bestellt mit Weizen, Raps und Gerste. Darauf wachsen knapp 7400 Tonnen Getreide.  Dazu noch Rübenacker und Grünflächen. Der Personaleinsatz: Fünf Mitarbeiter, zwei davon Saisonkräfte. Vor etwa 35 Jahren sah das ganz anders aus.

„1979, als ich den Job hier übernahm, hatten wir noch vier Mal so viel Personal“, sagt Michael Plümmeke. Er ist Geschäftsführer der Nova GbR, einem Zusammenschluss aus vier großen landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Göttingen. Die Nova hat ihren Verwaltungssitz auf Gut Sennickerode in der Gemeinde Gleichen und bewirtschaftet 1000 Hektar Land. Plümmeke erinnert sich an Zeiten, als dort 54 Menschen auf dem Gut in Lohn und Brot standen – auch Knechte und Mägde.  Das war Anfang der 60er Jahre und ist längst Geschichte. „Allerdings gab es hier damals noch Viehhaltung, das ist personell viel aufwendiger und damit nicht vergleichbar“.

Dennoch: Die Landwirtschaft hat einen rapiden Wandel hingelegt. „Stich tief und schmeiß weit: das ist heute vorbei“, sagt Achim Hübner vom Landvolk Göttingen. Wo früher Knechte noch tief die Gabel in den Mist stechen mussten, kommt heute Hightech zum Einsatz. Sensordüngung, GPS-Steuerung, vier John-Deere-Schlepper, deren Reifen so viel kosten wie ein Kleinwagen. Plümmeke kann auf einen hochmodernen  Fuhrpark zugreifen. „Die Geräte haben sich enorm entwickelt“, sagt er.  

Dennoch: „Zu einer erfolgreichen Landwirtschaft gehören zwei Dinge“, erklärt Hübner. Nur mit schneidigen Schleppern alleine ist noch nichts gewonnen. Das handwerkliche Knowhow des Landwirtes sei entscheidend für den Erfolg. Als zweites kommen dann die sogenannten Arbeitserledigungskosten ins Spiel. Die errechnen sich unter anderem aus Personal- und Maschinenkosten. In Plümmekes Verbund liegt diese Zahl bei etwa 500 Euro pro Hektar. Ein Wert, den laut Hübner kaum ein kleiner Betrieb erreichen kann. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr Bauern aufgeben. Seit 1999 hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Göttingen halbiert. 1999 waren es noch 1320, heute sind es 720. Und: „Das geht rasant weiter“, sagt Hübner.  

„Seit vor 22 Jahren der Betrieb Jühnde noch zu uns in die Nova kam, hat sich die Fläche, die wir bewirtschaften, verdoppelt. Das Personal hat sich im gleichen Zeitraum halbiert“. Der Vorteil liegt auf der Hand. Unter dem Nova-Dach sind landwirtschaftliche Großbetriebe aus Jühnde, Obernjesa, Rittmarshausen und Sennickerode zusammengefasst. Rund 1000 Hektar Fläche, die von drei festangestellten Mitarbeitern und zwei Erntehelfern beackert werden. Das geht nur mit cleverer Planung. Die Aussaat wird so geplant, dass das Getreide im Sommer nicht  auf allen Flächen zur gleichen Zeit reif ist. Es kann über einen Zeitraum von mehreren Wochen geerntet werden – mit nur einem Mähdrescher.

Hektar
Ein Hektar ist eine Fläche von 10 000 Quadratmetern.  Ein Quadrat in der Größe eines Hektars hat eine Seitenlänge von 100 Metern.  100 Hektar ergeben einen Quadratkilometer. Der Landkreis Göttingen misst etwa 1117  Quadratkilometer.
 
Hightech für den Acker
Die Grafik zeigt punktgenau, wo welche Düngemenge aufgebracht werden sollte: An den gelben Punkten ist fast kein Dünger nötig, auf den blauen Flächen sollte gut gedüngt werden.

Die Grafik zeigt punktgenau, wo welche Düngemenge aufgebracht werden sollte: An den gelben Punkten ist fast kein Dünger nötig, auf den blauen Flächen sollte gut gedüngt werden.

Quelle:
Mit modernen GPS-Geräten und Sensoren können die Landwirte von heute Daten sammeln, die ihnen beispielsweise beim Düngen helfen. Mit sensorgesteuerter Düngung, so erklärt Michael Plümmeke, werden zum einen die Erträge optimiert, Dünger gespart,  und die Umwelt geschont. Für die Ackerflächen der Nova liegen ihm Karten und Daten vor, die eine Quadratmeter genaue Ausbringung des Düngers erlaubt. „Nicht auf allen Flächen ergibt es Sinn, gleich viel zu düngen“, sagt Plümmeke. Mit dem sensorgesteuerten Verfahren wird, wie am Beispiel des zwölf Hektar großen Rapsackers „Lehmkule“ oben, je nach Bedarf Dünger ausgebracht. Der Sensor misst die Lichtreflexion des Pflanzenbestandes. Die Daten werden dann an die Steuerung des Düngerstreuers weitergegeben, der die Menge an den Pflanzenbedarf anpasst. Blau, das sind die Flächen, wo die Erträge mit Düngung gesteigert werden können. Auf den grünen und gelben Stellen wird – komplett automatisiert – weniger gestreut.
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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016