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Mordanklage wackelt

Fall Altenstift Adelebsen Mordanklage wackelt

Überraschende Wende im Mordprozess gegen den 27 Jahre alten arbeitslosen Maler Peter D. aus Adelebsen: Seit gestern wackelt die Mordanklage. 

Der Vorwurf der Anklageschrift, D. sei nach der Vergewaltigung einer 87 Jahre alten Frau in die Wohnung im Altenstift Adelebsen an den Tatort zurückgekehrt, um das Opfer zu töten, damit es nicht gegen ihn aussagt (Mord zur Verdeckung einer Straftat), ist kaum zu halten. 

Nachdem zwei rechtsmedizinische Gutachter gestern gehört wurden und diese als Todesursache Ersticken angaben, deutet alles auf eine so genannte „Vergewaltigung mit Todesfolge“ hin. Laut Strafgesetzbuch steht eine Mindeststrafe von fünf Jahren darauf, wenn ein Vergewaltiger leichtfertig den Tod des Opfers verursacht. Ein Schuldspruch wegen Mordes würde hingegen automatisch zu einer lebenslangen Haftstrafe führen.

Eine Milliarde zu eins

An der Täterschaft des weitgehend geständigen Angeklagten gibt es keine Zweifel mehr. Rechtsmediziner Prof. Michael Klintschar gab an, dass in DNA-Tests von fünf verschiedenen Stellen des Körpers der Toten jeweils auch die DNA des Angeklagten gefunden wurde. Mit der Wahrscheinlichkeit von einer Milliarde zu eins stammten alle diese Spuren vom Angeklagten. Hingegen seien die Spuren – DNA und Blutspuren – an einem Kissen, von dem die Staatsanwaltschaft annimmt, der Angeklagte habe die alte Frau damit erstickt, keineswegs so eindeutig.

Aus dem Bericht des Rechtsmediziners Prof. Wolfgang Grellner ergab sich zudem, dass Verletzungen und der Befund der Lunge einen Erstickungstod belegten. Andere Todesursachen schieden aus; Würgemale gebe es keine. Weil die alte Frau unter einer Herzmuskelschwäche litt, habe es bereits tödlich wirken können, wenn das Opfer während der Tat nicht mehr habe atmen können. Nasenatmung allein habe offenbar nicht ausgereicht. Grellner schloss zudem aus, dass bereits das Mundzuhalten mit der Hand beim Eindringen des Täters in die Wohnung tödlich gewesen sein könnte. Der Tod sei frühestens 15 Minuten nach den ersten Verletzungen des Opfers eingetreten – nach dem vom Angeklagten gestandenen Handlungsablauf also während der Vergewaltigung.

Gestern erhellte zudem ein psychiatrischer Sachverständiger, Prof. Jürgen Müller, das Verhältnis des Angeklagten zu seiner offenbar überfürsorglichen Mutter, das vermutlich bei dem Gewaltausbruch gegen die alte Frau eine entscheidende Rolle spielte. Das Gutachten wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit erstattet.

Von Jürgen Gückel

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